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Segeln als Digitale Nomaden

Klassenkampf

Feb• 04•17

„Das zahle ich nicht!“ Meine Empörung macht sich lautstark Luft. Ich stehe mit gezücktem Portemonnaie vor dem Automaten. Nicht nur wollen die fast doppelt soviel wie in Hals, die kleinste Bootsgröße fängt bei 12 Metern an. Die Kleinen dürfen mal wieder die Großen subventionieren. Ich stehe bestimmt fünf Minuten vor dem Apparat und kämpfe mit mir. Dann stecke ich mein Portemonnaie wieder ein. Wenn die mein Geld wollen, müssen die sich schon persönlich bemühen!

Mit der Faust in der Tasche komme ich zurück an Bord. Ima bemerkt auf den ersten Blick, das etwas nicht stimmt:
„Und?“
„Hab nicht bezahlt. Die sind irre hier. Kleinste Bootsgröße 12 m. Der reinste Klassenkampf.“
„Willst du wieder auslaufen?“
„Wenn der mein Geld will, muss der Hafenmeister schon persönlich kommen.“ Er kommt nicht. Wahrscheinlich erst morgen früh wieder. Vielleicht wurden seine Stunden vom Hafenbetreiber rationalisiert…?

Später gehen wir in das Städtchen. Uns ist unklar, wo das Zentrum liegt. Wir fragen einen freundlichen Dänen. Er weist uns den Weg und fügt, nachdem er schon ein paar Schritte weiter gegangen ist, noch die salbungsvollen Worte hinzu:
„Da kriegt ihr auch ein Bier!“ Ich mache mir ja nichts aus Bier, aber ich wundere mich schon ein bisschen, warum er das so betont. Seine Worte bekommen Gehalt, als wir das Zentrum erreichen. Wir irren durch menschenleere Straßen. Ein paar vereinzelte Touristen begegnen uns, verloren wie wir. Eine Pizzeria hat geöffnet, gähnend leere Tische. Ima und ich gucken uns an. Den Landgang haben wir uns anders vorgestellt…
„Zurück an Bord?“
„Ja. Vielleicht können wir uns ja noch ein Eis am Hafen holen.“
„Auja.“

Das kleine Softeis soll umgerechnet 10 € kosten. Da erscheinen die Liegegelder ja beinahe geschenkt…
„Lass mal Klaus. Ich will doch kein Eis.“ Kein Wunder, dass die Stadt so leer ist. Wenn die hier schon so habgierig sind, brauchen wir wohl wirklich nicht nach Skagen zu segeln… Zumal morgen vormittag schönster Segelwind herrschen soll. Erst am späten Nachmittag wird der Wind wieder zunehmen auf Starkwind.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 10.8.

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8 Comments

  1. Jens sagt:

    Hallo Klaus, wo war das? Ich habe die Dänischen Häfen bisher als moderat in Erinnerung. Die Preise im Restaurant, okay, gewöhnungsbedürftig.“ Wollen sie eine Flasche Wein zum Essen?, 120€“ Da greift man lieber auf die Bordbar zurück ;-)

    • Klaus sagt:

      Hi Jens, das war in Saeby. Skagen soll noch teurer sein… Mich hat die Preissteigerung zum Nachbarhafen (Hals) geschockt. Aber vor allem finde ich es unsympathisch, nein, asozial, wenn Eigner kleiner 6m Bötchen den gleichen Preis bezahlen sollen wie die Eigner einer 12 m Yacht, obwohl die finanziellen Möglichkeiten beider augenscheinlich so unterschiedlich sind… Alle klagen über mangelden Nachwuchs. Wenn das Beispiel Schule macht, gibt es bald überhaupt keinen Nachwuchs mehr…
      Liebe Grüße
      Klaus

      • Jens sagt:

        Hallo Klaus, gut zu wissen, wie es da zugeht, die kleinen Boote, werden immer mehr vernachlässigt, die Tendenz geht zu immer größeren. Er sich das nicht leisten kann, soll sich ein Surfbrett kaufen. ;-)
        so scheint die Denke zu sein. Aber… wenn du schon mal in Frankreich Italien oder Kroatien unterwegs warst, 30 – 40 € sind da an der Tagesordnung, für 34 Fuß.
        LG
        Jens

  2. Michael sagt:

    Hallo Klaus,
    Deinen Blog lese ich regelmäßig mit großem Interesse. Ich bin sehr gespannt, wie es mit Dir in Saeby weitergegangen ist. Ich kann Dich sehr gut verstehen. Ähnlich war meine Reaktion auf Vejrö, im aktuellen Sejleren wurden 260 dkr bis 12m aufgerufen, dort angekommen gab es nur noch die Klassen unter 15m -> 450 dkr und darüber… und das für eine Nacht (20Uhr – 6 Uhr), mit 9m und einhand… Nachdem ich den Kilometer bis zur Zahlstelle gelaufen bin, habe ich dort auch recht deutlich meine Meinung kund getan. Am Ende habe ich doch „nur“ die 260 dkr gezahlt, immer noch Wucher, aber das wusste ich ja, bevor ich die Insel angelaufen bin. Bin mal gespannt, wie Du die Situation bewältigt hast.
    Gruß
    Michael

    • Klaus sagt:

      Hallo Michael,
      Werde gleich den nächsten Artikel einpflegen. ;)

      Von Vejrö habe ich auch schon gehört. Da scheint das ja Konzept zu sein: Man will die mit kleinem Budget nicht auf der Insel haben. Aber wenigstens kann man sich dort darauf einstellen. Wer unvorbereitet in Vejrö landet ist bestimmt erst einmal erschrocken. Selbst wenn er es sich leisten kann…
      Liebe Grüße
      Klaus

  3. Walter sagt:

    moin Klaus,
    auch ich bin der Meinung, daß man sich Skagen sparen kann.

    Im August 1959 war ich das erstemal an der Spitze Dänemarks (Grenen) und damals war da schon einiges los.
    Das letzte mal war ich 2010 dort (Nostalgie muß ja auch sein),
    aber wir haben uns nach dem Besuch relativ schnell zum Parkplatz bei der (halb) versandeten Kirche „verlegt“ :-)
    mit einem Wohnmobil geht das natürlich etwas leichter.

    Besichtigung ja, aber auch hier Touri pur…

    @Alkohol in Danmark,
    yep,
    der ist sehr teuer – aber da ist ja auch einiges an Steuer drauf.
    Nur: fahr mal nach Norwegen, DA wird es teuer ;-)

    In dem Sinne, gute Fahrt/Wache = fair winds.

    Walter

    • Klaus sagt:

      Hi Walter,
      das klingt als hätten wir die richtige Entscheidung getroffen ;)
      Dabei muss ich zugeben: Die Schären haben mächtig gezogen! Nachdem wir solange in Hals festgesessen haben, wollten wir die allererste Chance nutzen, um nach Schweden überzusetzen. Schließlich wussten wir, dass uns in den geschützten Gewässern innerhalb des Schärengürtels widriges Wetter nicht mehr so stark tangieren würde.
      Liebe Grüße :)
      Klaus

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