Fahrtenseglers-Glück.de

Leben als Digitale Nomaden

Segeln ohne Geld: Sponsorensuche

Feb• 09•16

Vorsicht Werbung!
(In unserer traurigen Zeit muss man ja höllisch aufpassen, dass man nicht teuer abgemahnt wird. Deshalb dieser Hinweis. Mich interessiert das Sponsoring gerade sehr, aber in allen Blogs, die ich kenne, herrscht darüber  großes Schweigen. Als hafte dem Thema ein Stigma an. Dabei würde ich gerne wissen, wie andere das gemacht haben. Wäre schön, von ihren Erfahrungen profitieren zu können. Aber ich habe nichts gefunden. Jedenfalls nichts Ausführliches. Auch nicht in den einschlägigen Segelbüchern. Ich selbst möchte das transparenter machen und schreibe deshalb hier auch über meine diesbezüglichen Erfahrungen.)

Ich laufe gerade wie auf Wolken. Gut, die Sonne scheint. Aber deshalb habe ich ja sonst auch nicht das Gefühl jeden umarmen zu wollen…

Segelboot Néfertiti liegt am Steg

Néfertiti am Liegeplatz im Travehafen


Nachdem die Entscheidung, diesen Sommer zu segeln, gefallen war, hatte ich erst einmal eine Liste mit Dingen aufgestellt, die Néfertiti braucht und sie dann in drei Rubriken unterteilt: Unbedingt nötig, wäre ganz schön und Luxus. Bei den unverzichtbaren Dingen stand unter anderem ein riesiger Einzelposten: Neue Segel. Die alten sind teils mehrfach gerissen, ausgeblichen, verzogen. Also wäre der wichtigste Sponsor für mich ein Segelmacher. Und ich hatte da tatsächlich auch einen ganz speziellen Segelmacher im Sinn.

Denn es gibt eine kleine Vorgeschichte und die ist schon ein paar Jahre her: Franzi lebte auf ihrem Katamaran direkt hinter Néfertiti. Sie war Bootsbauerin und man hatte ihr einen neuen Job in Stralsund angeboten. Um sich den Ortswechsel zu versüßen, hatte sie ihren Chef in Spe aufgefordert ihr ein neues Großsegel zu sponsoren. Dann würde sie den Job annehmen. Ihr neuer Chef war einverstanden. Nach längerer Recherche hatte sie sich für einen Segelmacher in Greifswald entschieden.

Etwa 5 Wochen später fuhr ich zu Nefertiti hinaus. Es war ein grauer aber fast windstiller Tag. Schon von weitem sah ich, dass Franzi ein weißes Großsegel gesetzt hatte. Anscheinend war das neue Groß da. Mit ihm ein sympathischer Mensch, der prüfte, ob es auch genau passte.
„Wow! Das neue Groß!“ begrüßte ich die beiden und wir kamen ins Gespräch. Ich fühlte mich mit Sebastian sofort auf einer Wellenlänge. So fasste ich mir ein Herz und bat ihn sich Néfertiti doch mal aus segelmacherischer Sicht anzugucken. Schilderte unsere Leichtwindprobleme und erzählte von meinen Klüverbaumplänen.
„Klar. Wenn wir hier fertig sind, komme ich gleich mal zu dir rüber.“ Als es so weit war, schlug er vor, ich solle ihm ein Foto von Nefertiti schicken, genau von der Seite:
„Dann kann ich das mal für dich durchrechnen. Aber wenn es um Leichtwindeigenschaften geht, ist die einfachste Möglichkeit vielleicht ein Gennaker.“ Ich wollte mit offenen Karten spielen und sagte, dass ich momentan kein Geld hätte, erst dafür sparen müsste. (Die ausstehende Versicherungssumme, mit der ich den Gennaker bezahlen wollte, wurde bis heute nicht bezahlt.)
„Ich rechne Dir das einfach einmal durch. Das mache ich gerne. Nicht dass Du am Ende ein leegieriges Boot hast!“

Blesshühner im Travehafen

Inzwischen ist Franzi nicht mehr da

Später hielten wir noch eine Weile Emailkontakt, der über das rein Sachliche hinausging. So erzählte Sebastian von seinem Törn mit Franzi. Die beiden verband inzwischen eine kameradschaftliche Freundschaft und sie halfen sich gegenseitig ihre Boote zu überführen. Mit seinem Dschunkenrigg Oldtimer Peregrine hatten sie 100 Seemeilen in knapp 13 Stunden gesegelt. Das entspricht einem 180 Meilen Etmal und bedeutet durchschnittlich sieben bis acht Knoten Fahrt.) 

Auf der Hanseboot letzten November stand ich unerwartet wieder vor Sebastian. Er hatte dort einen Stand mit seiner Segelmacherei. Ich befand mich damals noch in Verhandlungen mit dem Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. Davon erzählte ich ihm und er sagte spontan:
„Halte mich auf dem Laufenden. Vielleicht können wir in der Segelmacherei ein Regal einrichten und Deine Bücher anbieten!“ So weit die Vorgeschichte.

Während ich jetzt über die neuen Segel nachdachte, fiel mir natürlich sofort Sebastian ein: Vielleicht sollte ich ihn anschreiben?!

Ich saß tagelang an meinem Schreibtisch und feilte an einer Email. Ich hatte den Buchvertrag mit dem Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag inzwischen unterschrieben und nutzte das als Aufhänger. Mir war wichtig, dass ein Nein von Sebastians Seite meine Wertschätzung nicht beeinträchtigen würde. Deshalb stand das im ersten Satz… Ich bot ihm an, seine Seite in der Sidebar zu bewerben und hängte unten ein paar eurer Kommentare zu Fahrtenseglers-Glück an. Lange saß ich vor dieser Mail. Las sie immer wieder durch, verbesserte hier ein Wort und da, aber eigentlich war sie schon seit Tagen fertig.

Dann holte ich tief Luft und klickte auf Senden: Die Mail war unterwegs. Mit ihr mein Traum, meine Sehnsüchte und Hoffnungen. Hinaus geschickt in die Welt.

Sturm Bö

Solches Wetter müssen Segel aushalten! Haben sie aber nicht …

Kurz darauf kam eine Antwort. (Die ich allerdings erst zwei Tage später las, denn ich hatte mir eine Emailabstinenz verordnet, um nicht alle fünf Minuten nach einer Nachricht zu gucken)
Sinngemäß: „Wir sind super ausgelastet. Aber was bräuchtest Du denn?“

Ich beschrieb den Zustand unserer Segel und das Leichtwindproblem. So gingen einige Mails hin und her. Irgendwann hatte ich zwischen den Zeilen lesend das Gefühl, dass Sebastian sich längst dafür entschieden hatte, also fragte ich ihn direkt. Postwendend bekam ich eine Amtwort:

„Hallo Klaus, wir werden Dich unterstützen.“

Wow! Ich habe einen Sponsor an meiner Seite! Danke, Sebastian. Seitdem gehe ich durch die vertrauten Straßen Hamburgs mit einem erhabenen Gefühl. Irgendwie ist die Welt schöner geworden. Das größte Fragezeichen ist weg. Die größte Sorge. Alles andere werde ich auch so schaffen! Diesen Sommer wird gesegelt! Und mit der Gewissheit, dass es bald losgeht, sehe ich plötzlich selbst mein altes Viertel mit anderen Augen. Die vertrauten Wege. Die schon tausend Mal gesehenen Ecken. Als wäre ich schon jetzt im Unterwegs-Modus…

 

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14 Comments

  1. David sagt:

    SUPER!!!
    Ich freue mich gerade richtig für dich!
    Toll das es geklappt hat.

    Sag mal, magst du nicht die Liste(n) auch Online stellen? Sowas interrssiert mich persönlich immer sehr. Also was braucht man unbedingt, was weniger? Vielleicht hav ich ja auch irgendwann ein Boot was ausgerüstet werden will :-P

    Ganz liebe Grüße

  2. Dirk sagt:

    Oh man Klaus, was freu ich mich für dich! Das ist doch dann seit langem das Größte im Leben, endlich los zu kommen. Mach es und ich wünsch dir alles Glück dabei! Bestelle jetzt schonmal ein Buch als klitzekleine Unterstützung…
    …achja, eins noch: Trau dich ja nicht, einfach so an Wedel vorbei zu fahren ohne gebührenden Abschied. Freu mich…und bis dahin viel Erfolg bei den Vorbereitungen.
    Liebe Grüße Dirk

  3. Julian Buß sagt:

    Hallo Klaus,

    noch mal auf diesem Wege: Herzlichen Glückwunsch zum ersten Sponsor! Ich finde es völlig in Ordnung, wenn man sich ein paar Sponsoren sucht und dafür auch sichtbar, aber unaufdringlich Werbung macht.

    Ich wünsche Dir, dass Du noch mehr Sponsoren findest und die Tour dann entspannt machen kannst!

  4. Klaus Klaus sagt:

    Schön, dass Ihr Euch so mitfreut. Das tut gut!

    Wegen der Liste: Ich werde über die Ausrüstung sicher noch einen Artikel schreiben… Ich denke, dass, abgesehen von Seenotsachen, die Auswahl recht individuell ist. Vor allem die Gewichtung.

    Wegen Wedel: Das hätte jetzt auch von Ima kommen können. Bin ja eher der Leisetreter… ;) Also mal sehen …

    Liebe Grüße Euch beiden
    Klaus

  5. Timo sagt:

    Super, das freut mich riesig für dich! So ein persönlicher Kontakt ist sicher echt die beste Voraussetzung, einen Sponsor zu finden!
    Meinetwegen könntest du den Sebastian auch gerne noch hier verlinken – dann wüsste man auch, wer dieser Super-Segelmacher ist ;)
    Ich bin gespannt auf deine Reise im Sommer – und auf dein Buch!
    LG, Timo

  6. Micha sagt:

    Hallo Klaus .

    Herzlichen Glückwunsch !

    Ich glaube an das „Problem“ denkt jeder von uns, der irgendwann mal auf große Fahrt gehen möchte. Da es bei mir ja erst 2022 losgehen soll, denkt auch nicht so die Zeit.
    Ich für meinen Teil habe mich gegen eine aktive Sponsorensuche entschieden. Der Grund dafür ist, dass ich möglichst wenig Verpflichtungen auf meiner Fahrt haben möchte.
    Auf der anderen Seite muss ich aber dementsprechend auch deutlich mehr an Geld auf die Seite legen um mein Vorhaben zu realisieren .

    Ich glaube aber, dass was das betrifft jeder seine Erfahrungen machen muss und es nicht jeder gleich leicht hat .

    Ich freue mich drauf über Deine Pläne zu lesen .

    Viele Grüße aus Kiel,

    Micha

    • Klaus Klaus sagt:

      Hi Micha,

      ich finde Deine Haltung gut. Allerdings gibt es keine riesigen Verpflichtungen für mich. Ich werde segeln und darüber schreiben. Was ich auch so gemacht hätte… ;)

      Liebe Grüße nach Kiel
      Klaus

  7. Alexander sagt:

    Hallo Klaus,

    hier wiedermal eine Rückmeldung eines langjährigen Mitlesers. Auch von mir Glückwunsch zu Deinem Entschluß. Zum Thema Sponsoring finde ich den Beitrag von Gerd Kassel (Kanuverrückter) ganz gut. Du findest ihn bei der Google-Suche unter „Kanu kassel sponsoring“. Der Herr gefällt mir auch wegen seines Leitspruchs: „Lieber die kleinen Abenteuer verwirklicht, als von den Großen nur geträumt.“
    Ich wünsche Dir eine gute Vorbereitung.

    Alexander

  8. Klaus Klaus sagt:

    Mensch Alexander,
    Du bist ja einer der allerersten, die hier Kommentare hinterlassen haben… Hast Du mich nicht auch einmal hier im Café gesehen, aber nicht angesprochen? Schön, dass Du immer noch mitliest! :D

    Wie auch immer. Ich freue mich total über den Hinweis und werde mir das gleich mal angucken. Der Leitspruch gefällt mir auch!
    Liebe Grüße
    Klaus

  9. Volker sagt:

    Hallo Klaus,
    das freut mich ja, dass der größte Brocken – wie es scheint – jetzt schon bewältigt ist…
    Sicherlich hast du schon dran gedacht, aber falls nicht:
    Hast du schon mit den einschlägigen Yacht-Magazinen Kontakt aufgenommen?
    Die berichten doch immer mal wieder über solche Touren, außerdem kommt das Thema doch der aktuellen Problematik entgegen, dass dem Segeln der junge (und damit meist nicht so betuchte) Unterbau fehlt.
    Wenn ich mir das größte deutsche Magazin auf diesem Sektor ansehe, sind aktuell in der Rubrik „Panorama“ nur noch Cati Trapp und Johannes Erdmann zu finden.
    Gelistet sind da zwar noch Laura Dekker (von 2013!!!), die Marlin, die aber ihre Weltreise auch schon länger beendet hat, Bobby Schenk, der dort mit seiner eigenen Homepage verlinkt ist und Henrik Masekowitz, bis vor kurzem megaspannend, aber leider ist auch der Thread aufgrund höherer Gewalt nicht mehr aktuell, was ich persönlich sehr schade finde.
    Ich weiß nicht, ob es sich mit deinen Verträgen „beißt“, die du in Sachen „111 Gründe“ geschlossen hast…
    Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass deine Reise von diesem (oder von einem anderen Magazin) gern begleitet würde.

    Viele Grüße und viel Erfolg weiterhin!!!

    Volker

    • Klaus Klaus sagt:

      Hi Volker,
      daran habe ich tatsächlich auch schon gedacht… solange es sich nicht mit dem Blog beißt ;)

      Aber danke, dass Du da mitdenkst!
      Liebe Grüße
      Klaus

  10. Hallo Klaus,
    aus irgendwelchen Gründen habe ich lange keine E-Mail von Dir bekommen, das ein neuer Artikel zu lesen ist. Erst gestern kam mal wieder die vertraute Mail. Da habe ich gleich nachgesehen und musste feststellen, dass eine Menge passiert ist. Ich freue mich, das es bei Dir kommerziell ein bischen besser zu laufen scheint.
    Wie ich gerade las ist wohl auch Drin Buch erschienen? Davon habe ich nichts mitbekommen. Ich würde es gern kaufen. Wie heißt es denn und wo gibt es das zu kaufen?
    Was mir die ganze Zeit durch den Kopf geht, ist, das ja auch wir Leser Dich unterstützen könnten. Ich kaufe mir so viel Segelbücher für teuer Geld und habe ja von Dir im Blog schon schon so viel gelesen, das das bestimmt dem Wert von einigen schön bebilderte Büchern entspricht. Also wohin darf ich 50 Euro spenden? Ich würde es gern tun und ich denke, da bin ich nicht allein. 10 X 50 wäre ja schon 500 und 100 X 50 ist 5000, das hilft doch auch schon weiter?
    Ganz liebe Grüße aus Sachsen
    Michael

    • Klaus Klaus sagt:

      Lieber Michael, ich freue mich total über Deinen Kommentar und Deine Anregungen. :)

      Der Grund für das Ausbleiben der Mails lag erstmal bei Googlemail, die intern Parameter umgestellt haben, so dass es nicht mehr ohne Weiteres möglich war über Gmail Newsletter herauszuschicken. Inzwischen nutze ich eine andere Blogemail.

      Blöderweise wurde mir im Blog angezeigt, dass die Newsletter rausgehen würden, was ja auch in gewisser Weise stimmte. Sie sind aber nie angekommen, weil der Fehler sozusagen dahinter lag…. Außerdem war auf dem Server ein veraltetes PHP aufgespielt, was aber erst nach einem Update meinerseits relevant wurde. Aber bis ich das herausgefunden hatte… Glücklicherweise ist ein paar Bloglesern aufgefallen, dass es Artikel, aber keine Benachrichtigungen gab. Aber es hat zugegebenermaßen ewig gedauert, bis ich die Fehler erkannt und dann auch noch behoben hatte… Sorry dafür.

      Erfreulich ist dagegen die Geschichte mit dem Buch. Es heißt: 111 Gründe, Segeln zu gehen und ist bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen.

      Nun zu Deinem Vorschlag: Tatsächlich wurde ich schon häufiger gebeten einen Paypal Button einzurichten. Der ein oder andere von Euch hat das Bedürfnis geäußert, etwas zurückzugeben zu wollen… So wie Du. Bislang habe ich mich immer über diese Geste gefreut, ohne aktiv zu werden. Ich freue mich doch schon, wenn ich weiss, dass der Blog Euch gefällt… Aber steter Tropfen hüllt den Stein: Ich werde Deinen Kommentar zum Anlass nehmen, in den nächsten Wochen eine Möglichkeit dazu einzurichten. Danke Dir und auch den anderen für Eure Bitte… :D

      Liebe Grüße nach Sachsen.
      Klaus

      P.S. Schöner Reisebericht auf deinem Segelblog!

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