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Wie man seine Frau (zum Segeln) verführt

Einhand

Feb• 22•15

Der Zug rattert gen Norden. Langsam verschwindet die Landschaft hinter einem dunklen Tuch und die Innenbeleuchtung spiegelt sich im Fenster, mischt sich erst mit dem Bild draußen und überdeckt es schließlich…

 

Ich habe zwiespältige Gefühle. Einerseits freue ich mich darauf einhand zu segeln. Es ist für mich keine Notlösung und es macht mir auch keine Angst. Ich bin gerne alleine. Andererseits vermisse ich Ima schon jetzt. Sehe ihr verschmitztes Lächeln vor mir und würde sie gerne in den Arm nehmen.

Als wir in Flensburg ankommen, ist es stockdunkel. Ich schultere meinen schweren Rucksack (Lauter schöne Handbücher, die ich teils kopiert oder von Axel geschenkt bekommen habe. Hoffentlich nützlich, auch wenn das Älteste noch Schwarzweißfotos hat, die fast leere Häfen zeigen in denen nur Klassiker liegen…) Der Bus ist gerade weg. Also laufe ich durch dunkle Straßen und die menschenleere Fußgängerzone.

Auf den letzten Metern fängt es wieder an zu regnen. Néfertiti liegt geduldig in ihrer Box. Es kommt mir gar nicht so vor, als hätte ich sie erst heute morgen hier zurück gelassen. Unser Bugkorb befindet sich auf gleicher Höhe mit dem Steg. Ich balanciere mit dem schweren Rucksack hinüber, halte mich am Vorstag fest und mache einen großen Schritt hinunter an Deck. Der Liegeplatz ist eindeutig für größere Boote gedacht…

Steige in die Kajüte hinunter und befinde mich in meiner Welt. Der Regen trommelt auf das Kajütdach. Ich schiebe das Luk hinter mir zu und setze mich auf meine Koje. Ein tiefes Glücksgefühl durchströmt mich. Ich werfe den Kocher an, mache eine „Notfalldose“ auf, die Ima nie und nimmer gegessen hätte. Segeln werde ich heute nicht mehr. Lösche stattdessen kurz nach dem Abendessen das Licht und krabbele im Dunkeln in meinen Schlafsack. Liege noch lange wach. Vermisse die Atemzüge von der anderen Seite der Kajüte …

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3 Comments

  1. Bertram sagt:

    …wie schön du schreibst, Klaus!

    >
    Bertram

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