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Segeln als Digitale Nomaden

Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort

Feb• 06•17

Ich wache auf. Es ist noch dunkel. Ein Blick zur Uhr. Kurz vor vier. Imas gleichmäßige Atemzüge dringen an mein Ohr. Wenn ich jetzt meinem inneren Schweinehund Paroli biete, könnten wir auf der anderen Seite des Kattegats sein, wenn der angekündigte Starkwind loslegt. Zumal er auf der schwedischen Seite schwächer wehen soll. Zur Not könnten wir nach Laesø. Und außerdem würde ich dem Hafenbetreiber ein Schnippchen schlagen…

Hafenausfahrt Saeby

Heimlich …

Das gibt den Ausschlag. Leise stehe ich auf und ziehe mich an. Auch Ölzeug und Schwimmweste. Als ich den Motor starte, wird Ima wach:
„Brauchst du mich?“
„Nein. Schlaf ruhig weiter.“ Das Ablegen ist mittlerweile Routine. Néfertiti tuckert durch das ölige Hafenwasser Saebys. Irgendwie erwarte ich empörtes Rufen, aber es bleibt still.
Heimlich schleicht Néfertiti aus dem Hafen, strebt der offenen See zu. So schnell wird man vom überkorrekten Bürger, der nicht einmal falsch parkt, zum Gesetzesbrecher. Ich hätte eben noch zum Automaten gehen können… Aber darf man rücksichtslos jeden Preis verlangen? Egal ob angemessen oder nicht? Weil man kaum Konkurrenz hat? Muss man so etwas bezahlen? Muss man sich alles gefallen lassen? Ich fühle mich wie David, der gerade Goliath besiegt hat, wie ein Rebell, dabei habe ich streng genommen nur vor einer Parkuhr geparkt, ohne zu bezahlen…

Vor der Hafenmole Saebys stoppe ich den Motor und setze die Segel. Koppele die Windfahnensteuerung ein. Ich baume die Genua aus und rigge den Bullenstander für das Groß. Wir segeln vor der leichten Brise im Schmetterling. Die Sterne prangen noch am Himmel. Nur im Osten kriecht ein erster heller Schimmer über den Horizont. Die Windsteuerung hält Néfertiti gut auf Kurs. Ich steige in die Kajüte hinunter und setze Wasser auf, sitze wenig später im warmen Ölzeug in der Plicht, eine Muck dampfenden Tees in der Hand und erfreue mich des Lebens.

Segelboot Néfertiti: Segeln im Schmetterling

Segeln am frühen Morgen

Mit der Dämmerung kommt der Wind. Bald rauscht Néfertiti mit 5 – 6 Knoten der aufgehenden Sonne entgegen. Als Imas verschlafenes Gesicht im Niedergang auftaucht, steht die Sonne längst am Himmel. Laesø ist schon lange in Sicht und wir schicken uns an, den Leuchtturm auf der vorgelagerten Untiefe zu runden. Der Seegang hat kräftig zugelegt.
„Guten Morgen, Habibi.“
„Moin. Wenn du willst: Es gibt noch heißen Tee in der Thermoskanne.“ Néfertiti rollt hart in einer Welle und Ima hält sich am Luksüll fest.
„Was ist denn hier wieder los?“ Ich sehe mit einem Blick, dass ihr das keinen Spaß macht.
„Wir machen richtig Fahrt!“ versuche ich die Vorteile der Situation herauszustellen.
„Toll.“ Mit einer Stimme, die die Ironie triefen lässt.
„Willst du lieber nach Laesø, und wir machen morgen den Sprung?“
„Ja!“

Aber Gott straft kleine Sünden lieber sofort. Während Ima sich fertig macht, nehme ich eine Peilung des Leuchtturms und gehe unter Deck, um sie in die Seekarte einzuzeichnen. Wir sind noch nicht an der Untiefe vorbei. Plötzlich ertönt ein lauter Schlag. Die Genua schlägt wild.
„Verdammt!“ Ich stürze an Deck. Néfertiti liegt fast im Wind. Das Groß ist durch den Bullenstander gefesselt und wird von der verkehrten Seite her angeweht. Der Spibaum ist gebrochen. Ein Teil pendelt am Schothorn im Rhythmus der Wellen. Das andere am Mastbeschlag.
„Verdammt! Verdammt!“
„Du sollst nicht fluchen!“ tönt es aus der Kajüte.
„Der Spibaum ist gebrochen!“
„Trotzdem verbreitest du damit eine furchtbare Stimmung!“ Das stimmt wohl und tut mir auch Leid, aber müssen Männer sich nicht manchmal Luft machen? Was ich eher für emotionale Hygiene halte, versteht Ima einfach nicht. Aber mein Ärger ist ohnehin aufgebraucht. Ich berge die gebrochenen Teile des Spibaums, koppele die Windfahnensteuerung aus und gehe wieder auf Kurs.

Segelboot Néfertiti: Segeln in den Sonnenaufgang

Noch ist alles in bester Ordnung

Ohne Ausbaumer steht die Genua in dem konfusen Seegang nicht. Ich rolle sie ein. Nur unter Groß laufen wir immer noch drei Knoten und Osterby ist nicht weit. Später, im Schutz der Untiefe, sollte der Seegang auch nachlassen.
„Wir gehen nach Osterby.“ Ima zückt ihr Handy. Nach einer Weile sagt sie:
„Das wird dir nicht gefallen!“
„Was?“
„210 Kronen.“ Das sind dreißig Euro.
„In Osterby?!“
„Ja.“
„Auch ab 12 Metern?“
„Ja.“ Der Kampf des kleinen Mannes gegen Goliath ist doch schwieriger als gedacht… Good bye Osterby.
„Und jetzt?“
„Dann ankern wir östlich der Insel.“ Im Handbuch steht, dass der Ankerplatz gut geschützt sei gegen West. Das hatte ich gestern Abend noch ausbaldowert. Heute soll es den ganzen Tag aus West wehen und zur Nacht hin abflauen. Was will man mehr?

 

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 11.8.

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3 Comments

  1. Ingo sagt:

    …emotionale Hygiene…
    Haha, den merk ich mir. Das kenne ich und sehe es auch so. Der Dampf ist raus und alles ist gut! Warum sind die anderen bloss immer so beleidigt?!? ;-)

  2. Walter sagt:

    DAS habe ich mich auch schon öfters gefragt :-) ;-)

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