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Segeln als Digitale Nomaden

Wie ein König

Jan• 12•17

Die See atmet ruhig. Sanft hebt und senkt sie Néfertiti, die unter Genaker gemächlich durch das Wasser zieht. Zwei Knoten. Noch zehn Stunden bis Grenaa … Es macht mir nichts aus. Ich fühle mich wohl. Ima ist bemüht, sich als Nicht-Weichei zu beweisen, als Salzbuckel, der in diesen nördlichen Gewässern bestehen kann. Sie macht keine einzige Bemerkung, schielt nicht einmal zur Logge.

Leichtwindsegeln

Leichtwind

Welche Wohltat! Erst im Vergleich merke ich, wie sehr ich unter diesen häufigen Sticheleien gelitten habe. Heute nehmen wir Wind und Wetter wie es kommt. Das fühlt sich richtig an und gut. Zumindest für mich…

Der Wind flaut ab. Ich spüre keinen Ruderdruck mehr. Wir brauchen Stunden bis wir den Leuchtturm Sletterhage querab haben. Weit voraus habe ich die für uns wichtige Untiefentonne ausgemacht. Die Untiefe vor der Bucht von Ebeltoft fängt zwar erst weit hinter der Tonne an, aber die flachste Stelle misst nur 1,50 m. Ich halte vor, aber wir machen kaum Fahrt. Wenn das so bleibt, brauchen wir eher zwei Tage bis Grenaa… Wir treiben Richtung Untiefe.

„Was ist?“ Ima merkt immer sofort, wenn etwas nicht stimmt.
„Der Strom versetzt uns.“ Ich will beide Untiefentonnen südlich passieren, aber trotz eines Vorhaltes von gut 70° schiebt uns der Strom nördlich vorbei. Das Echolot zeigt sechs Meter. Noch ist es tief genug… Fünf Meter…

Genaker segeln

Unter Genaker

Da bauscht eine Bö den Genaker. Ein bis zwei Windstärken. Néfertiti nimmt Fahrt auf. Bringt uns langsam aber sicher aus dem Gefahrenbereich. Schließlich passieren wir auch die zweite Untiefentonne (auf der verkehrten Seite, aber bei den ruhigen Bedingungen…) und aus der Bö wird eine leichte Brise, die durchsteht. Ein Stück weiter wartet die nächste Untiefe. Naja. Keine Welle. Überall vier Meter. Kein wirkliches Hindernis. Mit Groß und Genaker im Schmetterling segeln wir über die zweite Untiefe hinweg. Zwei bis drei Knoten. Ich fühle mich wie ein König (auf seiner Sommerresidenz). Ima bereitet uns ein leckeres Mahl.

Inzwischen ist es nachmittags. Es ist klar, dass wir in die Nacht kommen werden. Ima übernimmt die Pinne, damit ich ein, zwei Stunden Ruhe bekomme. Ich nenne ihr den Kurs.
„Wenn die rote Tonne in Sicht kommt, sie bleibt an Steuerbord!“
„Alles klar.“
„Und wenn irgendetwas ist, zögere nicht mich zu wecken!“ Ich lege mich auf meine Koje. Lausche dem Murmeln des Wassers an der Bordwand, aber kann nicht einschlafen. Döse mehr. Trotzdem fühle ich mich erfrischt, als ich eine Stunde später wieder an Deck steige.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang auf See

Langsam wird es dunkel. Die Sonne steht rot-orange über dem Land. Nähert sich dem Horizont. Der Wind dreht, bleibt aber schwach. Ablandiger, halber Wind. Mal sehen, ob die ausgeguckte Ankerbucht noch Schutz bietet. Glutroter Himmel. Langsam versinkt die Sonne hinter der scherenschnittartigen Silhouette der Küste. Es bleibt noch etwa eine Stunde hell. Ich lasse den Genaker so lange stehen, wie es geht. Nutze das letzte Licht, um ihn zu bergen und die Genua zu setzen. Irgendwann wird der Wind zunehmen. Besser wenn der Genaker dann nicht mehr steht. Schalte noch die Dreifarbenlaterne ein.

Ima hat sich schlafen gelegt und ich genieße einen heißen Tee im Cockpit. Was für eine friedliche Stimmung. Leise und gemächlich zieht Néfertiti ihre Bahn und nichts stört unsere stumme Zwiesprache.

Die Lichter von Grenaa kommen in Sicht. Sieht nach endlosen Hafenanlagen aus. Ich will noch weiter. Habe die Gjeritt Bugt als Ankerplatz ausgewählt. Könnte auch bei dem westlichen Wind Schutz bieten. Oder auch nicht. Müssen wir vor Ort checken.

Segeln in die Nacht, Lichter von Grenaa

Langsam segeln wir in die Nacht hinein. Voraus die Lichter von Grenaa

Diese Lichterkette zieht sich und zieht sich. Stundenlang segeln wir an den Lichtern von Grenaa entlang. Und die ganze Zeit hat man das Gefühl gleich querab zu sein… Schließlich erreichen wir den Leuchtturm Fornaes. Ima streckt ihren Kopf aus dem Niedergang:
„Geht es dir gut?“
„Ja. Alles Bestens. Ist auch nicht mehr weit.“ Ich gebe ihr einen Kuss und sie verschwindet wieder in ihrer Koje.

Kaum sind wir um die Huk herum, läuft uns Dünung entgegen. Kurz entschlossen wende ich und segele zurück. Wir ankern kurz vor dem Leuchtturm. Hier läuft kein Schwell. Wenn der Südwind einsetzt, wird uns der Seegang wecken. Dann gehen wir eben ankerauf…
Es ist zwei Uhr nachts. Ich schalte noch die Dreifarbenlaterne aus und das Ankerlicht an. Test für die neue Batterie! Müde aber erfüllt sinke ich in die Koje und bin kurz darauf eingeschlafen.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 2.8.

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4 Comments

  1. Sebastian sagt:

    Hach, was ein schöner Beitrag. Ist schon komisch: Diesen Winter liest sich dein Blog für mich anders. Macht irgendwie etwas mit einem, wenn man selbst auch auf See segelt…. da hat man bei deinen Wort plötzlich eigene Bilder vor Augen.
    Wird Zeit das meine Große wieder ins Wasser kommt. Kann es kaum erwarten. Nächste Woche, wenn es nicht zu viel schneit dürfen wir wieder planschen. :)
    Viele Grüße,
    Sebastian

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