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Segeln als Digitale Nomaden

Segeln in der Flaute

Jan• 17•15

Gegen Mittag sind wir zurück an Bord. Wir gehen gleich ankerauf. Ima hat noch immer Fahrradunfallschonung und allgemeine Urlaubserlaubnis. Sprich: Sie darf faulenzen und ich darf Néfertiti zum Fahrwasser steuern. Diese Arbeitsteilung sagt uns beiden zu  …

Segelboot Néfertiti kreuzt in engem Fahrwasser

Aufkreuzen in engem Fahrwasser

Während Néfertiti langsam dem Fahrwasser zustrebt, setze ich die Segel. SW 1-2. Den NW haben wir verpasst, der uns bequem aus dem Hjortø Fahrwasser nach Süden gebracht hätte. Trotzdem stelle ich den Motor aus und wir kreuzen im engen Fahrwasser auf. Ein mühsames Unterfangen, aber Wende um Wende arbeiten wir uns durch den Tonnenstrich.
„Du fährst einen Knoten.“
„Anderthalb.“
Ima möchte mal wieder gerne ankommen, aber ich habe von gestern noch eine dreiviertel Stunde gut … Während sie sich ein Buch schnappt und für die Uni lernt, arbeitet sich Néfertiti (zugegebenermaßen) langsam südwärts. Herrliches Segeln.

Wir haben das enge Fahrwasser fast hinter uns, da werden wir von einer großen Yacht unter Motor überholt. Sie lassen sich von Néfertiti inspirieren und setzen ebenfalls ihre Segel. Laufen dann südwärts weiter hoch am Wind Richtung Ærosköbing . Néfertiti folgt im Kielwasser, gut 200m zurück. Unsere Logge setzt aus und zeigt nur noch 0,0 kn an. Schade, gerade bei diesem Flautensegeln, schaue ich gerne auf die Logge…Eben noch lief die Yacht in einer leichten Brise, jetzt breitet sich um sie herum ein Flautenloch aus. Deutlich sieht man die Riffelung der Wasseroberfläche, da wo noch ein leichter Wind setzt. Néfertiti geht über Stag, um im Bereich des Windes zu bleiben.

Ima am Niedergang Néfertitis

Sonnenfreuden

Südöstlich von Drejø verläuft eine Sichelförmige Untiefe, deren äußerstes Ende durch eine Kardinaltonne gekennzeichnet ist. Aber Skipper denkt, man braucht nicht soweit südlich zu fahren. Schließlich verläuft die 2m Linie dicht unter dem Ufer Drejøs. Crew interessiert sich gerade sowieso nicht für’s Segeln. Sie lernt mal wieder… Allerdings sind wir die einzigen die hier schnibbeln. Selbst das Folkeboot, das aus dem Hafen von Drejø kam, lief auf die Untiefentonne zu. Und die haben weniger Tiefgang! Aber es sind keine Steine in der Karte verzeichnet. Als Wattensegler scheinen mir die 3m irre viel zu sein, es steht keine Welle und so wahnsinnig schnell sind wir ja auch gerade nicht. Allerdings gibt es hier keine Tide, die uns im Falle eines Falles wieder flott macht… Das Flautenloch breitet sich aus, und die Untiefentonne liegt jetzt mittendrin. Wenn das kein Gottesurteil ist. Nach kurzem inneren Kampf bleibt Néfertiti auf Kurs. Das Echolot springt kurz auf 2,90m dann sind wir drüber. Na bitte.

Ich rigge die Windfahnensteuerung. Derweil kommt Ima aus der Kajüte herauf. Ihr Blick fällt auf das Display der Logge, das immer noch nichts anzeigt, und sagt:

„Du fährst 0 Knoten.“ Ich übe mich in Gelassenheit. Noch:
„Guck mal ins Wasser, siehst du die Blasen vorbeiziehen? “ Ima zieht eine Grimasse und zieht sich wieder in den Schatten der Kajüte zurück.

Langsam driftet Drejøs Südufer vorbei. Inzwischen sind wir keck geworden. Zumindest Néfertiti und ich. (Crew studiert noch immer.) Südwestlich Drejøs wartet die nächste Untiefe und wir überlegen nicht lange, nehmen gleich die Abkürzung innen herum. Dicht unter dem Ufer gehen wir auf Kurs Avernakø. Dazu müssen wir abfallen. Während die Windfahnensteuerung uns auf Kurs bringt, schiffte ich das Groß und baume die Genua aus. Schmetterling segeln. Die Welt ist so schön. Von achtern kommt ein kleines Segelboot unter Spinnaker auf. Am Ruder sitzt eine Piratenkönigin. Jedenfalls trägt sie einen altertümlichen Dreispitz. Ich zücke den Fotoapparat. Da kommt Ima hoch:

Segelboot unter Spinnaker samt Piraten Kapitänin

Piraten holen uns ein

„Flirtest Du?“
„Nicht, dass ich wüsste.“ Langsam zieht das andere Boot vorbei.
„Selbst das kleine Bötchen überholt dich.“ Dich …
„Wollte da nicht jemand lesen? Das Boot schaukelt nicht, krängt nicht… Es gibt nicht mal Motorenlärm! Entspann dich mal!“ Naja. Auf Befehl entspannen ist nicht gerade Imas Stärke, aber schließlich fügt sie sich in ihr Schicksal. Vor Avernakø liegen mehr Boote vor Anker, als vor den anderen Ankerplätzen, die wir bisher besucht haben. Die bewaldeten Ufer im Osten der Insel sehen auch zu lieblich aus. Néfertiti gleitet langsam vorbei. Wir wollen auf der Nordseite ankern. Falls der Südost über Nacht zulegen sollte…

So stelle ich mir das jedenfalls vor. Doch plötzlich sehe ich mich meines Kommandos enthoben. Das Schreckgespinnst jeden Kapitäns… Mehr davon im nächsten Beitrag „Meuterei“.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 6.8.14

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10 Comments

  1. Klaus sagt:

    Knapp daneben ist auch vorbei. Da hätten wir beinahe in der selben Bucht geankert. Wir lagen in der Nacht vom 6. auf den 7. August vor dem bewaldeten Ostufer von Avernakø. Es wurde bei uns aber eine unruhige Nacht, die uns morgens aber belohnt wurde. In der Nähe lag nämlich ein altes Gaffelboot, auf dem ein Cellistin zum Frühstück ihre Übungsstunde abhielt. Das hatte schon was, in der dänischen Südsee ankern und bei Sonnenschein mit Cellobegleitung frühstücken.

    Herzlichen Gruß an Ima und dich.
    Klaus

    • Klaus sagt:

      Mensch Klaus,
      das wäre ja ein Ding gewesen! Wir lagen auf der Nordseite ganz ruhig, aber dafür hat uns auch keine Cellistin das Frühstück versüßt.

      Genau genommen gab es für mich nicht einmal ein Frühstück … Aber mehr davon nächste Woche.

      Herzliche Grüße auch an Deine Frau und Dich.
      Klaus

  2. Jens sagt:

    Gut geschrieben, laß dir nicht so lange Zeit mit der Fortsezung…Meuterei, klingt gut ;-)

  3. Ingo sagt:

    Moin Klaus,

    das schnippeln liebe ich auch sehr!! Meine Frau natürlich nicht! Bisher ist es auch fast immer gut gegangen. Bis ich mal etwas, nur ein kleinwenig, nachlässig war und an der NW-Ecke von HjortØ die wirklich sehr kleinen, schwarzen Kreuze in der Seekarte übersehen habe. Es hat, Gott sei Dank, nur etwas unterm Kiel geknirscht. Ich musste danach auch etwas zerknirscht sein, trotzdem kann ich mir bei entsprechendem Verhalten (Schnippeln) die Geschichte der Steine vor HjortØ „oder wo war es noch“ anhören. Eine Meuterei hat es bei mir nicht gegeben. :-) Ich freue mich auf deine nächste Geschichte.

    • Klaus sagt:

      Mit dem Langkieler ist das mit dem Auflaufen ja nicht soooo schlimm. Aber die Werft eines Freundes einer mit mir befreundeten Bootsbauerin lebt hauptsächlich von zwei Arbeiten: Nachträglich Bugstrahlruder einbauen und das Reparieren von Rissen, die bei Kurzkielern aus Kunststoff auftreten, wenn sie mit genügend Fahrt gegen Steine o. ä. fahren …
      Lieber Ingo, ich wünsche Dir nicht nur beim Schnibbeln allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel ;)
      Klaus

  4. Claudi sagt:

    Faulenzen auf einer Segelyacht, aber gerne doch. Das gönn ich mir auch immer mal :) mein Favorit ist das Mitsegeln Italien. Da döse ich vor mich hin und genieße die Ruhe.

    • Klaus sagt:

      Hi Claudi,

      Mittelmeer fände ich auch nicht schlecht … ;)

      Ich habe mal über Eure Seite geguckt und (zumindest auf den ersten Blick) keine Fotos von Skipper und Crew gefunden. Wenn Ihr zahlende Chartergäste sucht, wäre ein freundliches Gesicht bestimmt eine gute vertrauensbildende Maßnahme. Würde ich an Eurer Stelle unbedingt einfügen…

      Liebe Grüße
      Klaus

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