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Segeln als Digitale Nomaden

Hjortø

Jan• 13•15

Trotz der Nacht sind wir am nächsten morgen früh auf den Beinen. Eine leichte Brise von 1 bis 2 Windstärken fächelt uns etwas Luft zu und die Sonne scheint von einem überwältigend blauen Himmel herab. Ima grinst mich verschwörerisch an:

„Wollen wir nicht ein Picknick machen?“ Ich bin leichte Beute:
„Auja. Ich mache Echna klar und du packst die Sachen ein.“…

Auf dem Weg zum Hafen Hjortøs

Auf dem Weg nach Hjortø


Wenig später rudere ich auf das Ufer zu. Ima sitzt wieder in meinem Rücken im Bug. Das macht Echna etwas kopflastig, was das manövrieren erschwert, aber ich kann ungehindert ausholen und mangels irgendeiner Welle, werde ich Ima diesmal auch nicht nass spritzen. Wir sind noch nicht weit gekommen, da sagt Ima:
„Ich dachte, wir rudern zu dem Picknickhaus.“
Ich halte im Rudern inne. Prompt läuft mir Wasser, das sich im Alu-Ruder gesammelt hat auf die frische Hose.
„Welches Picknickhaus?“
„Da drüben.“ Ich drehe mich soweit das geht zu Ima um. Sie zeigt zum Hafen.
„Das ist kein Picknickhaus. Das ist der Hafenkontor.“
„Lass uns doch zum Hafen rudern. Vielleicht kann ich dort duschen und meine Haare waschen.“
Aha. Schon verstanden. Ist auch nur ungefähr viermal so weit …
„OK. Ich nehme an, die Duschsachen hast du zufällig auch dabei?“
„Zufällig ja.“

Wenig später landen wir an auf dem schmalen Strand neben der Mole. Hier hat sich abgestorbener Tang und Seegras gesammelt und ein überwältigender Geruch von Fäulnis liegt in der Luft. Glücklicherweise haben wir einen zwar leichten, aber ablandigen Wind. Wir setzen Echna hoch auf’s Trockene und laufen Richtung Hafen. Ein paar Schritte landeinwärts nimmt der Gestank schon ab und im Hafen riecht man nichts mehr. Hoffen wir mal, dass der Wind nicht dreht. Wir setzen uns an eine der Picknickbänke und Ima inspiziert die Duschen…

Der Hafen von Hjortø ist winzig und lieblich. Ich habe Schreibzeug für den Blog dabei. Aber ich kann mich nicht aufraffen jetzt einen Törn Bericht zu schreiben. Genieße lieber die Sonne und schaue auf die Segelboote. Besonders ein kleines altes liebevoll restauriertes Holzboot hat es mir angetan. Als Ima zurück ist, packen wir unser Frühstücks-Picknick aus. Brot, Käse, Butter, Tee …
„Sag mal, Ima: wo sind denn eigentlich die Messer?“
„Oh!“ und nach einer Schrecksekunde: „Ich dachte, du hast immer ein kleines Taschenmesser dabei.“ Soso.
„Heute leider nicht.“ (Frische Hose)
Ich schüttele bedauernd den Kopf und halte Ima die Thermoskanne unter die Nase. Sie sieht mich verständnislos an.
„Und Becher?“
„Oh. Ich …“
„Ich weiß schon. Du wolltest sagen, Du dachtest, ich hätte immer einen kleinen Becher dabei…“
Sie guckt mich einen Augenblick perplex an und dann perlt ihr Lachen durch den kleinen Hafen.
„Wir können ja jemanden fragen.“ … Wir(!?) … Sie sieht mich schelmisch an, als sie meinen Gesichtsausdruck wahrnimmt. Dann verbessert sie sich:
„Na gut: ICH kann ja jemanden fragen.“

Stilleben mit Niedergang

Stilleben mit Niedergang

Das macht sie auch. Ausgerechnet den sympathischen, braun gebrannten, gut aussehenden Mann, der sich hinter uns auf einen Stapel Bretter gesetzt hat. Gemeinsam spazieren sie angeregt plaudernd um das kleine Hafenbecken herum. Der Mann führt sie ausgerechnet zu dem hübschen liebevoll restaurierten Holzboot, das ich schon die ganze Zeit bewundert habe. Die beiden verstehen sich prächtig. Vor dem Boot stehend gibt es allerhand zu besprechen. Nach gefühlten zehn Minuten setzt sich Ima auf das Mäuerchen und der Mann verschwindet im Niedergang. Als er wieder auftaucht, hat er keinen Becher in der Hand, sondern Seekarten. Das kann dauern… Ich ergebe mich in mein Schicksal (nicht, ohne vorher am Nutella zu naschen), zücke mein Tagebuch und fange an mir Notizen für die Törn Berichte im Blog zu machen.

Es dauert noch eine Weile, dann ist Ima wieder da. Mit Becher und Messer.
„Sorry, aber wir haben uns so nett unterhalten.“
„Ja, das Gefühl hatte ich auch.“
Sie gibt mir einen Kuss: „Eifersüchtig?“
„Nö.“
„Kein bisschen?“
„Na ja.“ Ich gucke sie an:
„Ein bisschen schon…“ Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht.
„… Das Boot hätte ich mir auch gerne angesehen!“
Sie gibt mir einen spielerischen Klaps:
„Herr Freund, sie sind unmöglich!“

Danach kommen wir endlich zu unserem wohl verdienten Frühstück und nachdem Ima Becher und Messer gespült und zurück gebracht hat (Das ging schneller) zu einem sommerlichen Verdauungsspaziergang, der uns in einer halben Stunde über die gesamte Insel führt. Friedliche Beschaulichkeit. Auf der Hauptstraße (besser gesagt: dem Hauptweg) begegnet uns nur eine gelangweilte Ringelnatter. Gemächlich verschwindet sie im Gras jenseits des Weges. Sonst begegnen wir niemandem.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 6.8.2014

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6 Comments

  1. Stefan sagt:

    Moin moin,

    da haben wir uns nur ganz knapp verpasst, ich war der einzige Gast im Hafen Hjortø vom 04.08. auf den 05.08. Eine tolle, niedliche Insel ist das, nur Anfahrt war etwas schlecht für meinen Puls, auch mit nur 1,10m Tiefgang ;)

    Hier gibts auch den Fotobeweis für den fast ganz leeren Hafen:

    http://segellos.de/inselhopping-in-der-danische-sudsee-teil-1/

    Alles Gute!

    Stefan

    • Klaus sagt:

      Hi Stefan,
      sorry, Dein Kommentar ist unter Spamverdacht geraten. Vermutlich wegen des Links. Die letzten Tage war ich gedanklich …ähm … anderweitig beschäftigt (Joshua), so dass ich Deinen Kommentar erst jetzt bemerkt habe.

      Schönes Boot, Deine Hoppetosse! Dann haben wir uns am 5. ja durch die gleiche Flaute gequält… :) Mit ein bischen mehr Muße werde ich mir Deinen Blog noch einmal genauer angucken…
      Liebe Grüße
      Klaus

  2. Peter sagt:

    Hallo ihr zwei Glückssegler,

    schön, mal wieder was von Hjortö zu hören – dem Nabel der Welt! Ich habe dieses Eiland in unschöner Erinnerung: bei einer meiner ersten Chartertörns wollte ich unbedingt Hjortö mal anlaufen – einmal den höchsten Mast im Hafen haben! Laut Tiefgang sollte es auch klappen. Leider haben wir uns nicht genau in der Mitte des Fahrwassers gehalten und sind prompt aufgelaufen. Ein Fischer hat uns dann mit seinem starken Motor wieder rausgezogen. Er wollte partout nix dafür haben. Wir haben ihm dann eine gute Flasche Schnaps geschenkt und einige Biere mit ihm vertilgt.

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