Fahrtenseglers-Glück.de

Leben als Digitale Nomaden

Im Regattafeld

Feb• 22•16

Wir sind schon früh wach. Ich stehe am Kartentisch und stecke Distanzen ab. Bis Halmø ist es nicht weit. Wir könnten durch den Svendborgsund segeln oder an Rudkøbing vorbei. Ima ist in der Pantry zugange. Unabsichtlich stößt sie mich an und der Zirkel verrutscht …

Ima, Waldweg, Thuro

Abendspaziergang auf Thuro

„Sorry.“ Auf einem Boot wie Néfertiti geht es halt eng zu. Ich nehme abermals Maß und fange ein zweites Mal an. Gleich danach stößt sie wieder gegen mich.
„Ey!“
„Keine Absicht.“
Ich setze mich auf meine Koje und fange ein drittes Mal an.
„Dafür gibt es gleich ein fürstliches Frühstück.“ Sie grinst mich mit einem Honigkuchenpferdlächeln an und da muss man einfach zurück lächeln. Danach bin ich mir nicht mehr sicher, wie viele Meilen ich gezählt habe und beginne noch einmal.

Erst einmal feiern wir ausgiebig Frühstück. Danach brechen wir auf. Richtung Rudkøbing. Wir Motoren aus dem Sund heraus. Erst bei der Untiefentonne drehe ich in den Wind, stelle die Maschine aus und lasse Néfertiti treiben. Setze das Groß, gehe auf Kurs und rolle die Genua aus. Noch schnell den Bullenstander riggen und die Genua ausbaumen. Von hier habe ich den Kurs abgesetzt. Achterlicher Wind.

Abendspaziergang auf Thuro

Abendspaziergang auf Thuro: „In die Richtung müssen wir morgen.“

Wir segeln genau auf ein Regattafeld zu. Die Boote befinden sich auf der Kreuz  und kommen uns entgegen. Fast alle haben sich für die rechte Seite entschieden. Von denen sind wir klar. Aber eine kleine Yacht ist auf die linke Seite gelaufen, wendet und wir kommen uns in die Quere. Stehende Peilung und sie kommt näher. Nefertiti hat Wegerecht, aber, um ihn nicht zu behindern, starte ich den Motor. Wir kreuzen seinen Kurs zwanzig Meter vor ihm. Als wir klar sind, stoppe ich die Maschine wieder. Da realisiert er die gute Tat und ruft herüber:
„Thank you!“

An der Wendetonne ist er in vierter Position. Ich drücke ihm die Daumen. Schließlich segeln alle anderen mit Crew. Und außerdem ist es das schönste und eines der kleineren Boote im Feld …

Schönes Segelboot

Rundet die Tonne in 4. Position

Der Wind frischt auf. Mit zügiger Fahrt laufen wir auf die Brücke zu. Ich habe die Ansteuerungstonne links liegen gelassen und direkt auf die Untiefentonne zugehalten. Damit laufen wir über ein Flach von etwa 4 Metern. Bei dem leichten Seegang sollte das kein Problem sein. Aber je näher wir kommen desto mehr Welle baut sich auf.  Irgendwie scheinen die Wellen … Irgend etwas ist komisch… Die Wellen wandern nicht …Und trotz der hohen Fahrt nähern wir uns kaum der Tonne.

Es dauert eine Weile bis ich realisiere, dass wir es nicht mit einer Windsee zu tun haben, sondern mit Stromschnellen. Der Wind nimmt ab und ich starte die Maschine. Trotzdem nähern wir uns nur quälend langsam den Tonnen. Als wir näher heran sind wird sichtbar was für ein starker Strom setzt. Mindestens 2,5 Knoten. Und je näher wir uns auf die Brücke zuarbeiten, desto schneller wird der Strom, denn wir nähern uns der Landenge. So kämpfen wir uns Meter für Meter auf die Brücke von Rudkøbing vor.

Brücke bei Rudkøbing

Brücke bei Rudkøbing

Auf der anderen Seite öffnet sich das Gewässer und mit jedem Meter, den wir uns von der Engstelle entfernen, nimmt die Strömung ab. Schließlich stoppe ich die Maschine und wir segeln Regatta mit einer großen Yacht. Maststufen, Ausrüstung. Sieht irgendwie nach Langfahrt aus. Erstaunlicherweise sind wir gleich schnell. Während unsere Genua ausgebaut ist, schlägt die Genua drüben immer wieder. Nach einer langen Weile baumen sie auch ihre Genua aus und danach laufen sie uns davon.

Inzwischen säuselt der Wind nur noch und wir schleichen auf Strynø zu, am Hafen vorbei … Irgendwie komisch. Wir waren schon einmal in diesem Hafen. Wenn auch nur zum Wasser bunkern. Wir segeln in vertrauten Gewässern. Da sagt Ima:
„Habe heute Lust auf Stadt. Würde dich gerne auf ein Eis einladen.“
„Wir könnten ja vor Marstal ankern und heute Abend weiter nach Halmø. Ist nur ein Katzensprung.“
„Ja. Gute Idee. Wann sind wir denn da?“
„Gegen 17.00 Uhr.“

Die Schätzung trifft zu. Kaum ist der Ankerball gesetzt, rudern wir auch schon an Land. Spazieren Hand in Hand durch die hübschen Gässchen und landen am Ende in einer Eisdiele. Stadt würde ich das hier zwar nicht nennen, aber Ima ist zufrieden. Um so erstaunter bin ich, als wir weiter schlendern und am Hafen herauskommen. Das müssen ja Tausende von Booten sein …

Ima an der Pinne

„Gibt es hier auch Delfine?“

Aber Skipper möchte gerne im Hellen zum Ankerplatz und so rudern wir wieder zurück zu Néfertiti. Schnell ist der Anker gelichtet und wir motoren zurück ins Fahrwasser. Der andere Ankerlieger sieht uns verwundert nach.

Von der Untiefentonne aus habe ich einen Kurs zum Ankerplatz im Schutz Halmøs abgesteckt. Wir laufen genau auf dieser Linie. Es liegen schon Boote vor Halmø, aber alles Individualisten: Keine Gruppe von Ankerliegern, die man zur Ansteuerung benutzen könnte. Ima singt die Tiefen aus. So kann ich mich auf den Kompass konzentrieren.
„4 m … 4 m … 3,50m …“ Ich nehme Gas weg. Mit 1,5 – 2 Knoten laufen wir weiter. An den äußeren Ankerliegern sind wir schon vorbei. Ich möchte so weit wie möglich nach Innen. Wir umfahren zwei Fischerbojen. Als Ima nur noch 2,50 m meldet drossele ich die Geschwindigkeit auf 1 Knoten und unter 2 m auf einen halben Knoten. Die Lehre aus der Klimphoresbucht sitzt. So tasten wir uns ganz vorsichtig zum Scheitelpunkt der Bucht vor. (Halmø ist eine Insel. Im „Scheitelpunkt der Bucht“ gibt es eine sehr flache Durchfahrt, aber man kann sie kaum erkennen. Es sieht aus wie eine Landzunge, die mit Ærø verbunden ist.)

Vor Anker bei hereinbrechender Nacht

Kuschliger Ankerplatz bei Halmø

Schließlich fällt unser Anker auf 2,40 m. Nur einer hat sich noch weiter getraut. Wer weiß, wie wenig Tiefgang der hat.

Dann kommt der Höhepunkt des Tages: Candlelightdinner. Ich koche für uns. Dazu öffnen wir die letzte Flasche des leckeren portugiesischen Weins, den wir bei unserem Nachbarn gekauft haben.

Der Wetterbericht sagt für morgen schwach umlaufende Winde voraus und für übermorgen Ost um drei. Ich habe keine Lust die Überfahrt unter Motor zu machen:
„Ima lass uns doch morgen hier bleiben, den Urlaubstag genießen, und übermorgen bei drei Windstärken nach Kiel segeln.“ Ich muss sie nicht lange überreden.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 8.8.

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

4 Comments

  1. klaus sagt:

    Wie immer fein geschrieben. Das hilft über den Winter.

  2. Stefan sagt:

    Hallo Klaus,
    super Blog, klasse geschrieben. Ich lese hier genüsslich und freue mich über die schöne Lektüre.

    Der Regattasegler im Bild ist Tom mit seiner Saga, einem 38er Spitzgatter. Tom ist auf jeder Klassikerregatta anzutreffen, nennt als Beruf „fulltime sailor“.

    Die svendborger Klassikerregatta ist eine sehr liebevoll gemachte Veranstaltung, wir nehmen indiesem Jahr auch wieder teil und freuen uns schon darauf. Leidergehen die Teilnehmerzahlen seit einigen Jahren zurück, worüber wir ziemlich traurig sind. Vielleicht habt ihr ja mal Lust, mitzumachen, einen gewissen sportlichen Ehrgeiz kann ich bei dir jedenfalls herauslesen. Aber keine Angst, die Veranstaltung richtet sich explizit an Nichtregattasegler, es gibt dann eine Geschwaderfahrt nach Hjortø.

    Viele Grüße von der Lucky
    Stefan.

    M30 39 – Mälar 30 Lucky

    • Klaus Klaus sagt:

      Lieber Stefan,
      das finde ich toll, dass Du Tom kennst. Eines der Geschenke dieses Blogs: Dass man auf diese Weise noch einmal ein bisschen mehr über die Menschen erfahren kann, denen man begegnet ist. Toll, dass du ihn erkannt hast. :D

      Wir wissen noch gar nicht, was nächsten Sommer anliegt. In welche Richtung wir wann den Bug richten. Aber vielleicht sind wir nächsten August sogar auf Ærø … Dann wäre es ja nicht weit…
      Jedenfalls danke für die Anregung ;)

      Habe mir ein paar Fotos von Mälars angesehen… Was für wunderschöne Boote!

      Liebe Grüße
      Klaus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.