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Wie man seine Frau (zum Segeln) verführt

Endlich Delphine

Feb• 19•16

Am nächsten Morgen herrscht strahlender Sonnenschein. Auch an Bord. Und Flaute. Das heißt: Ein ganz leichter Wind aus Südost.Vi8elleicht sollte ich Ankerauf gehen, ohne Ima zu wecken? Ich hole den Anker so leise wie möglich auf. (Ein hoffnungsloses Unterfangen. Immer wieder poltert die Kette an Deck oder rasselt an der Klüse!) Schließlich lasche ich den Anker an Deck fest und rolle die Genua aus. Bringe die Selbststeuerung auf Kurs und setze das Groß. Als ich schließlich wieder im Cockpit sitze und einen Blick in die Kajüte riskiere, schaut Ima von ihrer Koje zu mir herauf…

Sonnenaufgang bei Omø

Morgenstund

 Sie sagt:
„Guten Morgen. Ma Cherie.“
„Guten Morgen.“
„Hast du das Gewitter mitgekriegt?“
„Welches Gewitter?“
„Bin die ganze Nacht über Ankerwache gegangen!“
Nee. Der Skipper hat durchgeschlafen.

Néfertiti dümpelt derweil mit einem halben Knoten auf einer wellenlosen See. Unbewegt liegt die Ostsee unter uns. Gerade mal Ruderwirkung. Wenn der angekündigte frische Ostwind einsetzt, sind wir voraussichtlich schon im Landschutz Langelands. Als ich gestern abend über dem Kartentisch brütete und über unseren alten Ankerplatz im Svendborgsund nachdachte, sagte Ima:
„Nee. Lass uns immer etwas Neues entdecken!“ Das könnte ihr Lebensmotto sein. Und eigentlich hat sie Recht. Also segeln wir heute zu einer rundum geschützten Bucht. Der Thuro Bund. Die leichte Brise schläft ein und nach einer Weile starte ich den Motor. Ima liest unten und ich genieße die friedvolle Stimmung. (Außen und Innen)

Kegel gesetzt

Langeland

Nach einer Weile rumort es in der Pantry:
„Tee?“
„Auja!“ Inzwischen haben wir die Spitze von Langeland zu fassen. (Fast) unbebaute Natur. Jedenfalls kann man leicht über die vereinzelten Häuser hinwegsehen. Ima reicht mir eine Tasse Tee und setzt sich dann ebenfalls mit einer Muck in der Hand zu mir ins Cockpit. Ihr Blick streicht über die schöne Landschaft und sie sagt:

„Wollen wir nicht ankern? Ich würde mir gerne die Beine vertreten.“ Wir liegen gut in der Zeit, und wenn später der Wind ensetzt, können wir segeln.
„Ok.“

Langeland Landestelle

angelandet

Wir ändern den Kurs und laufen auf das Ufer zu. Der Anker fällt auf 2,5 m Wassertiefe, dicht unter Land. Schnell ist Echna wieder prall aufgepumpt und wir rudern an Land. Der Strandspaziergang tut uns beiden gut. Wir suchen nach Muscheln, aber finden nur tote … (Wie jedes Mal dieses Jahr)

Strandspaziergang

Nach und nach zieht sich der Himmel grau zu. Eine leichte Brise kommt auf. Aus Südwest. Genau aus der Richtung, in die wir wollen.
„Lass uns umkehren.“ Ima nickt. Ihr ist der Wetterwechsel auch nicht verborgen geblieben.

Als wir wieder an Bord sind fängt es an zu nieseln. Wir kochen den Suppenrest nach schwedischem Rezept zu einer Hagebuttenmarmelade ein. Dazu gibt es Pfannekuchen. Danach ziehen wir Ölzeug an und gehen ankerauf. Motoren durch die Passage zwischen den Untiefen vor Lohals.

Selfie mit Hindernis

„Lass uns doch auch mal ein Selfie machen.“

Eine Stunde später reißt der Himmel wieder auf. Mein Blick schweift über das Wasser. Eine Rückenflosse durchstößt  die Wasseroberfläche:
„Ima, komm schnell! Ein Delphin!“
Ima hastet ins Cockpit.
„Wo?“
„Da.“ Ich zeige mit dem ausgestreckten Arm in die Richtung, wo sich gerade wieder ein Tümmler zeigt.
„Oh!“ Sie nimmt das Fernglas und ist vollkommen verzückt.
„Delphine!“ Das war schon auf unserem ersten Törn ihr erklärtes Ziel: Einmal einen Delphin sehen.
„Es sind mehrere.“ Ich kenne das so, dass die Tümmler mit dem Boot spielen, aber die hier ziehen unbeirrt ihre Bahn. Noch einmal zeigen sie uns ihre Rücken. Dann bleiben sie verschwunden.
„Lutz hat mir erzählt, dass die Delphine in der Ostsee heiser sind, wegen des Lärms. Sie müssen permanent schreien, um zu kommunizieren.“ Néfertiti ist im Moment auch nicht gerade leise. Ima sagt:
„Lass uns den Motor ausstellen.“ Das ist doch mal ein guter Grund zu segeln. ;)
Da sind wir schon nahe der Lunke Bugt. Flugs sind die Segel gesetzt und der Motor ausgestellt.

Selfie

„Na gut“

Das letzte Stück wird schönstes Leichtwindsegeln. Die Sonne setzt sich durch und knallt bald sommerlich heiß vom Himmel. Néfertiti gleitet über eine teichartig anmutende See. Ima rumort in der Pantry und macht eine Hibiskusblüteningwerlimonade. Plötzlich hält sie inne und guckt mir ernst ins Gesicht:
„Klaus, ich muss Dir etwas Wichtiges sagen!“ Oh, ooh. Was kommt jetzt?! Ihr Gesicht ist ernst, wird ernster … eine Spur zu ernst. Plötzlich lächelt sie mich warm an und sagt:
„Ich liebe dich.“ Ich lächele zurück und höre mich sagen:
„Ich liebe dich auch.“ Wer hätte das vor ein paar Tagen gedacht?

Nieselwetter

Wer lange trödelt … Motoren im Nieselregen

Gegen 17 Uhr bergen wir die Segel. Da stehen wir im Svendborg Sund vor der Einfahrt in die Thuro Bund. Es ankern schon einige Boote in der weiträumigen Bucht, aber wir finden auch unser Plätzchen, direkt neben einem wunderschönen Oldtimer. Der Leif aus Neustadt.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 7.8.

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6 Comments

  1. Klaus Helfrich sagt:

    Hallo Ima, hallo Klaus,
    schön dass Ihr Euch wiedergefunden hattet und dann auch noch auf dem Weg zur Thuro Bund.
    Thuro Bund rundherum geschützt und sehr heimelig. Oft haben wir hier tagelang geankert und mit dem Beiboot die Bucht erkundet.
    Hoffentlich schaffen Erika und ich es auch in diesem Jahr dorthin…
    Liebe Grüße
    Klaus Helfrich

    • Klaus Klaus sagt:

      Hallo Klaus,

      auch wenn wir nicht so lange da waren, hat es uns auch gut gefallen. … Abends haben wir noch einen wunderschönen Spaziergang über Thuro gemacht.
      Ich wünsche Euch, dass ihr es dieses Jahr schafft ;)
      Liebe Grüße
      Klaus

  2. Klaus sagt:

    Die Delfine, die ihr gesehen habt, waren wahrscheinlich Schweinswale, die einzige (und kleinste) Walart, die in der Ostsee lebt. Aber darum nicht weniger sympathisch als Delfine. Wir jedenfalls freuen uns über jede Begegnung mit ihnen.

    • Klaus Klaus sagt:

      Ja, Klaus, ist gut möglich. So genau waren die nicht zu erkennen. Aber egal ob Großer oder Kleiner Tümmler: zu den Delphinartigen gehören beide. Allerdings macht sich „Endlich Delphinartige“ nicht so gut als Titel :D

      Auch wir freuen uns über die Begegnung mit dem Kleinen Tümmler genauso wie über die mit dem Großen, obwohl der Große häufiger springt. Das habe ich mal ein Schottland erlebt. Zig Mal ist er unter dem Boot durchgetaucht und auf der anderen Seite aus dem Wasser geschnellt, zwei drei Meter hoch. Atemberaubend!

      Liebe Grüße
      Klaus

  3. Carsten sagt:

    Ima und Klaus, möge Eure Reise nie zu Ende gehen! Wiedereinmal danke für das daran teilnehmen lassen.

    LG Carsten

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