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Segeln als Digitale Nomaden

Charakterschwächen

Okt• 30•15

Die Nacht über hat Néfertiti sanft hinter Pagensand geankert. Als ich morgens aufwache, aus der Koje klettere und das Niedergangsluk aufschiebe, herrschen grauer Himmel und Nieselregen. Schnell wieder zu! Ima ist auch aufgewacht. Ich sage:
„Guten Morgen.“
„Guten Morgen. Ma Cherie. Wie sieht es denn draußen aus?“
„Nieselregen.“
Wortlos schält sie sich aus den Decken und hockt sich über die Pütz. Sie hat sich ins Unvermeidliche gefügt. Oder auch nicht …

Ankern hinter Pagensand

Auf der Elbe

Knapp 30 Minuten bevor die Tide kentert gehen wir ankerauf. Eine leichte Brise weht. Genug um langsam zu segeln, aber wir wollen ja Strecke machen. Also kegeln wir gen Brunsbüttel. Wenn wir nicht zu lange warten müssen, schaffen wir es vor Einbruch der Dunkelheit bis zur Gieselauschleuse und erreichen morgen die Ostsee.

Das Wetter bleibt unfreundlich. Es hört auf zu regnen und fängt wieder an und hört wieder auf. Die Sicht ist mäßig, aber wird nie richtig schlecht: Der Motor tuckert. Ich harre an der Pinne aus. Ima liest in der Kajüte.

Als wir den Wartebereich vor der Brunsbüttler Schleuse erreichen, sind wir die einzigen. Ich berge die Segel, richte Néfertitis Bug gegen die Strömung und harre der Dinge. Die eine Signalanlage blinkt grün und die andere rot. Beide verbieten Sportbooten die Einfahrt in den Schleusenvorbereich. Ima reicht mir einen heißen Tee und eine Kleinigkeit zu essen. Eine Stunde später sind wir zwar nicht mehr die einzigen, die hier warten, aber die eine Signalanlage blinkt immer noch grün und die andere rot. Zwei Stunden später wären wir auch rechtzeitig gekommen, wenn wir gesegelt wären …

Ein Kümo fährt in die Schleuse ein und endlich blinkt das Licht weiß. Inzwischen ist es zu spät für die Gieselauschleuse. Wir laufen erleichtert in den Vorbereich der Schleuse und wenig später ins Schleusenbecken selbst. Festmachen. Schleusen. Weiter fahren. Ich erinnere mich noch an unsere ersten Schleusungen. Irgendwie war das alles damals aufregender …

Im Kanal sind wir mal wieder die langsamsten. Macht nichts. Bis Kilometer 20 ist es ja nicht so weit. Dort gibt es einen Übernachtungsbereich für Sportboote. Pfähle sind in den Grund gerammt zwischen denen man relativ komfortabel liegen kann. Allerdings sollte man aufpassen, dass sich die Masten im Schwell vorbeifahrender Schiffe nicht verhaken können. Als wir um die letzte Ecke biegen liegt zwischen den Pfählen allerdings nur ein anderes Boot. Die anderen sind alle weiter gefahren.

Übernachtungsstelle im Nord Ostsee Kanal

Übernachtungsstelle km 20

Ima hat auf den letzten Kilometern (ja, hier wird in Kilometern gezählt…) noch etwas Warmes zubereitet und wir fallen kurz nach dem Essen wohlig in die Koje.
Morgen sind wir in der Ostsee. Dann können wir segeln. Ich bin schnell eingeschlafen. Werde aber kurz darauf unsanft aus dem Schlummer gerissen:
„Du schnarchst!“

Wer schon einmal mit südländischem Temperament zu tun hatte, weiß, dass es dabei nicht bleibt: Das Klo, die Pütz, echte und vermeintliche Charakterschwächen meinerseits sind auch bald Thema. Und dass ich in Sekunden einschlafen kann, verbessert meine Lage auch nicht gerade. Das Ganze ist auch nicht, wie bei Männern üblich, in zwei Minuten abgehandelt. Anfangs halte ich gegen, aber bald ist eigentlich alles gesagt. (Findet Ima nicht) … Ima, frag mich jetzt bloß nicht, warum ich dich liebe …
Sie tut es nicht und führt längst einen Monolog. Wo nimmt sie nur diese Streitlust her? Irgendwann strecke ich die Waffen:
„Ich kann nicht mehr: Lass mich einfach schlafen!“ (Eine neue Charakterschwäche…) Aber wenigstens herrscht endlich Stille!

♦♦♦

Dieser Blog Artikel spielt am 12.7.15

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6 Comments

  1. Micha sagt:

    Hallo Klaus .

    Toller Tip mit Kilometer 20 ! Bei mir steht ein Bootswechsel an. Habe mich vergrößert ;-) am 20. November überführe ich das Boot von Finkenwerder nach Kiel.
    Mal sehen ob wir es an dem Freitag bis Kilometer 20 schaffen .
    Infos vom neuen Boot gibt’s schon an bekannter Stelle ;-)

    Viele Grüße ,

    Micha

    • Klaus sagt:

      Hi Micha,
      das ist ja ein Ding. Du verkaufst die Fe! Toi, toi, toi mit dem neuen Projekt!

      Da Du dieses Mal ohne Mast nach Kiel fährst, ist es für Dich vielleicht nicht so wichtig, aber für alle anderen: Vorsicht mit dem Mast und Schwell! Freunde haben sich da schon die Saling beschädigt …

      Liebe Grüße :)
      Klaus

  2. Julian Buß sagt:

    an der Stelle hatte ich auf der Überführung von Damp nach Hamburg auch übernachtet, fand ich gar nicht schlecht, und viel ruhiger als in Brunsbüttel.

    Ansonsten bin ich gespannt, wie es weiter geht, ob Ima auch noch Schlaf gefunden hat und sich mit der Pütz anfreundet… :-)

    • Klaus sagt:

      Hi Julian,
      Jedenfalls ist Ima, entgegen ihrer Ankündigung erst einmal nicht ausgestiegen … ;)

      Und danke noch einmal für den Nachmittag, den Du unserem Motor gewidmet hast. Der hat brav durchgehalten. Naja … ist zwar zweimal ausgefallen, aber das lag nicht am Motor selbst! Aber mehr davon in den entsprechenden Artikeln. Will hier nicht spoilern…

      Liebe Grüße
      Klaus

  3. Klaus sagt:

    Ich muss mal für Ima Partei ergreifen! Ich bin auch überhaupt kein Freund vom Hocken auf der Pütz, und dass Frauen da noch wesentlich empfindlicher sind, kann ich gut verstehen. Mein Tipp für den Bordfrieden im Falle eines Kloversagens wäre die vorsogliche Mitnahme eines Porta Potti.
    Aber ich denke, ihr werdet das Problem während dieser Reise noch gelöst haben.

    • Klaus sagt:

      Hi Klaus,

      schön, dass Du Ima in Schutz nimmst ;)
      Aber ich glaube, jeder versteht ihr Unbehagen, und sicher teilt es auch jeder … Aber nicht jeder würde deswegen die ganze Fahrt in Frage stellen.

      Das Porta Potti vorsorglich mitzunehmen, mag auf einem größeren Boot eine Idee sein, bei uns ist dafür zu wenig Platz. Außerdem steht es in Imas Gunst nicht wirklich weit über der Pütz … :D (Hatte das mal als Alternative erwogen, weil es keine Borddurchlässe braucht. Ist aber am Widerstand meiner Bordfee gescheitert…)

      Ich habe die Toilettentechnik immer für relativ unkompliziert gehalten, also auch von jemandem zu reparieren wie mir, der nicht täglich den Schraubenschlüssel schwingt… und so war es dann auch, aber erst ein paar Tage später. Jetzt wüsste ich allerdings sofort, wo ich zu suchen habe!

      Liebe Grüße
      Klaus

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