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Segeln als Digitale Nomaden

Badefreuden

Feb• 05•15

Im klaren Wasser der Ostsee sieht man den Bewuchs des Unterwasserschiffs. Es ist noch nicht schlimm, aber: Wehret den Anfängen! Heute ist es heiß. Das richtige Wetter für einen großen Badespaß…

Eine Invasion von Quallen

Badefreuden

Die Crew hat keine Lust auf Baden nach der langen Wanderung. So bleibt es wohl an mir hängen. Ich spanne zwei Leinen um den Rumpf, an denen ich mich festhalten kann auch wenn ich tauche. Dann steige ich ins Wasser, um das Unterwasserschiff zu schrubben. Die Ostsee ist so klar, dass ich alle Seepocken sehen kann. Irgendwie toll, Néfertiti von unten zu sehen… und am Bauch zu kitzeln.

Konnte früher mal zwei Minuten die Luft anhalten, aber das scheint lange her zu sein. Nach einer halben komme ich prustend wieder hoch. Obwohl der Bewuchs leicht abgeht, ist die Prozedur anstrengender als gedacht. (Und auch weniger spaßig.) Immer wieder tauche ich hinunter und arbeite mich langsam nach vorne durch. Als ich die eine Seite endlich fertig habe, bin ich total ausgepumpt. Schaffe es kaum ins Schlauchboot zu klettern, geschweige denn an Néfertitis Bordwand hoch. (Das habe ich vor unserem ersten Törn mal ausprobiert. Am Heck sind zwei „Tritte“, die die Bordwand vor übertriebenen Ruderausschlägen schützen. Da kann man aus dem Wasser klettern, aber es ist ein Überhang zu überwinden!) Das noch bei Seegang?! Ich gelobe mir, uns weiterhin immer brav anzuleinen, um gar nicht erst über Bord zu fallen…
Als ich mich erschöpft auf die Cockpitbank sinken lasse, ruft Ima aus der Kajüte:
„Einen heißen Tee?“
Tatsächlich bibbere ich vor Kälte und habe blaue Lippen, obwohl die Sonne auf uns hernieder knallt.
„Auja!“

Ima bringt auch eine warme Decke mit an Deck und legt sie mir über die Schultern. Mit der Muck dampfenden Tees in der Hand und der Decke kehren langsam meine Lebensgeister zurück. Ich schaue ins Wasser und traue meinen Augen kaum: Um das Boot herum schwimmen plötzlich Quallen. Nicht eine oder zwei… Hunderte! Und wo kommen diese abgerissenen Seegrashalme her?

Nach einer Weile fühle ich mich gestärkt. Ich muss noch die andere Seite abschaben. Aber um das Boot herum schwimmen noch immer Quallen. Weniger jetzt, aber jede Minute treiben ein, zwei der Biester vorbei. Die meisten sind blau. Ich denke an den Schwimmer bei Svendborg und berühre sie probeweise. Sie nesseln nicht. Kämpfe einen Moment mit mir und steige dann zurück ins kalte Nass.

Nach den ersten unheimlichen Begegnungen mit der Quallenart gewöhne ich mich an die gallertartigen Mitbewerber um dieses Fleckchen Ostsee. Ihre Berührung ist nicht einmal unangenehm. Nur denen mit den roten Fäden gehe ich aus dem Weg. Trotzdem bin ich froh, als ich endlich das ganze Unterwasserschiff geschrubbt habe und wieder an Bord steigen kann. Nachdem ich mich aufgewärmt habe macht sich das gute Gefühl in mir breit, Néfertiti gut vorbereitet zu haben. Was auch immer da kommen mag… Nun… es kam schlimmer, als erwartet. Aber mehr davon morgen.

Abends sitzen wir bei einem Glas Rotwein und gesättigt in der Dämmerung. Der Wetterbericht hat sich geändert. Morgen früh sind zwar immer noch drei Windstärken angesagt, aber im Laufe des Tages soll der Wind auf 6 zunehmen. Also werden wir bei Sonnenaufgang aufbrechen!
„Klaus. Das war ein schöner Tag. Ich bin froh das wir noch geblieben sind.“
„Ich auch. Hoffen wir mal, dass es morgen nicht so ruppig wird.“

Nächtlicher Ankerplatz

Nachts

„Lyø hat mich mit der dänischen Südsee versöhnt.“ Ich dachte, sie mag die Ostsee?! Aber mir geht es so ähnlich. Die Dänische Südsee hat etwas Liebliches… Wenn Néfertiti an der Ostsee läge, würde ich auch oft hier segeln. Aber so wie die Frau von der Aldebaran ( „Wir haben die Dänische Südsee. Eigentlich müssen wir nirgendwo anders mehr segeln…“) empfinde ich es nicht. Mir fehlt das Unverbaute, Einsame, Wilde. Wahrscheinlich muss man dafür nur etwas weiter nach Norden oder Osten segeln…? Davon abgesehen ist es ein tolles Revier mit vielen geschützten Ankerplätzen und Häfen. Und keine Tide, die einen zu bestimmten Zeiten aus den Federn zwingt. (Wir haben ja auch noch längst nicht alles gesehen und kommen bestimmt wieder…)

Wir gehen früh in die Koje. Nachts wache ich auf. Der Wind heult in den Wanten. Gegen drei Uhr dreht er auch noch rück und Néfertiti fängt an vor ihrem Anker zu tanzen. Verlegen? Ich strecke den Kopf aus dem Luk, um die Lage zu peilen. So wild ist es nun auch wieder nicht. In zwei Stunden wollen wir eh los… Also krabbele ich wieder in meine Koje und versuche im heftigen Auf und Ab noch ein bisschen Schlaf zu bekommen…

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 7.8.14.

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2 Comments

  1. Lucky sagt:

    Du immer mit deinen Cliffhängern! :-) Jetzt müssen wir wieder Tage warten, bis wir wissen was jetzt „morgen“ passiert :)

    Ne, passt schon. Ich freu mich auf die Fortsetzung!

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