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Leben als Digitale Nomaden

Néfertiti kommt ins Wasser

Nov• 20•12

Strijensas 14.6.
Am nächsten Morgen wache ich früh auf. Heute ist der große Tag.

segelboot Néfertiti wird zum Kran gefahren

Néfertitis Überlandfahrt

 

Ich treffe Elvira vor dem Waschraum. Sie nimmt mich zur Seite und sagt beschwörend: „Tue dir selbst einen Gefallen: Segelt nicht über die Nordsee. Nehmt den Weg über die Kanäle.  Mit der rauhen See wird Iman noch früh genug konfrontiert.“

Ich kenne die Nordsee. Segele hier seit meiner Kindheit. Ich habe vor, erst einmal in den geschützten Haringvliet zu segeln. Dort werden wir sehen, wie Néfertiti sich anstellt, wie Iman sich anstellt und wie ich mich anstelle. Auf der Grundlage können wir dann eine Entscheidung treffen. Und über das Wetter wird sich bis dahin auch mehr sagen lassen. Nichts desto trotz war die Staande Mastroute von Anfang an Teil unserer Überlegungen.
„Ich denke darüber nach.“ Sie sieht mich zweifelnd an.
„Ganz bestimmt. Versprochen!“

Am Vormittag klopft René, der Vorbesitzer, an die Bordwand. Er ist extra 140 km gefahren, um uns anderthalb Jahre nach dem Kauf in die kleinen Geheimnisse einzuweisen, die sich im Laufe einer zwanzigjährigen Eignerschaft ergeben, und die man sich als Neueigner erst mühsam ersegeln muss. Sein einziger Kommentar, als ich mich dafür bedanke:
„Habe ich doch damals versprochen.“ (Danke René!)
Wir spüren seine Wehmut und laden ihn ein, jederzeit nach Hamburg zu kommen, um das Boot zu besuchen und eine Runde zu segeln.

 

Segelboot Néfertiti im Krtan von Strijensas

Im Kran

Am späten Nachmittag ist es soweit. Néfertiti hängt im Kran. Ich streiche noch schnell die Stellen am Unterwasserschiff, die wegen der Stützen nicht gestrichen werden konnten.
„Fertig.“
Néfertiti schwebt ihrem Element zu, senkt sich langsam ins Wasser. Ich klettere an Bord. Noch hängt Néfertiti in den Gurten. Schnell den Niedergang runter. Bodenbretter hoch. Keine Leckagen. Auch kein Plätschern zu hören. Martin kommt für alle Fälle mit an Bord. Und natürlich Iman. Elvira möchte das erste Anlegemanöver von Land aus filmen, aber im Eifer des Gefechtes werden wir vergessen ihr Bescheid zu geben …

 

Segelboot Néfertiti in den Gurten

Läuft der Motor?

Jetzt naht die Stunde der Wahrheit für den 36 Jahre alten Motor, der solange gestanden hat:
Vorglühen. Starterknopf drücken. Der Anlasser orgelt. Eine Sekunde später erwacht der uralte Diesel zu neuem Leben. Mein Blick wandert zur Temperatur- und Ladedruckanzeige. Alles scheint in Ordnung.

Wir legen ab und ziehen eine halbe Stunde lang unser Kielwasser durch das Hafenbecken. Ich übe erst einmal: Aufstoppen, wenden (Nach Steuerbord besser als nach Backbord), rückwärts fahren … Als ich mich sicher fühle, steuere ich Néfertiti zu dem angewiesenen Liegeplatz. Das Anlegemanöver klappt wie am Schnürchen. Ich habe das Gefühl, das stärkt Skippers angekratztes Ansehen bei der Crew wieder.

Später trinken wir mit Martin und Elvira die Viel-Glück-Flasche Wein, die René letztes Jahr als Geschenk auf den Kartentisch gestellt hatte. Ein edler Tropfen.

Ich bin ganz still.
Unser Schiff schwimmt. Der Motor läuft.
Das Abenteuer kann beginnen.

 ♦♦♦

 

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