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Segeln als Digitale Nomaden

Schweinswale

Dez• 12•16

Als ich morgens aufwache, ist Ima schon wach.
„Wie geht es?“
„Ich habe die Nacht kaum ein Auge zu getan vor Schmerzen.“ Ojeh.
„Wollen wir heute hier bleiben?“
„Weiß nicht. Es ist nicht soooooo schön hier.“ Häßlich ist es hier nicht. Die Landschaft ist vielleicht nicht so spektakulär wie eine Steilküste, aber hat doch ihren eigenen ganz sanften Charme. Ohne die in unmittelbarer Nähe liegende Steganlage würde das auch Ima wahrnehmen…

Kleiner Belt

Beschäftigungstherapie

Für heute sind leichte Winde vorausgesagt. Für morgen keine. Als ich den Kopf aus dem Luk strecke, weht allerdings auch kein Lüftchen. Grauer, dunstiger Himmel. Faenø ist unser nächstes Ziel. Morgen den ganzen Tag motoren oder heute bei Leichtwind segeln?

„Vielleicht sollten wir lieber heute segeln. Es wird auch kaum Seegang geben und kaum Krängung.“ Manche Dinge sollte man eigentlich nicht versprechen, aber heute werde ich nicht zum Lügner gestempelt. (Néfertiti wird den ganzen Tag überhaupt nicht krängen, denn Petrus hat die Tage verwechselt.)
Ima nickt:
„Ist mir auch lieber, aber du musst einhand segeln. Ich kann dir nicht helfen.“
„Kein Problem.“ Ich bereite den Genaker vor, damit gleich alles schnell geht, wenn erst Wind aufkommt…

Wenig später ist der Anker eingeholt und wir tasten uns vorsichtig, auf dem Weg, den wir gestern genommen haben, von der Untiefe herunter. Ich treffe den Weg nicht ganz. Das Echolot geht auf 2 m zurück… 1,90 m … aber dann wird es wieder tiefer und schließlich erreichen wir das Fahrwasser ohne Grundberührung.

Unter Motor laufen wir aus dem Fjord heraus. Tucker, tucker, tucker… Folgen dem gewundenen Fahrwasser. Bei den Verhältnissen können wir auch eine Abkürzung nehmen. Ich nehme für alle Fälle Gas weg, aber die Überquerung der nördlichen Untiefe ist unproblematisch. Hat ein gutes. Jetzt wird hoffentlich endlich mal die neue Batterie geladen… Néfertiti fährt wie auf geschmolzenem Wachs. Wir passieren Brandsø … Tucker, tucker, tucker… Zuverlässig läuft unser alter Sabb. Bringt uns Meile für Meile voran. Ima sitzt mit ihrem Dreieckstuch im Cockpit, als ich ein Prusten höre. Ich drehe mich um und sehe ein, zwei, drei Rückenflossen dicht beim Boot.
„Delfine!“ Ima dreht sich um und ist ganz aufgeregt.
„Oh wie schön. Lass uns den Motor stoppen, damit wir sie nicht stören.“

Schweinswale im Kleinen Belt

Schweinswale und Autofokus…

Ich stoppe die Maschine. Néfertiti liegt bekalmt in der vollkommen ruhigen See. Überall um uns herum ist das Prusten zu hören und immer wieder brechen die Rückenflossen durch die Wasseroberfläche. Mal nur wenige Meter vom Boot entfernt, mal etwas weiter. Ich versuche erfolglos, das Wunder der Natur zu fotografieren. Plötzlich lacht Ima auf:
„Das erinnert mich an deine Delphingeschichte in Schottland. Mit deinem Vater, der auch kein einziges Foto gekriegt hat.“ Ja. Daran fühle ich mich auch gerade erinnert. Ich ahne, warum man sie heutzutage nur noch „Schweinswale“ nennt. Das verspielte Wesen ihrer Geschwister geht ihnen ab. Walartig, geradezu stoisch, gehen sie ihrem Geschäft nach, was auch immer das ist. Sie interessieren sich nicht für unser Boot. Aber bleiben über eine Stunde in unserer unmittelbaren Nähe. Vermutlich jagen sie…

Ima beobachtet Schweinswale

Ima beobachtet Schweinswale

Schließlich ist das letzte Prusten verklungen. Weit weg sehen wir noch einmal eine Rückenflosse. Dann herrscht Stille. Eine feine Rifflung zieht über das Wasser. Probeweise setze ich die Segel. Aber der leichte Hauch erstirbt und nach einer Weile berge ich die Segel wieder.
„Beschäftigungstherapie.“ kommentiert Ima meine Bemühungen. Unrecht hat sie nicht. Ich starte den Motor. Zwanzig Minuten später nimmt die Sicht dramatisch ab. Die Küste verschwindet in einer Regenfahne. Wir laufen nach Kompass weiter, bis die Sicht eine halbe Stunde später wieder aufreißt.

Unter Motor erreichen wir Faenø. Ankern gut geschützt hinter der lieblich bewaldeten Insel. Abends machen wir einen Spaziergang. Wir brauchen uns bloß anzuschauen. Große Worte sind unnötig. Es ist so schön hier: Morgen werden wir bleiben und eine lange Inselwanderung machen! Schließlich haben wir Zeit. Imas zwei Wochen sind zwar herum, aber noch ist kein Termin in Sicht, der die Anwesenheit der Regisseurin unseres Filmes erforderlich machte…

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 19.7.

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2 Comments

  1. Joachim sagt:

    Hi Klaus,
    Du Schelm willst bestimmt prüfen, ob ich weiterhin aufpasse. Aber natürlich tue ich das: Wenn Ihr auf dem Weg vom Haderslevfjord nach Faenø an der Insel Barsø vorbeigesegelt seid, habt Ihr einen ganz schönen Umweg gemacht. Ich vermute, Ihr werdet an dem Tag bei Bågø und/oder Brandsø vorbeigekommen sein.
    Obwohl ich da auch schon oft war, bin ich mit den ganzen sonderzeichen-behafteten dänischen Mini-Inseln natürlich auch nicht „per Du“, aber ich verfolge Eure Reise gespannt und dabei parallel auf einer Karte. ;-)
    Liebe Grüße,
    Joachim.

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