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Segeln als Digitale Nomaden

Zwei Seebären

Jan• 08•17

Am nächsten Morgen sind wir wieder früh auf den Beinen. Dabei hat kein Wecker geklingelt.
„Lass uns zum Nordstrand segeln. Ich möchte nach den Steinen schauen…“ Ich bin einverstanden. Später können wir dann weiter nach Aarhus segeln.

Segelboot Johnson 23

Zwei Seebären

Gegen 6 Uhr gehen wir ankerauf. Ich denke an Marlies und Holli. Die werden heute ganz schön zu kämpfen haben. Wir nicht. Die Morgenstimmung ist herrlich. Langsam tuckern wir durch das Feld der Ankerlieger. Ich setze die Genua dazu und lasse den Motor noch ein paar Minuten weiterlaufen. Die eine Batterie ist hinüber. Geht nachts nach nur zwei, drei Stunden in die Knie, selbst wenn nur das Ankerlicht brennt. Also habe ich (nicht nur) letzte Nacht die Starterbatterie benutzt und die steht jetzt bei 12,0. (Für Nicht-Segler: Das ist kurz vor leer) Erst als wir die Untiefen passiert haben, stoppe ich die Maschine und setze das Groß.

Mit schneller Fahrt rauscht Néfertiti gen Steilküste. Die Sonne scheint. Toller Wind, keine Welle. Schönstes Segeln. Last not Least ist um die Zeit kein anderer unterwegs. Kein anderer?! Doch! Genau im Gegenlicht der Sonne, kaum auszumachen, zieht ein kleines Segelboot seine Bahn. Auf Parallelkurs.

Segelboot Néfertiti segeln an der Fischzucht vorbei

An der Fischzucht vorbei

Auf halbem Weg liegt eine Fischzucht im Wege. Ich luve an, um die Sperrgebietstonnen an Steuerbord zu lassen. Die gibt es nämlich auch nach 16 Jahren noch. (Habe ich es schon erwähnt? Die Karten sind etwas älter … )

Laut Echolot wird es langsam aber sicher flacher. Ich reffe die Genua ein, um Fahrt herauszunehmen. Im Landschutz der Steilküste herrschen Ententeichverhältnisse.
„Wo willst du lieber hin? Hier bei der Steilküste ankern oder beim Riff? Aus seemännischer Sicht geht beides.“ Ima muss nicht lange überlegen:
„Am Riff.“ Das ist noch ein Stückchen. Vielleicht sollte ich die Genua noch einmal ausreffen? Aber das Echolot sinkt auf 3,50 m und die Idee Fahrt herauszunehmen ist schon richtig…

Das kleine Segel kommt jetzt deutlich näher. Wie es aussieht, haben die den gleichen Ankerplatz ausgeguckt. Sie segeln eindeutig Regatta und versuchen uns den Weg abzuschneiden.  Komischer Zufall. Sind die durch das Sperrgebiet gedonnert, um als erste anzukommen!? Bitte. Ihr dürft gerne vor. Ist doch Platz genug für zwei Boote. Da ertönt drüben ein Nebelhorn: Kurz … kurz … kurz … kurz … kurz … kurz … kurz… Was soll das für ein Signal sein?!

Johnson 23

Auch mit 6,70 m kann man weite Reisen machen

Es entpuppt sich als das Allgemeine Freuden- und Großartigfühlsignal! Die Gestalt auf dem Vorschiff kommt mir nämlich bekannt vor. Sie winkt wie wild. Ich drehe bei. Marlies und Holli! Großes Hallo! Marlies ruft:
„Wir wollten euch zum Frühstück überraschen!“
Das ist ihnen auch gelungen. Gefrühstückt haben wir noch nicht.
„Wir wollten hier ankern.“
„Okay. Können wir bei euch längsseits gehen?“
„Klar!“ Wir ankern gleich auf der Stelle. Ich rolle die Genua weg. Drehe den Bug in den Wind und lasse den Anker ins Wasser. Prüfe mit der Hand auf der Kette. Der Anker hat gefasst. Groß bergen und auftuchen. Derweil haben auch die beiden von der Ahoi Marie die Segel geborgen und den Außenborder angeschmissen. Sie gehen längsseits.

Klönschnack an Bord Néfertitis

Die zwei übermüdeten Seebären

Als erstes besichtigen wir Marlies neues Schiff. Die Johnson ist ein Raumwunder. Und gemütlich auch.
„Dass ihr uns auf See gefunden habt. Unglaublich.“ Marlies grinst mich an:
„Holli sagte plötzlich: Da sind braune Segel. Sind sie das? Ich war mir nicht ganz sicher. Dieses orange Leuchten am Heckkorb!? Habt ihr einen neuen Rettungskragen?“ Haben wir.
„Seid ihr nicht erst gestern morgen in Anholt angekommen?“
„Ja, aber wir wollten nicht gegen den angekündigten Südwest kreuzen. Deshalb hat Holli darauf bestanden so schnell wie möglich wieder auszulaufen!“ Respekt! Sie kommen von Kungsbacka. 120 Seemeilen in zwei Tagen. Und das in einem 6,70 m Boot. Wir frühstücken gemeinsam auf der Ahoi Marie. Die Euphorie hält die beiden übernächtigten Seebären noch auf den Beinen. Holli sagt:
„Bin froh das Kattegat hinter uns zu haben. Was für ein verrückter Seegang. Und das bei Windstärke 3!“ Und da wollen wir hin?!

Wir quatschen und quatschen. Erst gegen zwölf werfen die beiden Seebären die Leinen los. Richtung Langør. Ausschlafen. Der Abschied macht mich etwas beklommen. Passt bloss gut auf euch auf! Aber für uns wird es auch langsam Zeit. So lassen wir den geplanten Strandspaziergang ausfallen und gehen kurz darauf ebenfalls ankerauf.

♦♦♦

 

Abschied

Passt gut auf euch auf ihr Beiden!

Dieser Blog Eintrag spielt am 31.7

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8 Comments

  1. Lothar sagt:

    Hallo Ihr beiden,

    danke für diesen schönen Blog. Es macht immer noch Freude, ihn zu lesen. Es iost genau die Mischung aus informativem Reisebericht und phantasievoll und liebevoll geschriebenen Texten, die das ganze hier so lesenswert machen.

    Die Bilder erzeugen immer die passende Stimmung zum Beitrag

    Vielleicht komme ich irgendwann mit meiner Frau dazu, ähnliche wie eure Touren zu segeln.

    Grüße auch an Ima und weiter so

    Lothar

    • Klaus sagt:

      Hi Lothar, Solgun und Favör sind zwei echte Schönheiten!

      Ich freue mich, dass Dir der Blog so gut gefällt. Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr eines Tages vom See auf die See kommt ;) Denn die Seetörns mit Néfertiti gehören zum Schönsten, was ich in meinem Leben erleben durfte, und ich habe ja auch mal im Binnenland angefangen. Da hat mir Segeln auch Spaß gemacht, aber … ;)
      Liebe Grüße
      Klaus

  2. Marlies sagt:

    Hi Klaus,
    welche Ehre in deinem wunderbaren Blog erwähnt zu werden. Das ist wohl der richtige Anlass, über meinen Schatten zu springen und auch mal öffentlich zu schreiben.
    Ja, nachdem wir unterwegs einen nach dem anderen Hafen links – genauer, steuerbord- liegen gelassen haben, wollten wir euch zu Frühstück überraschen. Allerdings im Hafen !
    Nicht unbedingt nach 2-stündiger Verfolgungsjagd, die dann auch noch durch die Fischaufzucht führte. Die hatten wir wegen der Müdigkeit zu spät gesehen. Und der Fischer war auch da und zog seine Kreise, er hat uns aber zum Glück nicht angemeckert.

    Obwohl wir uns meistens an der Grenze zur völligen Erschöpfung bewegt haben, war es ein traumhafter Törn den ich nie vergessen werde. Das Farben- und Formenspiel der langen Sonnenuntergänge, Milliarden von Sternen am Nachthimmel,morgens um sechs schon strahlender Sonnenschein. Da schmerzen die blauen Flecken, mit denen mein ganzer Körper übersät war nur noch halb so sehr …

    Dir Klaus ,tausend Dank für deine vielfältige Hilfe, Ermutigung und ganz besonders für die Navigationslehrstunden. Ohne dich hätte ich es bestimmt nicht so schnell geschafft, meinen Traum zu verwirklichen.
    Allerbeste Grüße,
    Marlies

    • Klaus sagt:

      Liebe Marlies,
      wirklich gerne geschehen. Ich freue mich in dir eine mir längst ans Herz gewachsene Freundin gefunden zu haben…
      Liebe Grüße :)
      Klaus

  3. Martin sagt:

    Schöner Blog! Wir waren mit unserer INFINITY am 31.07.16 auch für mehrere Tage bei Langor vor Anker. An die Néfertiti kann ich mich nicht mehr erinnern, aber an das kleine Boot von Maries und Holli unter schwedischer Flagge. Ist nett wenn man was von den Hintergrundgeschichten zu den anderen Booten erfährt.

    Liebe Grüße von der Segelyacht INFINITY aus Bremerhaven,
    Martin

    • Klaus sagt:

      Hi Martin,

      Das mit den Hintergrundgeschichten finde ich auch. Ihr seid ja auf der gleichen Route gesegelt, wie ich in deinem Blog nachlesen konnte. ;) Habe eben noch einmal alle Fotos aus den Tagen gesichtet. Konnte die Infinity darauf nicht finden, aber die besten Fotos des Ankerplatzes sind vom 29. Da wart ihr vermutlich noch nicht da, oder?

      Liebe Grüße
      Klaus

      • Martin sagt:

        Hallo Klaus,

        hab gerade im Logbuch nachgeschaut. Wir sind am 31.07.16 in der Bucht bei Langor vor Anker gegangen und am 05.08.16 dann weiter.

        Liebe Grüße,
        Martin

        • Klaus sagt:

          Hallo Martin,
          das erklärt, warum du uns nicht gesehen hast. Nachdem Marlies und Holli aufgebrochen sind, sind wir ja weiter gen Aarhus gesegelt… Für die folgenden Starkwindtage hattet ihr euch ja einen guten Schlupfwinkel gesucht… ;)
          Liebe Grüße
          Klaus

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