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Segeln als Digitale Nomaden

Verletzt

Dez• 09•16

Drei Windstärken sind angesagt. Später sollen es fünf werden. Hier in der geschützen Genner Bugt herrscht allerdings absolute Windstille. Wir gehen unter Motor ankerauf. Kaum, dass wir den geschützten inneren Bereich verlassen haben, setzen wir den Genaker. (Muss mir unbedingt etwas einfallen lassen, um das Setzen schneller zu machen. Die meiste Zeit verbraucht das Klarieren der Schoten…) Dann flüstert die Bugwelle ihr liebliches Lied. Mit zwei bis drei Knoten segeln wir auf Barsø zu. (Ja. Die Logge zeigt wieder an.)

Super geschützt liegt man in der Renner Bugt

Draußen gibt es auch Wind

Der Genaker steht schön an Steuerbord. Aber wir kommen relativ dicht an des Ufer an Backbord. Und da gibt es eine Untiefe. Schon springt das Echolot zurück. 3 Meter… 2,80 …
„Wir müssen halsen!“ Ich werfe die Schot los und Ima dreht nach Steuerbord. Aber ich kann die Backbordschot nicht dichtholen… Ich habe die Schoten falsch geführt! Innen durch statt außen…
„Starte die Maschine! Ich hole den Genaker runter.“ Ich eile zum Mast und ziehe den Bergeschlauch herunter. Klariere die Schoten, während Ima uns an der Untiefe vorbei fährt. Dann geht der Bergeschlauch wieder hoch und mit einem satten Plapp füllt der Wind das riesige Segel. Motor aus. Mit achterlichem Wind segeln wir am Ufer Barsøs entlang. Es ist traumhaftes Segeln. Keine Welle. Drei bis vier Knoten. Zufrieden grinsen wir um die Wette. Ja, auch Ima genießt das sanfte Gleiten.

Ima steuert Nefertiti aus der Gegner Bug hinaus

Die Sonne blendet

Wir durchqueren das Schießgebiet Halk. Gestern hatte ich im Internet gecheckt, dass hier den ganzen Monat über nicht geschossen wird. Da fällt eine erste Bö ein. Der Genaker beginnt zu schaukeln. Ich vermute, dass das Néfertitis Gewicht und dem Unterwasserschiff geschuldet ist. Wenn die Energie nicht schnell genug in zusätzlich Fahrt umgewandelt wird, fängt das Schaukeln an. Normalerweise passiert das, wenn die Rumpfgeschwindigkeit erreicht ist und eine Bö einfällt. Langsam steigt die Logge an. Néfertiti beschleunigt auf 6 Knoten! Und das Schaukeln nimmt ab. Trotz der rauschenden Fahrt kommt von hinten eine Yacht auf und überholt uns schließlich. Ima sagt:
„Können wir auch mal ein anderes Boot überholen?“
„Es läuft doch gerade so schön. Warum musst du immer so sticheln?“ Sie zuckt mit den Achseln. Die menschliche Psyche ist schon komisch. Wenn wir hier alleine wären, bestünde kein Zweifel daran, dass wir schnell unterwegs sind. Kaum taucht ein anderes, schnelleres Segel auf, fühlt man sich langsam. Weil man sich plötzlich am anderen misst. Ich beschließe, mich ab sofort nicht mehr an den anderen zu messen. (Leichter gesagt als getan ;) )

Segeln unter Genaker

Unter Genaker auf Barsø zu

 

Als wir die Huk erreichen, sind um uns herum überall weiße Schaumkronen zu sehen. Wir wollen es nicht übertreiben. Zeit den Genaker zu bergen und die Genua zu setzen. Auch das Abschlagen der Schoten ist zeitintensiv, da sie zu viele Krangel bilden… Aber schließlich ist alles eingepackt und wir segeln unter Genua und Groß auf Årø zu.
Imas Blick geht zur Steilküste. Dicht unter Land ankern zwei Katamarane.
„Ist das schön hier. Wollen wir nicht auch hier ankern?“ Wald und Steilküste locken. Es ist traumhaft hier, aber es läuft gerade so schön… Sie guckt mir in die Augen:
„Du willst lieber weiter?“ Ich nicke.
„Der Haderslevfjord soll auch schön sein.“ Das ist unser Ziel. Eigentlich wollte ich den Fjord schon vor zwei Jahren besuchen, aber die Zeit hatte dann doch nicht gereicht. Ima weiß das und sagt:
„Na gut.“ Hätten wir mal lieber auf Imas Intuition gehört …

Segeln unter Landschutz

Hinter der Huk

Wenig später klettert sie den Niedergang hinunter, legt sich auf die Koje und klappt das Schlingerbrett hoch. Dann widmet sie sich wieder ihrer Lektüre. Muss echt spannend sein. Aber bestimmt nicht so spannend wie hier mit Pinne und Schoten zu spielen. Auch unter Genua und Groß machen wir gute Fahrt. Mit halbem Wind geht es auf die Schmale Durchfahrt zwischen Årø und dem Festland zu. Der Himmel hat sich mittlerweile eingekleidet. Trägt ein dezentes Wolkenkleid der Marke Stratus.

Néfertiti steht querab von Årøsund. Der Sund weitet sich. Wo ist denn nur die Einfahrt zum Fjord? Ich hatte erwartet, die Tonnen hier leicht auszumachen, aber kann jetzt keine einzige entdecken. Dann ist wohl doch noch „richtige“ Navigation gefragt. Ich drehe bei und steige den Niedergang hinunter. Setze den Kurs von der Hafeneinfahrt auf die erste Tonne ab. Steige wieder an Deck und suche mit dem Fernglas. Da sind sie ja. Ich kann nicht verstehen, warum ich eben keine ausmachen konnte… Halsen. Ich gehe auf einen Kurs hoch am Wind. Eine Bö fällt ein, die die anderen in den Schatten stellt. Gut dass der Genaker nicht mehr steht. Néfertiti krängt stark unter dem Winddruck nach Steuerbord. Vielleicht sollte ich reffen? Zumindest die Genua… Die Bö legt noch weiter zu. So stark haben wir noch nie gekrängt. Da ertönt ein Schlag. Ein lauter Schrei!
„Was ist?!!“ Keine Antwort. Nur ein Wimmern. Ich luve an und die Krängung lässt nach.
„Ima?!“ Keine Antwort. Ich stehe auf und luge den Niedergang hinunter. Ima liegt auf den Bodenbrettern.
„Ima?!“ Sie reagiert nicht. Alles was ich höre ist schmerzgeplagtes Wimmern.

Ich rolle die Genua ganz weg. Drehe ohne Fock bei. (Um weniger zu krängen, als eben.) Das geht bei Néfertiti mit ihrem hohen Vorschiff ziemlich gut und das Ganze dauert nur einen Moment. Wir haben genug Platz, bis es flach wird und kein Boot befindet sich in unmittelbarer Nähe. Ich steige nach unten. Ima sieht mich mit Tränen in den Augen an.
„Hilfst du mir aufzustehen?“
„Klar.“ Als ich sie am Arm fasse, schreit sie vor Schmerz auf.
„Ist etwas gebrochen?“ Ima macht eine Reihe von Bewegungen.
„Ich glaube nicht. Eher geprellt.“ Sie hat versehentlich das Schlingerbrett ausgehängt, als Néfertiti gerade am stärksten krängte. Ohne Halt ist sie quer durch die Kajüte geflogen und auf der anderen Seite gegen mein Kojenbrett geprallt. Vorsichtig bugsiere ich sie zurück auf ihre Koje. Hake das Schlingerbrett auf beiden Seiten ein. Stelle Imas Arm mit einem Dreieckstuch ruhig.
„Ist nicht mehr weit. Soll ich den Motor starten?“
„Bitte!“ Ich steige wieder an Deck und berge das Groß. Starte die Maschine.

Die Fahrt zieht sich, aber schließlich fällt der Anker auf 2,4 Metern. Den ganzen Abend über bemuttere ich Ima, die das sichtlich genießt. Nicht, dass wir einen Blick dafür hätten, aber der Ankerplatz ist natürlich nicht halb so schön, wie der unter der Steilküste…

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 18.7.

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4 Comments

  1. Joachim sagt:

    Hallo Klaus,
    nicht, dass das das Wichtigste ist (ich hoffe doch sehr, dass es Ima schnell wieder besser ging!), aber aufgefallen ist mir, dass Du bestimmt die Insel Årø (oder Aarö) und nicht Ærø meinst.
    Auch dieses Jahr lese ich wieder sehr gerne und gespannt über Euren/Deinen Segelsommer. Vielen Dank, dass Du uns daran teilhaben lässt.
    Viele Grüße,
    Joachim.

    • Klaus sagt:

      Hi Joachim,
      die Dänen mit ihren Sonderzeichen… Als Blogger könnte man versucht sein, deswegen dieses schöne Land zu boykottieren… :D
      Aber Scherz beiseite: Danke für den Hinweis. Habe es gleich geändert.

      Prellungen sind schmerzhafter als mancher Bruch und brauchen ewig um abzuklingen. Insofern hatte Ima eine paar schwere Wochen vor sich, die sie ziemlich tapfer durchgestanden hat…
      Liebe Grüße
      Klaus

  2. louitgergsfgdgvvdeep https://google.com c sagt:

    Sun Cellular

  3. Okeygorandom https://www.google.com/ sagt:

    Globe Telecom

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