Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Überholung

Nov• 18•12

Einige Stunden später haben wir die Schränke aufgeteilt, unsere Sachen verstaut, uns beim Hafenmeister vorgestellt, etwas im Hafenrestaurant gegessen (Die Batterij hat eine gute Küche. Leute aus der Umgebung kommen nur zum Essen her.) und sitzen bei einer Tasse Tee in der Kajüte. Néfertiti ist eine alte Dame und sie will partout ihr Parfüm nicht wechseln. Trotz der offenen Luken.

 

Wolkenspiele am Deich von Strijensas

Auf dem Weg …

Ich hatte im letzten Herbst eimerweise ein Wasser-Diesel-Ölgemisch aus der Bilge geholt und gehofft, den Dieselgestank damit besiegt zu haben. Denkste.
„Wenigstens riecht es nicht modrig.“
Iman lacht: „Wo ist denn der Salbei?“
Sie hat eine Idee …

Iman läßt den Salbei in einer Tasse glimmen und schwenkt die Tasse in alle Ecken des Bootes wie ein katholischer Priester den Weihrauch. Der angenehme Geruch verdrängt den des Diesels in Minutenschnelle. Ich bin begeistert.

Strijensas 10.6. -13.6

Die nächsten Tage stehen ganz im Zeichen von: Schrubben, schleifen und streichen. Im Hafen herrscht eine herzliche Kameradschaft. Hilfsbereite Hafenmeister, hilfsbereite Segler, hilfsbereite Motorbootfahrer. Wir fühlen uns wohl. Iman und ich funktionieren gut als Team. Ich rechne es ihr hoch an, dass sie diese Winterlagerarbeiten mitmacht. Zu zweit geht die Arbeit leichter von der Hand und doppelt so schnell! Aber ob sie auf diese Weise das Segeln lieben lernen wird?! Wenigstens lernt sie das Segelboot von der Pike auf kennen.

Zwei Boote weiter arbeitet ein deutsches Ehepaar ebenfalls an seiner Yacht. Elvira und Martin segeln seit 35 Jahren. Sie werden unsere guten Engel von Strijensas. Immer bereit, uns mit Rat und Tat beizustehen.

 

Wolkenspiele am Segel Himmel hinterm Deich von Strijensas

nach Strijen …

 

 

Die Tage vergehen und plötzlich steht der Krantermin an. Morgen 17.00 Uhr.
Da fragt Iman: „Was ist eigentlich mit dem Motor?“
Was soll schon mit dem Motor sein, denke ich. (Der Diesel ist seewassergekühlt, deshalb können wir ihn erst im Wasser testen. Zur Not haben wir den Riemen, den wir in den letzten Tagen zusammengeleimt und geölt haben.)
Ich sage: „Schaun wir mal, sobald Néfertiti im Wasser ist.“
„Das ist verantwortungslos!“
Autsch. Das tut weh. Ich fühle mich in meiner Seglerehre gekränkt, aber für Iman ist ein Motor wichtiger als ein paar Tücher aus Stoff. Wir streiten.

Ich begreife erst später, dass Imans Vertrauen in meine Seemannschaft gelitten hat. Wenn man seine Frau zum Segeln verführen möchte, ist das so ziemlich das Schlimmste, was passieren kann. Egal, ob der Motor seewassergekühlt ist oder nicht.

Wolken segeln am Himmel über Strijensas

… zum Einkaufen.

„Hallo!“
Anscheinend hat man unseren Streit weiter gehört, als gedacht. Ich steige den Niedergang hoch. Unten steht Elvira.
„Ich fahre mit dem Auto zum Einkaufen. Meinst Du, dass Iman mitfahren möchte?“

Während die Frauen ins Dorf fahren, klopft Martin vorsichtig an:
“Ich will mich nicht aufdrängen, aber wenn du Hilfe brauchst … Soll ich mir den Motor mal anschauen?“
Was Motoren angeht, macht niemand Martin etwas vor.
„Ja, gerne. Danke.“
Während er die Motorabdeckung abnimmt, fragt Martin beiläufig: „Willst du über die Kanäle oder außen rum?“
„Weiß noch nicht. Kommt auf’s Wetter an… und auf den Motor.“
Martin nimmt nach und nach systematisch alle äußeren Bauteile in Augenschein und kommt zu dem Schluss, der Motor sehe gut aus. Trotz der 36 Jahre, die er auf dem Buckel hat.
„Komm. Lass uns testen, ob er anspringt. Nur eine Sekunde, das macht nichts, ich ziehe gleich die Dekompression.“
Ich glühe vor und drücke den Startknopf. Der Motor springt sofort an. Martin zieht die Dekrompession und der Diesel geht wieder aus. Martin grinst:
“Ich sagte doch, sieht gut aus.“

Ein paar Stunden später kommen die Frauen zurück, in bester Sektlaune. Sie haben irgendwo noch einen Picollo getrunken… und für ein großes gemeinsames Essen eingekauft. Wir verleben einen Abend voller Segelgeschichten. Dabei schwärmen Elvira und Martin in den höchsten Tönen von der „Staanden Mast Route“…

 ♦♦♦

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6 Comments

  1. Kai sagt:

    Ok, Klaus, hast mich angefixt! Warte gespannt auf deine nächsten Einträge. Was du grad durchmachst, da muss ich nächstes Jahr auch durch…

    fair winds
    Kai

  2. Klaus Klaus sagt:

    Hi Kai,

    WOW. Der erste Kommentar! Ich freue mich wahnsinnig.
    Was steht nächstes Jahr an? Neues Boot? Oder erstes Mal Segeln mit Freundin?

    Liebe Grüße
    Klaus

  3. Hallo Klaus,
    Du schreibst echt gut!
    Endlich mal ein Segel-Blog, der gut geschrieben ist!
    Es macht echt Spaß Deinen Blog zu lesen und Du machst Lust auf Segeln!
    Steht eigentlich irgendwo was über Dein Boot?
    Wie groß etc?
    Wenn nicht, würde mich mal interessieren, was für ein Boot Du hast.
    Viele Grüße
    aus Sachsen

    • Klaus Klaus sagt:

      Lieber Zausel(Habe mal auf deine Seite gespinxt…),

      danke für die Blumen. Es gibt die Eckdaten zu Néfertiti unter dem Registerkarte Crew und Boot.

      8,70m lang, 2,50 m breit, Tiefgang 1,50 m. Ich kenne keine Typenbezeichnung. Bin nichtmal mit dem Konstrukteur sicher. Rob hielt es für einen Harrisson Butler Riss, aber ich habe alle seine Risse durchgesehen und Néfertiti nicht gefunden, obwohl sie einige Ähnlichkeiten aufweist… Wenn ich mal nach Kampen kommen sollte, werde ich versuchen Kontakt zu dem Eigner des Schwesternschiffes zu bekommen. Vielleicht weiß der mehr. Insgesamt wurden nur zwei Boote gebaut…
      Viel Glück mit Deinem Skipper Guide.
      Liebe Grüße
      Klaus

  4. Jörg Hinrichsen sagt:

    Das mit dem Salbei werde ich mir merken, denn mein Boot riecht so eigenartig…nicht nach moder, aber ähnlich

    • Klaus Klaus sagt:

      Ja, ich fand die Idee von Ima auch toll. Leicht modrigen Geruch haben viele Boote. Das kommt von der Feuchtigkeit. Ich würde versuchen die Belüftung zu verbessern. Habe diesen Winter das Sommersteckschott im Niedergang gelassen mit den breiten Belüftungsschlitzen. Das hat es echt gebracht! Kaum Schwitzwasser diesen Winter …
      Liebe Grüße :)
      Klaus

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