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Wie man seine Frau (zum Segeln) verführt

Käpt’n Bligh und das Klo

Okt• 26•15

Néfertiti ist seeklar. Alles verstaut. Ima hat sogar eine Stauliste erstellt. Wasser ist gebunkert. Die Welt steht uns offen. Ein gutes Gefühl. Die Maschine dreht langsam rückwärts gegen den Ebbstrom. Ima sichert uns noch lose für alle Fälle mit der Leine an der Mittelklampe. Ich setze das Boot ab, damit wir gut aus der Box kommen, und klettere schnell vom Steg an Bord.
„Mittelleine loswerfen.“ und eile zur Pinne. Anstatt die Mittelleine loszuwerfen, plustert sich Ima empört auf:
„Das heißt: Mittelleine los!“
„Jaja. Mach schon.“
„Nix Jaja. Und lauter! So lernst du nie gute Kommandos zu geben. also nochmal: Laut und deutlich!“ Oh Ima, an dir ist ein Kapitän verloren gegangen.  Néfertiti schwingt langsam wieder zurück zum Steg …

Ankern bei Pagensand

Idyllischer Ankerplatz …

Ich rufe:
„Mittelleine los!“
„Lauter!“ Gott im Himmel! Ein Käpt’n Bligh!
„MITTELLEINE LOS!“ Das hat jetzt der ganze Hafen gehört.
„Geht doch.“ Sie wirft die Leine los. Es ist zu spät. Inzwischen ist Néfertiti vom Strom zurück an den Steg gedrückt worden. Mehr Gas. Néfertiti kämpft sich rückwärts gegen die Strömung. Die Fender quietschen jämmerlich. Der Schraubeneffekt wird stärker und bringt Néfertitis Heck in Kurvenfahrt, während der Bug noch am Steg hängt. Die Strömung will auch mitmischen und setzt uns quer auf das Heck unseres Liegeplatznachbarn zu. Wir gewinnen Fahrt, aber die Steuerwirkung setzt zu spät ein.
„ABHALTEN!“ Ima muss unseren Bug vom Heck des auf dem Nachbarplatz liegenden Motorbootes freihalten, was ihr so gerade gelingt. Dann sind wir frei. Unrühmliches Ablegemanöver. Da dringt eine bekannte Stimme an mein Ohr:
„Hallo Klaus!“ Boris, ein alter Freund, ist mit seiner Gefion auch im City Sport Hafen und sitzt samt Besuch im Cockpit. Wir laufen langsam rückwärts auf die Gefion zu.
„Hi Boris!“ Aufstoppen.
„Wollt ihr los? Wo soll es hingehen?“
„Nach Rügen!“ Ein letztes Farewell, dann nimmt Néfertiti langsam Fahrt voraus auf, dreht und schon tuckern wir auf die Hafenausfahrt des City-Sport-Hafens zu.

Ankern bei Pagensand

… mit Mücken …

Strahlender Sonnenschein und kein Wind. Nicht einmal ein Windchen. Aber das gegenan! Also laufen wir unter Motor elbabwärts. Dieses Mal wollen wir es nicht langsam angehen lassen, sondern Strecke machen. In einer Woche wollen wir in Rügen sein, eine Woche Rügen umrunden und dann so langsam bei erster Ostwindlage zurück. Vielleicht über Klintholm und rund Fyn… Mal sehen. Leider laufen die Tiden so unglücklich, dass wir heute nur eine Tide bei Tageslicht nutzen können und meine Eingabe in doppelter Ausführung, ob Ima vielleicht bereit wäre auch nachts … wurde abschlägig beschieden.

In Wedel müssen wir noch Diesel bunkern. Als wir uns mit langsamer Fahrt der Tankstelle nähern, liegt dort schon ein Motorboot. Bis wir ganz, ganz langsam heran sind, werden drüben die Leinen gelöst und das Motorboot verholt. Zehn Minuten später sind wir wieder in Fahrt. Das passte ja prima!

Die Ostsee Seekarten von Hans sind an Bord. Etwas alt sind sie schon … (2002) Mal sehen wie wir damit zurecht kommen. Habe die Übersegler von Hand berichtigt, aber bin noch nicht dazu gekommen gleiches mit den Detailkarten rund Rügen zu machen.

Ankern bei Pagensand

… hinter Pagensand

Als die Tide abends kentert, ankert Néfertiti hinter Pagensand. Bisher hatten wir unseren traditionellen Abfahrtsstreit noch nicht. Sollten wir gewachsen sein? Da sagt Ima:

„Klaus komm mal. Irgendetwas stimmt mit der Toilette nicht!“
Ich erhebe mich von der gemütlichen Koje und nehme mir das Klo vor. Beim Abpumpen gibt es einen heftigen Widerstand. Selbst wenn man mit Kraft pumpt, sinkt der „Wasserspiegel“ in der Toilette nicht. Ich lenze die Kloschüssel von Hand (Details erspare ich Euch) und montiere die Pumpe ab. Was für eine widerliche Arbeit! Zudem ohne Erfolg. Die Pumpe ist in Ordnung. Ich schraube das Schnüffelventil auf. Bis hierhin wird gepumpt, bleibt nur noch das Seeventil. Und das können wir im Wasser nicht wechseln … Der Druck war aber so groß, dass am Handrad Wasser ausgetreten ist … Ich ziehe die Mutter etwas fester und bin erst einmal mit meinem Latein am Ende. Ima sieht mich warnend an:
„Sag jetzt bloß keinen Satz in dem das Wort Pütz vorkommt!“
„Naja. Dürfte ich eventuell das Wort … ähm … Eimer …?“
„Dann fahre ich nach Hause!“
Wäre ja auch zu schön gewesen mal ohne selbst gemachten Stress loszufahren …

 ♦♦♦

 Dieser Blog Artikel spielt am 11.7.15

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10 Comments

  1. Sebastian sagt:

    Hach, endlich! Schon nach wenigen Zeilen mit einem dicken grinsen vor dem Bildschirm gesessen.
    Falls es dich tröstet: Das mit dem selbst gemachten Stress kann ich auch gut. Ganz alleine. Als Einhandsegler. Im Zweifelsfall bockt meine Kleine ganz gerne mal.
    Grüße,
    Sebastian

  2. Julian Buss sagt:

    Danke, Klaus, endlich geht es weiter. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Posts!

  3. Carsten sagt:

    Hallo Klaus,

    da kommen wir gerade vom Chartertörn in der Türkei wieder und dann lese ich Deinen neuen Blogeintrag. Danke, danke. Das macht das kalte Wetter hier an Land deutlich erträglicher. Ich mag Deine Schreibe sehr. Gerade auch das zwischenmenschliche macht es so unterhaltend. Ich freue mich auf diesen Herbst! Rügen war garantiert spannend. ;-)

    Lieben Gruß

    Carsten

  4. […] Törnberichte? Dann seht unbedingt mal bei Klaus von fahrtenseglers-glück.de rein! Gestern ist der erste Teil seines Berichtes zum vierten Törn herausgekommen. Nach nur wenigen Zeilen saß ich mit einem dicken Grinsen im Gesicht vor dem […]

  5. Micha sagt:

    Schön geschrieben … Die Toilettenproblematik hatte ich auch … Bei mir triefte es allerdings aus allen Löchern …
    Aber die Pütz ist innerlich das Allheilmittel ;-)

    Viele Grüße , Micha

  6. Lucky sagt:

    Endlich geht es wieder weiter! War ja kaum auszuhalten die Zeit zwischen dem eigenem Törn Ende (September) und das es hier wieder los geht :)

  7. Jörg sagt:

    Hallo Klaus, ich freu mich wieder etwas von Dir zu lesen. Schön, daß Du uns mit auf die Reise nimmst.

    Gruß, Jörg!

  8. Klaus Klaus sagt:

    Ach Ihr seid die Besten!

    Ich habe noch gar nicht die Werbetrommel gerührt und finde hier so viele Kommentare. Mensch Leute: Ihr wärmt mein Herz. Es macht einfach Spaß für Euch zu schreiben. :)

    Alles Liebe
    Klaus

  9. I-330 sagt:

    Endlich gehts weiter! Deine Einträge sind immer so schön zu lesen :)

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