Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Wie war es denn auf dem Hafengeburtstag?

Mai• 28•15

Eben sah es noch nach Regen aus. Jetzt kommt die Sonne durch. Eine kleine Bühne. Irgendwie schnuckelig. Ein paar Holzbänke und Tische (Voller Menschen.) Die Band auf der Bühne spielt „Dock of the bay“. Unser Signal. Danach beginnt deren Pause und unser Interview.

Hafengeburtstag Hamburg

Ne Menge Leute …
(Mit freundlicher Genehmigung von Marlies)

Mick wirbelt über die Bühne und macht Spökes. Ich stehe am Rand und bin aufgeregt. Verdammtes Lampenfieber. Warum habe ich eigentlich zugesagt?
„Und nun lasst uns einen ganz besonderen Mann begrüßen. Inspiriert von Bernard Moitessier (Stimmt!), Wilfried Erdmann (Naja) und Eric Taberly (Häää?!) wagte er es loszusegeln zu den Karibischen Inseln (Karibik???!)… des deutschen Wattenmeeres: Klaus von der Néfertiti!“ Applaus.
Ich trete auf die Bühne, greife mir das zweite Mikrophon und los geht es.

Ich weiß nicht mehr genau, was ich gesagt habe. Ich glaube, ich habe von den Schönheiten des Segelns erzählt, Tipps gegen Seekrankheit (Vitamin C)gegeben und dunkel erinnere ich mich an Applaus für die Hilfsbereitschaft der Ostfriesen. Als ich merkte, dass die Leute tatsächlich zuhörten, wurde ich sicherer, obwohl ich bis zum Ende weiche Knie hatte. Plötzlich (viel zu früh) ist das Interview zu Ende. Applaus. Toll.

Hafengeburtstag Hamburg

… hören zu
(Mit freundlicher Genehmigung von Marlies)

Marlies, eine liebe Freundin, die ich ursprünglich auch mal über den Blog kennengelernt hatte, war zur moralischen Unterstützung gekommen. Ich drängele mich zu dem vertrauten Gesicht durch.
„Mann, war ich aufgeregt!“
„Aufgeregt?! Hat man Dir gar nicht angemerkt.“ Na wenigstens das.

In der zweiten Pause ist Claus Aktoprat dran, manchem besser bekannt als The Sailing Bassman (www.luvgier.de, lesenswerter Blog nicht nur über seinen Sommer in den Schären, mit vielen, schönen Videos) Das persönliche Treffen mit dem geschätzten Bloggerkollegen ist für mich einer der Höhepunkte des Hafengeburtstages: „Ich habe ja nun ein halbes Jahr gesegelt und dachte, ich könne von dem Törn jahrelang zehren. Aber die Sehnsucht ist nicht kleiner geworden. Am Liebsten würde ich so bald wie möglich wieder los segeln…“
Wir hatten uns schon vor meinem Interview unterhalten und waren sofort auf einer Wellenlänge. Auf der Bühne erzählt Claus von einem Gewitter, dass er an Bord erlebt hatte.

Hafengeburtstag Hamburg

Mick und ich auf der Bühne
(Mit freundlicher Genehmigung von Marlies)

Der zweite Höhepunkt waren Rainer und Natalie von den Sea Sheperds, die versuchen die Wilderei zu unterbinden und gegen die Vermüllung der Weltmeere kämpfen. Da, wo die Staaten dieser Welt überfordert sind, wo keine Küstenwache patrouilliert: Im Südpolarmeer. Es ist fünf nach zwölf, aber das scheint nicht jeden zu interessieren. Während Rainer vom Fund eines (illegalen) 72 km (!!) langen Treibnetzes erzählt, spielen einige lieber Karten… Irgendwie erschüttert mich das, aber gottseidank gibt es ja auch noch die anderen…

Später sitzen Marlies, Mick und ich noch an Bord der Papalagi, inmitten der anderen Traditionssegler und trinken Tee. Mick ist verzweifelt:
„Was ist nur mit der Menschheit los? Es ist einfach zu spät, die Welt zu retten! Das interessiert keinen mehr!“ Das Boot wiegt sich leicht im Schwell, der Müll im Hafenbecken schwingt im Gleichtakt mit und Mick stellt uns seine Idee vor: Alle Segler sollten sich zusammen schließen, als „Sailing Plastik Pirates“. Wenn alle Sportbootfahrer den Müll, dem sie begegnen, aus dem Wasser fischen, gäbe das eine Menge Training (Müll über Bord Manöver). Und die Meere würden es uns danken. Auch wenn es nur ein kleiner Schritt scheint, immerhin wäre es einer…

Während ich in Papalagis Cockpit sitze und einen Schluck Tee nehme, wird mir bewusst, dass es einen Unterschied macht, ob man selbst leise und unbeobachtet den Müll auf der Sandbank einsammelt, oder ob man das laut macht, als Aktion, die andere inspirieren könnte …

Es ist zwar schon fünf nach zwölf, aber noch nicht aller Tage Abend. Es gibt keinen Supermann. Die Welt müssen wir schon selbst retten!

♦♦♦

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8 Comments

  1. Jörg sagt:

    Als die Menschheit mit der Produktion von Kunststoffen begann, wurde die Büchse der Pandorra geöffnet. Wenn man sich mal anschaut wieviel Plastikmüll in D im Wald liegt und wie die Länder im Mittelmeerraum vermüllt sind, wird klar, es gibt keine Rettung mehr für diesen Planeten. Die Menschheit ist schlecht und die Erde wird irgendwann untergehen. Ist bitter, aber leider auch Realität. Mit der kontinuierlich steigenden Bevölkerungsdichte und dem planmässigen Verwüsten von Lebensraum z.B. im nahen Osten werden die Probleme auf diesem Planeten nicht geringer. Man kann nicht soviel essen, wie man kot*en könnte…
    Aus purem Egoismus: ich bin froh und dankbar, auf dieser Seite des Erdballs geboren zu sein.

    Gruß, Jörg!

  2. Klaus sagt:

    Lieber Jörg,
    Der unverbesserliche Optimist in mir will das einfach nicht akzeptieren… Dabei fällt mir etwas ein. Mein Cousin und ich waren vor Jahren für zwei Wochen (oder so) im Elbsandsteingebirge zum klettern. Das ist eine Landschaft von Erfurcht erregender Schönheit.

    Darüber hinaus war es Naturschutzgebiet und die einzige Möglichkeit sich dort zu bewegen bedeutete stundenlange Wanderung. Autos oder ähnliches waren verboten. Will sagen: In dem Gebiet waren nur „Naturfreunde“ unterwegs.

    Zuerst waren wir nur erschüttert über die Menge des Mülls, der am Wegesrand lag. Dann haben wir angefangen ihn aufzusammeln… Die reinste Sisyphosarbeit. Wir haben jeden (!!) Tag wieder neu mindestens eine Plastiktüte voll eingesammelt… Ich glaube: Je schlimmer sich die Unverbesserlichen benehmen, um so mehr müssen wir anderen tun … ;)

    Liebe Grüße
    Klaus

  3. David sagt:

    Moin Klaus,

    was alleine hier zuhause (damit meine ich jetzt das gesamte Ruhrgebiet) in den Städten an Müll rumliegt ist der Wahnsinn.

    Das erschreckende daran ist eigentlich, dass es niemanden zu interessieren scheint was in seiner Umwelt so vor sich geht. Das kann man eigentlich auch auf alles beziehen. Die Meisten interessieren sich herzlich wenig dafür wie es (teilweise) guten Freunden geht.

    Fakt ist, dass wir es in der Hand haben, wie unsere Welt aussieht.

    Die Sea Sheperds leisten grandiose Arbeit die es zu unterstützen gilt. Und das überall ob auf den Faröern oder im Südpolarmeer.

    Wie schon gesagt, ich finde es sehr erschreckend wie egal den meisten die Welt ist.

    Ganz lieben Gruß, wie immer auch von Hannah

    David

    • Klaus sagt:

      Hi David,

      ich will einfach nicht glauben, dass es die Meisten sind!

      Ich denke grundsätzlich hat das „anderen helfen“ damit zu tun, ob man die Verantwortung übernimmt (übernehmen muss). Ich glaube von mir, dass ich relativ oft helfe und habe mich auch immer wieder in brenzlige Situationen gebracht, weil es mir schwer fällt dabei zu stehen und nichts zu tun, wenn irgendetwas passiert. Aber auch ich habe nicht jedem geholfen…

      Stell dir vor, Du wanderst durch eine einsame Landschaft einen Feldweg entlang und hinter einer Wegbiegung liegt jemand auf der Erde. Die Allermeisten werden versuchen zu helfen, zumindest fragen was ist …

      Stelle Dir die gleiche Szene in der Fußgängerzone zur Haupteinkaufszeit vor. Du kommst aus der U-Bahn und da liegt einer in einem Hauseingang. Die meisten werden denken „Ein Besoffener!“ und weitergehen …

      Das eine Mal ist niemand da, der helfen könnte, außer Dir. Das andere Mal gibt es hunderte. Wenn es hunderte gibt, kann es vorkommen, dass keiner hilft.

      Ich glaube, das ist auch das Problem oben. In den Städten gibt es ja die Müllabfuhr! Schon geben wir (Menschen) unsere Verantwortung ab. Auf den Weltmeeren sind ja die Sea Sheperds… Schon geben wir (Menschen) die Verantwortung ab. Amnesty … Greenpeace. Alles wichtige, super Organisationen. Und obwohl sie das unter keinen Umständen wollen, verführen sie uns (Menschen) leicht dazu unsere Verantwortung abzugeben.

      Das einzige, das dagegen hilft ist Bewußtheit. Man kann als einzelner nicht jedem helfen und nicht jedes Problem lösen, darum geht es auch gar nicht, aber man kann versuchen in seiner eigenen, kleinen, privaten Umwelt etwas Gutes zu tun. Egal wie klein oder groß es ist: Wenn es jeder (ab und zu) täte, wäre diese Welt ein besserer Ort.

      Liebe Grüße (auch an Hannah)
      Klaus

      • rob sagt:

        Hallo,

        nach dem Unverständnis über die Schmerzfreiheit seinen Müll einfach zu hinterlassen und besonders in Landschaften, die wir wegen ihrer Unberührtheit lieben, muss man auch festhalten, dass in dieser Epoche leben, in der wir uns damit herumzuschlagen haben. Es ist ein uns natürlich gewachsenes Holzbein aus dem Sägemehl unser aller gemeinsamen Last dieses Zeitalters. Der Müll war schon ein florierendes Geschäft, als es noch gar kein Plastik gegeben hat. Und genaugenommene könnte es uns auch freuen, dass der Scheiß die Oberfläche erreicht und nicht nur die Drittländer belastet. Den Winter war ich bei super ökologisch wirtschaftenden Bauern, da produziert eine Familie so gut wie keinen Müll! Andere Bauern habe ich erlebt, wie sie der Kundschaft auf dem Markt keine Tüte gegeben haben, weil sie es sich alle zu „smagelig“ machen. Smagelig meint bequem, einfach. Den Widerstand entgegen all dem kann man kaum aushalten und so vermute ich das andere Empfinden von Klaus genüber dem stillschweigenden aufsammeln. Vor vielen Jahren habe ich mal den Nachweis von dem Plastik in der Innenseite eines Metallschraubverschlusses auf einer Glasflasche im Laborwert des darein abgefüllten Wassers gesehen. Der magische Satz, dass es nie zuspät ist, muss auch hier der Anfang für Veränderung und Hoffnung sein.

        P.S. Klaus, habe deine Mail bekommen, danke. Wenn ich etwas zu Thies und Kiki erfahre schreibe ich es dir.

        Grüsse,
        rob

        • Klaus sagt:

          Hi Rob,
          sorry dass es länger gedauert hat, aber ich war in letzter Zeit etwas blogabstinent …

          „Es ist nie zu spät!“ finde ich eine gute Einstellung. Hast Du Thies und Kiki noch getroffen oder sind die inzwischen wieder außerhalb Deutschlands?

          Liebe Grüße
          Klaus

          • rob sagt:

            Hallo Klaus,

            der Mare Verlag hat mir geschrieben, dass die beiden bereits am 15. Juli abreisen und keine Möglichkeit sehen, bis dahin noch eine Lesung zu halten. Dass sie aber noch einen Besuch im Winter planen und dann eine handfeste Vortragsreihe, auch gerne in größerern Sälen, auf die Beine stellen möchten.

            Sie werden mir entstehenede Termine und Orte mitteilen und würden dann auch gerne mit mir „in Ihrem Haus“ einen Vortrag planen. Ich habe das Missverständnis benannt und geschrieben, dass ich aber gerne versuchen würde, jemanden dafür zu begeistern, einen Vortrag mit ihnen zu planen.

            Entschuldige, ich habe es etwas vor mich hergeschoben, Dir mit einer Mail Nachricht zu geben. Wahrscheinlich weil ich mich gerne noch mehr über die beiden austauschen würde und mir das als schwieriger erschien, als nur die Mitteilung über ihre naheliegenden Pläne weiterzugeben.

            Liebe Grüße
            rob

            P.S. mir war mein vorhergehender Kommentar peinlich und habe geschwankt zwischen gerne zurücknehmen können und nicht ganz wissen, was ich da von mir gegeben habe.
            Ich hatte einen schweren Essay beiseite gelegt und wollte mich auf Deinem Blog nur etwas gemütlich vor mich hin treiben lassen. Mit dem Thema Umweltverschmutzung, schaltet ein Button, den ich für mich nicht geregelt bekomme. Und tippte dann wie deppert das Erste, was mir duch den Kopf ging, in das Handy.
            Was du vom Kletterurlaub im Elbsandsteingebirge erzählst, was wir erfahren, wie es auf den Meeren aussieht, ist unfassbar und findetet aber überall statt. Erst habe ich vom Schwimmen aus lange auf eine im Schilf gelandete Plastikflasche geschaut und geschaut und geschaut und sie dann im Schilf gelassen. Großer, von der Stadt verwalteter Baggersee. Billigste Arbeitskräfte gehen in der Abenddämmerung über das Ufergelände und sammeln täglich den zurückgelassenen Müll auf. Bei der Menge der Menschen am See ist ein kleiner Prozentsatz mit ihrem Handeln ausreichend, um ihn relativ schnell so kippen zu lassen, dass jeder die Verantworung für sein Verhalten spüren müsste. Ich weiß nicht, was ich gesehen habe, als ich der Flasche im Auf und Ab der kleinen Wellenbewegungen zugeschaut habe. Ihm war das unreflektierte Rausposaunen vorausgegangen, dass wir doch fast froh sein müssten, wenn der Scheiß endlich die Oberfläche erreiche. Es gibt die Möglichkeit drei unreife Pfirsiche oder eine kleine Schale mit Melonenschnitzen eingeschweist in Plastik zu kaufen. Als Du die Kartenspieler erwähnst, kannst du soviel Weitsicht einfließen lassen, indem du schreibst, dass es zum Glück auch noch die anderen gibt. Mir hingegen verlangt es dann nach dem „Hoppla“ der Seeräuber Jenny.

  4. Klaus sagt:

    Lieber Rob,
    ich fand Deinen Kommentar voll ok. Und den „magischen“ Satz am Schluss super! Wenn Du ihn aber doch löschen willst, ist das überhaupt kein Problem ;) Ich bin jetzt gerade überfragt, ob Du das selbst machen kannst, andernfalls kann ich das für Dich tun… Lass es mich dann wissen …
    Ich finde alles hat seinen Platz und seine Berechtigung: Zu manchen Zeiten brauchen wir die Nachdenklichen, Abwägenden … und zu anderen die Seeräuber!
    Alles Liebe
    Klaus

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