Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Automaten: Igitt

Dez• 18•16

Am nächsten Morgen nieselt es. Wir brauchen Obst und frisches Gemüse. Und eine Dusche wäre auch nicht schlecht. Middelfart bietet sich an. Also motoren wir hinüber zu der Marina am anderen Ufer. Die ersten Schritte auf dem Steg sind ernüchternd: Eine dieser Automatenmarinas. Genau die Sorte von Hafen, in der wir unseren kostbaren Hafentag nicht verbringen wollen.

Steilküste

Auf dem Weg nach Kongebro

Ein älteres dänisches Ehepaar frühstückt an einem der Picknicktische.
„Do you speak English?“ Sie heben entschuldigend die Schultern. Die Kommunikation gestaltet sich schwierig, denn die beiden sprechen kaum Englisch und kein Deutsch. Wir kaum Dänisch.
„Automaten? … other Ports with Harbourmasters?…“ Funktioniert trotzdem. Segler verstehen sich immer irgendwie… Die beiden empfehlen Kongebro. Also laufen wir zehn Minuten nachdem wir eingelaufen sind, schon wieder aus. Auch vom Wasser aus ist Faenø wunderschön anzusehen. Die bewaldeten Steilufer…

Kongebro entpuppt sich als ein niedlicher kleiner Hafen, direkt neben der gleichnamigen Eisenbahnbrücke, die allerdings so wenig frequentiert wird, dass uns die Geräusche nicht wirklich stören werden. Inzwischen ist die Sonne heraus gekommen, und knallt heiß von einem fast blauen Himmel herab.

Klaus am Ruder Néfertitis

Unterwegs nach Kongebro

Als wir vor der engen Hafeneinfahrt ankommen, manövriert sich gerade eine große Motoryacht mit qualmendem Auspuff aus dem engen Hafenbecken. Wir warten im Sund, bis sie draußen sind. Der Skipper ruft seinen Dank herüber:
„Tak!“ Wir laufen langsam ein und steuern eine der ersten freien Boxen an. Von der LM27 neben uns klettert ein älterer Herr herunter und nimmt unsere Leinen an. Wir hätten einen der besten Plätze erwischt. Tatsächlich gucken wir auf’s Grüne, aber erst später wird mir klar, dass er den Schatten meinte, den die hohen Bäume spenden. Weiter innen liegen die Boote im vollen Sonnenglast.

Schließlich wandern wir durch den Wald in das etwas verschlafene hübsche Städtchen. Wir finden einen nicht sooooo teuren Supermarkt und wollen in einem Bistro in der Fußgängerzone eine Kleinigkeit essen. Ima hat ein paar köstlich aussehende Burger gesehen. Und die Fritten sehen beinahe handgeschnitten aus… Sonst essen wir eigentlich keine Burger, aber das ist etwas Besonderes. Als uns eine der zwei Chefinnen die Karte bringt, erschrecken wir, denn die Preise sind auch etwas Besonderes. Fast 20 Euro für einen Burger?
„Dann vielleicht doch besser ein Fischbrötchen?“ Ima nickt. Nachdem wir die ganze Karte studiert haben, ohne etwas für uns Erschwingliches gefunden zu haben, treten wir vorsichtig den Rückzug an. Die Chefin läuft hinter uns her:
„Why do you leave?“ Ich schlucke die Peinlichkeit herunter und sage:
„Your burgers look spectacular. Everything is fine, but we can not afford it.“
„Oh.“ Verwundert sie das wirklich? Ich lächele sie breit an:
„One day, in better times, we are coming back, just to try your burgers.“ Sie schenkt uns ein breites Lächeln und wünscht uns eine gute Reise.

Ima auf dem Vorschiff Néfertitis

Symphonie in Blau

Unterwegs verschwindet Ima in einer Schlachterei und kehrt mit zwei großen Steaks zurück.
„Hatte doch mehr Lust auf Fleisch. Biofleisch. Gar nicht teuer. Ich koche uns heute etwas Feines!“
Das ist eine Ansage!

Schließlich sitzen wir mit einem Eis am alten Hafen und genießen die sommerlichen Temperaturen. Spazieren durch den Wald zurück zum Hafen. Ima ist begeistert:
„Das ist einer der schönsten Wege von einem Hafen stadteinwärts.“ Ja. Finde ich auch.

Zurück an Bord legt Ima das Fleisch ein und wir verstauen die neuen Vorräte. Bald steht auf dem Tisch wieder ein großer Korb mit frischem Obst. Herrlich! Und dann die Duschen! Wir fühlen uns reich beschenkt. Schwelgen im Luxus. Irgendwann kommt der Hafenmeister. Man erwartet ja einen gesetzten Herrn, aber dieser ist jung, hat vermutlich gerade erst die Schule beendet. Oder ist das ein Ferienjob? Er kassiert das Liegegeld und schenkt uns Kaffee, Schokolade und einen Plan der Insel samt Veranstaltungskalender. Hier könnten wir es auch länger aushalten. Irgendwann macht sich Ima in der Pantry zu schaffen und kurz danach ist ein Festessen fertig. Dazu ein edler Tropfen…

Während wir im Cockpit schlemmen, kommen wir mit unseren sympathischen Nachbarn ins Gespräch. Sie wohnen in Juelsminde und warten auf Freunde zum Grillen. Als wir von Faenø schwärmen, erzählen sie uns von dem Besitzer der Insel. Ein Architekt und der Konstrukteur ihres Bootes.
„Mit dieser Konstruktion hat er seinen Reichtum errungen!“ (Die familienfreundlichen LM-Yachten sind in Dänemark weit verbreitet.)

Irgendwann neigt sich ein wunderschöner Tag dem Ende zu und wir verschwinden in den Kojen. Auch ein Luxus: Einmal nicht mit offenem Ohr schlafen zu müssen. Immer bereit zu reagieren, wenn in der Nacht der Wind umspringen sollte…

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 21.7.

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

4 Comments

  1. Klaus sagt:

    Es war richtig, den Hafen zu wechseln. Die Marina in Middelfart ist wirklich die zweitschlechteste Möglichkeit in diesem hübschen Ort und obendrein noch am weitesten vom Ort entfernt. Nur der neue Tel-Ka-Hafen ist noch unpersönlicher.

    • Klaus sagt:

      Ja. Wir waren im Nachhinein glücklich über unsere Entscheidung! Haben uns in Kongebro wirklich wohl gefühlt. Dabei war ich im ersten Augenblick etwas skeptisch wegen der Nähe zur Eisenbahnbrücke… Erwies sich dann aber als halb so wild!
      Liebe Grüße :)
      Klaus

  2. Julian Buss sagt:

    Finde ich toll, dass ihr den kleinen Belt so schön erkundet… wir sind dieses Jahr nur morgens früh in einem Rutsch durch den Belt von Vejö nach Aerö… aber für das nächste Jahr haben wir uns vorgenommen, alle die schönen Ecken im Belt und nördlich von Fünen zu erkunden.

    Bin also gespannt, was Du noch berichten wirst!

    • Klaus sagt:

      Ich fand es wunderschön da oben. Samsø war für uns beide eine der schönsten Inseln der Reise! Sicher einen Besuch wert. Auch Endelave oder die lebendige Innenstadt von Aarhus, das von See kommend eher unattraktiv scheint… Ebeltoft… Mommark…
      Liebe Grüße
      Klaus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.