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Segeln als Digitale Nomaden

Marina-Camper

Nov• 23•12

In der Verkaufsannonce hatte René geschrieben:
Kein Boot für Marina-Camper!

Es regnet Bindfäden

Es regnet Bindfäden

Das hatte mir gefallen, obwohl Segeln auf Langfahrt bedeutet: Auf dem Boot zu leben. Und was ist das anderes als campen?

Nun campen wir selbst im Hafen von Strijensas und fühlen uns … sauwohl. Wenn man aus dem Winterlager kommt, darf man hier eine Woche frei liegen, was unsere Bordkasse schont. Ohne Hast machen wir Néfertiti seeklar. Wenn man seine Frau ans Segeln heranführen möchte, tut man gut daran, es langsam angehen zu lassen. Iman gewöhnt sich an die leichten Bewegungen, die das Boot auch im Hafen macht. So vergehen noch einmal vier, fünf Tage. Wir machen Spaziergänge in die Umgebung und nehmen uns viel Zeit zum Kochen. Lassen es uns gut gehen. Martin und Elvira bleiben auch noch ein bißchen und zeigen uns Fotos ihrer Fahrt durch die Kanäle der Staanden Mastroute … Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Am letzten Tag stelle ich den Schraubenhebel auf Neutral. Das heißt: Ich versuche es. Aber er klemmt auf volle Fahrt zurück.
„Hallo Klaus!“
Kaum zu glauben. Unser hilfreicher Engel taucht mal wieder genau im richtigen Moment auf. Aber auch Martin bekommt den Hebel nicht gangbar. Beim Anlegen habe ich ihn zu weit auf Rückwärts gestellt, es gab anders als bei Vorwärts keine Begrenzung. Da hilft nur tauchen, und den Anstellwinkel der Schraube von Hand verstellen …

Ich ziehe mich bis auf die Unterhose aus und steige ins Wasser. Boah ist das kalt! Die Schraube kann ich im grünlichen Wasser vor mir sehen. Wenigstens brauche ich nicht zu tauchen. Komme auch schwimmend dran. Mit vereinten Kräften, Martin oben und ich unten, machen wir den Hebel wieder gangbar. Später bringe ich Klebestreifen an, um die Hebelstellung Max Rückwärts, Neutral und Max. Vorwärts zu markieren.

Hafenausfahrt Strijensas

Hier laufen wir morgen endlich aus zu unserer ersten Fahrt …

Iman hat sich mit einem alten Herrn angefreundet, der uns einlädt, seine Yacht zu besichtigen. Als er in Rente ging, hatte seine Frau angeregt, er könne sich doch ein Boot zulegen. Das fand er eine tolle Idee. Mit der ihm eigenen Energie hatte er sich sofort ans Werk gemacht und eine Motoryacht gebaut. Yacht? Eher ein Schiff. Neunzehn Meter lang. Eine schwimmende Eigentumswohnung: Einbauküche, drei Schlafzimmer, zwei Bäder … Größer, als meine Wohnung in Hamburg. Nun ist das Werk fast vollbracht. Morgen soll als letzter Akt die Teakholzgräting auf der Badeplattform angebracht werden. Er will damit der Sonne entgegen. Ab nach Portugal! Mit Blick auf seinen Ehering sagt Iman:
“Ihre Frau ist bestimmt stolz auf sie,“ dann grinst sie mich an: “Portugal würde mir auch gefallen.“
Unser Gegenüber druckst seltsam herum.
„Sie will keinen Fuß an Bord setzen.“
„Warum nicht? War das Boot nicht die Idee ihrer Frau?“
„Ja, schon. Aber sie hatte mehr an ein Ruderboot gedacht.“

Hinterher sitzen Iman und ich in der engen Kajüte Néfertitis bei einer Tasse Tee. Was für eine traurige Geschichte. Vielleicht hätte er seine Frau in die Entscheidung miteinbeziehen sollen. Iman beugt sich zu mir herüber und gibt mir einen Kuss: „Ich finde Néfertiti viel schöner. Sie hat mehr Charakter!“

Am nächsten Tag schlagen wir die braunen Segel an. Endlich sieht Néfertiti aus wie ein richtiges Segelboot.
„Na kommt, lasst uns segeln. Ich bin soweit.“ scheint sie uns zuzuflüstern und ich glaube, sie hat Recht.

 

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