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Segeln als Digitale Nomaden

Flensburg Blues

Mrz• 05•15

Ich bin früh auf den Beinen. Um 6.40 Uhr checke ich den Wetterbericht: S-SW 4-5, Schauer- und Gewitterböen…

Néfertiti seglt in der Flensburger Förde

Gen Flensburg

Ich beschließe zurück zu segeln, vor dem Ruderclub zu ankern, einen neuen Wechselrichter zu kaufen und dann wieder auszulaufen. Solange kann das ja nicht dauern. Der Wind weht schwach aus der vorhergesagten Richtung. Ich schlürfe noch einen heißen Tee, setze das Groß und lichte den Anker…

Wir kreuzen gemächlich die Flensburger Förde auf. Zwischen den Wolken lugt die Sonne hervor. Allerdings kommt von Süden schon die nächste schwarze Wolke auf uns zu. Ich überlege noch, ob ich vorsorglich reffen soll, da schießt eine Riffelung auf dem Wasser auf Néfertiti zu. Eine Bö. Néfertiti neigt sich zur Seite und startet durch. Gleichzeitig fängt der Regen an auf uns hernieder zu prasseln. Soll ich Néfertiti einfach laufen lassen? Es macht Spaß durch das Wasser zu schäumen… Aber nach einigen Momenten setzt sich die Vernunft durch. Ich reffe nachsorglich. Erst die Genua, dann drehe ich bei, um auch ein Reff ins Groß zu binden. (Das geht besser mit verkleinerter Rollfock) Die Sicht zieht sich zu. Ich beuge mich von oben den Niedergang hinunter und schalte unser Positionslichter ein. Zehn Minuten später kommt die Sonne wieder heraus und wir sind unterbesegelt. Ich reffe die Genua aus und lasse das Groß wie es ist. Die nächste Schauerbö kommt bestimmt. Positionslichter aus. Die Landschaft zieht vorbei.

Segelboot Néfertiti: Segeln in der Flensburger Förde

Wechselspiele des Wetters

Zwanzig Minuten später ist die nächste schwarze Wolke heran. Diesmal bin ich auf der Hut und reffe die Genua rechtzeitig. So geht das hin und her, bis ich bei strahlendem Sonnenschein den Scheitel der Flensburger Förde erreiche. Inzwischen bin ich froh über die Rollgenua. Was wären das mit einem normalen Segel für schweißtreibende Aktionen gewesen. Wahrscheinlich hätte ich auf das Ausreffen verzichtet… Wir ankern vor dem Wald.

Schnell ist Echna klar und ich rudere an Land. Eine Spaziergängerin mit Hund erwartet mich am Strand und wir klönen ein wenig. In der Nähe soll es einen großen Yachtausrüster geben und ich mache mich auf den Marsch.

Finde den Laden auch nach einigem Hin und Her. Eine riesige Halle. Hier werde ich bestimmt fündig:
„Moin, moin. Ich suche einen Wechselrichter.“
„Einen was?!“
„Einen Wechselrichter.“
Man hat noch nie von so einem Teil gehört, aber verweist mich an einen Elektrobetrieb im gleichen Gebäude. Ich klingele, aber niemand öffnet. Also laufe ich weiter Richtung Flensburger Innenstadt. Der nächste empfohlene Ausrüster führt nur Klamotten, ich frage trotzdem nach einem Wechselrichter.
„Wechselrichter? Was soll das sein?“
Aber die Verkäuferin hat eine Idee: der Baumarkt mit Nautic Abteilung. Ich warte im Regen zwanzig Minuten auf den nächsten Bus, der, als er endlich kommt, nicht am Bushaltestellenschild hält, wo ich warte, sondern auf einer gesonderten Busspur hinter der gegenüberliegendenen Straßenseite. Meine Handzeichen übersieht der Busfahrer geflissentlich und als der Verkehr endlich abbricht und ich die Straße überqueren könnte, setzt sich der Bus in Bewegung. Na toll. Jetzt noch einmal eine halbe Stunde warten? Nee danke. Zu Fuß laufe ich zum Baumarkt, der schon fast außerhalb Flensburgs liegt. Und zwar auf der südlichen Seite, während ich auf der nördlichen ankere. Nach einer Weile hört wenigstens der Regen auf. Schließlich erreiche ich nach anstrengendem Marsch den Baumarkt.
„Wechselrichter?! Was ist denn das?“ und nachdem ich es erklärt habe:
„Da muss ich mal einen Kollegen fragen.“
Nach einer Weile kommt der Kollege. Wenigstens weiß er sofort, was ich meine:
„Nee, Wechselrichter führen wir nicht. Versuchen sie es mal bei dem Campinggeschäft.“
An dem Campinggeschäft bin ich vorbeigekommen, einen gefühlten Kilometer zurück.

Segelboot Néfertiti ankert in der Flensburger Förde

Südsee Feeling

Im Campinggeschäft:
„Klar haben wir.“ Wow! Das ist doch mal ein Wort!
„Wofür brauchen sie ihn denn?“
„Zum Laden meines Handys und Laptops.“ Er zeigt mir seine Schätze. Sie haben sogar verschiedene Modelle.
„Was für ein Glück. Ich dachte schon ich würde in ganz Flensburg keinen kriegen.“ Er sieht mich lächelnd an und zieht einen Wechselrichter hoch oben aus dem Regal.
„Was macht das?“
„200 Euro.“
„Wieviel?!“
„Zweihundert.“
„Mein alter hat 30 gekostet.“
„Ja. Sowas haben wir auch, aber den verkaufe ich ihnen nicht!“
„Wie bitte?“
„Ich werde ihnen den nicht verkaufen!“
„Warum nicht?“
„Der hat keine echte Sinusspannung und wenn sie ihr Laptop damit kaputtmachen, hafte ich dafür.“ Das ist mir neu. Das mit der Haftung. Dass mit dem kaputt machen auch. Dass das billige Gerät extra für Handys und Laptops ausgelegt ist und sie auf der Packung aufgeführt sind, lässt der „Verkäufer“ nicht gelten. Nach heftigen Hin und Her verlasse ich den Laden unverrichteter Dinge!

Der gute Mann hat sich mit seinen Verkaufsargumenten (für den teuren Wechselrichter) so weit aus dem Fenster gelehnt, dass er jetzt nicht mehr zurückrudern kann, ohne sein Gesicht zu verlieren. Was für ein Blödsinn! Damit habe ich alle Optionen durch. Da fällt mir ein, dass Wechselrichter ja eigentlich für Autos erfunden wurden. Ich gehe noch einmal zurück in den Laden:
„Gibt es hier einen Autozubehörhandel?“
„Ja. Neben dem Baumarkt.“Also wieder zurück…

„Wechselrichter? Klar haben wir. Wie stark soll er denn sein?“ Ich kann es kaum glauben. Der hier ist sogar günstiger als der im Campingladen. Freudestrahlend verlasse ich das Geschäft und wechsele die Straßenseite, um mit dem Bus stadteinwärts zu fahren. Aber die Busse fahren hier nur alle paar Stunden. Was soll‘ s. Heute ist halt Wandertag. Unterwegs besorge ich mir noch einen Kauderwelsch-Sprachführer Dänisch und trinke gemütlich einen Kaffee. Endlich können wir los!

Am späten Nachmittag komme ich wieder bei Echna an. Das Dinghi liegt brav unter dem Baum, wo ich es zurückgelassen hatte. Ich lasse es zu Wasser, und rudere hinüber zu Néfertiti. Eigentlich wollte ich sofort los segeln. Aber ich bin hungrig und jetzt habe ich mir erst einmal eine fürstliche Mahlzeit verdient. Schließlich ist alles erledigt. Braucht nur noch das Wetter besser zu werden…. Während die Spagetti kochen, lese ich die Betriebsanleitung. Sollte den Wechselrichter lieber ausprobieren, bevor ich weiter segele. Außerdem ist mein Handyakku alle. Also schließe ich ihn an nach dem Essen an. Dieses Modell muss man erden. Leider liegt kein Erdungskabel bei. Kurzerhand nehme ich das Minuskabel des alten Wechselrichters. Als ich das Handy einstecke, macht der neue Wechselrichter keinen Pieps, geschweige denn, dass er das Handy lädt …

Segelboot Néfertiti ankert in der Flensburger Förde

Friedliche Abendstimmung

 

Ich steige an Deck. Komisch. Irgendwie ficht mich das Ganze nicht wirklich an. Ich sitze hier im Cockpit meines eigenen Bootes, in der Flensburger Förde… Ich schenke mir einen Tee aus der Thermoskanne ein und betrachte das bewaldete Ufer. Nehme zum ersten Mal richtig wahr, was für ein schöner Ankerplatz das hier ist. Was für eine friedliche Stimmung.

♦♦♦

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12 Comments

  1. Klaus sagt:

    Wechselrichter zum Handy laden? Nee, da gibt es im Autozubehör Kabel für die Zigarettenanzünderdose mit USB Anschluss fürs Telefon. Kosten keine € 10,–

    • Klaus sagt:

      Danke Dir Frank. :)

      Habe mir den Link gleich mal angeguckt: Ist allerdings auch nicht günstiger als der Wechselrichter, den ich jetzt habe. Der ist allerdings vielseitiger verwendbar. Außerdem hat der „Neue“ ebenfalls einen USB Ausgang, über den man zumindest das Handy laden kann, ohne dass der Strom hoch und wieder runter transformiert wird… Nur, dass er direkt an die Batterien angeschlossen werden muss, ist ein Nachteil…
      Liebe Grüße
      Klaus

  2. ingo sagt:

    Moin Klaus,

    das ist ein ganz schlimme Geschichte. Die vom Wechselrichter!! Was trifft man manchmal für Menschen!?

    Der letzte Absatz deiner Geschichte einfach wunderbar! Er hat eine gute Ausstrahlung, erzeugt eine schöne Atmosphäre und wiegt mit Leichtigkeit alles auf.

    Herzliche Grüße Ingo

    • Klaus sagt:

      Hi Ingo,
      ja, es gibt schon seltsame Menschen… Interessant finde ich jetzt (Damals war ich sicher, es handele sich um eine Abzockmasche), dass er am Ende auf den „kleinen“ Verkauf verzichtete … Habgierige Menschen (zumindest die, denen ich begegnet bin) haben kein Problem umzuschwenken und plötzlich das Gegenteil zu behaupten, wenn die erste Strategie nicht verfing, um wenigstens den Spatzen zu kriegen. Damals dachte ich, er will das Gesicht wahren. Heute habe ich den Verdacht, dass er wirklich glaubte, was er da so von sich gab… warum auch immer. Vielleicht hatte ihn gerade jemand verklagt…?!

      Der Abend war magisch. Es war ein ganz besonderer Moment für mich. Denn seltsamer Weise war kein Ärger in mir. Nur diese friedvolle Stimmung…

      Liebe Grüße :)
      Klaus

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