Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Größere Sünden etwas später

Feb• 08•17

Um den Ankerplatz anzulaufen, kann man einer unbetonnten Rinne folgen, die zwischen zwei Untiefen liegt. Zur Not sind beide Untiefen tief genug für uns, aber mit dem neuen elektronischen Spielzeug sollte es ja kein Problem sein die tiefe Durchfahrt zu finden…

Néfertiti ankert am Strand von Laesö

Ankerplatz

Mit Blick auf das Display nähern wir uns der Rinne. Zu meinem Erstaunen stimmen die aktuellen Karten nicht. In der Rinne, laut Kartenplotter tiefer als 5 m, messen wir Tiefen um 3 m und kurz vor dem Ankerplatz, wo der Plotter 3 m angibt ist es 5 m tief…

Um uns bei dem böigen Wind möglichst dicht an das Ufer heranzutasten starte ich den Motor… Versuche ich den Motor zu starten… Der Anlasser muxt sich nicht. Ima fragt:
„Hast du Vollgas?“ Klar steht der Hebel auf Vollgas. (Manche Fehler macht man nur einmal!) Ich sage:
„Der Anlasser gibt keinen Mux von sich. Das muss ein elektrisches Problem sein.“ Die Batterie hat genug Saft. Der Motorhauptschalter ist eingeschaltet. Ima fragt:
„Hast du die Maschine geschmiert?“
„Ja, habe ich. Aber der Fehler muss in der Elektrik liegen. Lass uns erst einmal ankern.“ Wir kreuzen auf das Ufer zu und ankern schließlich vor dem Strand auf 3 m Wassertiefe. Groß auftuchen. Als ich schließlich zurück ins Cockpit komme, sagt Ima:
„Hast du genügend Öl im Motor?“ Herrgott! Und ich soll nicht fluchen…
„Es ist ein E-LEK-TRI-SCHES Problem!!!“
„Ich will ja nur helfen.“ Gott, steh mir bei…
Andererseits: Sie will ja wirklich nur helfen.
„Danke.“

IMA AM STRAND von Laesö

Menschenleerer Strand

Mit dem Multimeter finde ich den Übeltäter in zwei Minuten. Der Motorhauptschalter hakt. Ich mache ihn gängig und sprühe die Kontakte mit Kontaktspray ein. Ima sitzt etwas verschnupft im Cockpit.
„Starte mal, bitte!“ Röhrend springt der Motor an. Da die Maschine schon läuft, dampft Ima den Anker gleich ein.

Trotz der Untiefen läuft eine ganz leichte Dünung um die Huk herum. Zehn Zentimeter hoch, höchstens zwanzig. Kein Vergleich zu den Verhältnissen draußen. Aber, genau von der Seite kommend, reichen die kleinen Wellen aus, um Néfertiti rollen zu lassen. Unangenehm. Wir flüchten mit dem Schlauchboot an den menschenleeren Strand, machen erst ein Picknick und später eine ausgedehnte Strandwanderung.

Blauer Himmel über Laesö

Blauer Himmel über Laesö

Erst am frühen Abend kehren wir zurück an Bord. Ich beuge mich unter den Niedergang, um die Ladeanzeige abzulesen. Ima bemerkt es und fragt:
„Und?“
„Ich soll ja nicht fluchen.“
Obwohl den ganzen Tag die Sonne herunter geknallt hat, und die niegelnagelneue Batterie geladen haben sollte, steht die Ladeanzeige nur auf 12,3. Die neue Batterie ist (und bleibt) das fortwährende Ärgernis dieser Reise: Sie lädt kaum und entlädt sich dafür um so schneller. Zähneknirschend bereite ich die Navigation für morgen vor. Tistlarna soll unsere Ansteuerung für die Schären sein. Der Wetterbericht verspricht schönsten Segelwind. Erst am frühen Abend soll er auf 5 Windstärken zunehmen und in der Nacht wieder abflauen. Ich hole die Fettpresse aus ihrer Tüte, will die Windfahnensteuerung für morgen fetten, die heute so schlecht gesteuert hat. Vielleicht ist sind die Gelenke zu schwergängig? Als ich mich über den Heckkorb beuge, sehe ich, dass das Holzruder fehlt: Unser Pendelruder ist abgebrochen. Es muss mit einem Hindernis kollidiert sein. Deshalb hat Néfertiti geluvt und ist in den Wind gedreht. Deshalb ist der Spibaum gebrochen. Deswegen werden wir morgen ohne Windfahnensteuerung auskommen müssen.

ruhige See am Ankerplatz

Abends schläft der Wind ein

Es ist noch hell, als wir die Kojen ansteuern. Der Schwell ist zwar weniger geworden, aber noch immer rollt Néfertiti leicht von einer Seite auf die andere. Ich schalte das Ankerlicht ein. Ima sagt:
„Brauchst du nicht.“
„Doch.“
„Wenn die Batterie so schwach ist?“
„Ich habe im Buch dem Ankerlicht ein ganzes Kapitel gewidmet, indem ich dafür werbe, dass alle ihr Ankerlicht setzen. Da kann ich doch nicht ohne Ankerlicht ankern!“
Ima kann man nun wirklich keine übertriebene Neigung zu Dogmen vorwerfen:
„Glaubst du im Ernst, es gibt noch einen anderen Verrückten, der hier ankert?!“
„Vielleicht fährt ein Fischer durch!“ Ich lasse es brennen.

Nachts wache ich auf. Néfertiti liegt still wie im Hafen. Ich schäle mich aus den Decken und steige den Niedergang hoch, um den Anker zu kontrollieren. Alles gut. Hundert Meter weiter leuchtet ein zweites Ankerlicht in die Nacht hinaus…

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 11.8.

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12 Comments

  1. René sagt:

    Ja Klaus
    Die Welt ist voller Segel-Verrückten, und das bleibt hoffentlich so.
    Liebe Grüsse vom Zürisee

    • Klaus sagt:

      Ach René,

      schön auch mal hier von Dir zu lesen. Welche Ehre!

      Wenn es nicht so bleiben sollte, wären wir eben die letzten Segelverrückten… ;) Freie Häfen … freie Ankerplätze … :D

      Schön, dass wir neulich endlich mal wieder miteinander geskypt haben…
      Passt gut auf Euch auf!
      Liebe Grüße von der Elbe
      Klaus

  2. Jen sagt:

    Ja, das Ankerlicht, da halte ich es mit dem Altvorderen. Das gute, alte Petroliumlicht, funzt immer und braucht keinen Strom ;-)

    • Klaus sagt:

      Ja das schöne Petroleumlicht… Ich liebe dieses warme Licht… Leider braucht es … ähm Petrolium. Da Ima eine sehr schwere Lungenkrankheit hatte, und ihre Lunge nicht mit den Dämpfen reizen wollte, hat sie mich gebeten, keine Petroleumlampen mehr zu verwenden. Und ich habe ihr schweren Herzens den Gefallen getan…

      Liebe Grüße
      Klaus

      • Jen sagt:

        verstehe, aber das Ankerlicht hängt doch draußen vor dem Mast. Da stört es auch? Ich nehme übrigens kein Petroleum, sondern Lampenöl, das riecht fast nicht.
        LG
        Jens

        • Klaus sagt:

          Nee, wenn sie im Mast hängt nicht, aber wenn sie transportiert wird schon. Selbst die Backskiste hat einen Zugang zur Kajüte… Und einmal aufgefüllt ist das Lampenöl in der Laterne. Es geht Ima nicht um den Geruch sondern die Ausdünstung. Und mir geht es nicht einmal um die Frage, wie schädlich das ist, sondern darum, dass ich es ihr versprochen habe ;)
          Liebe Grüße
          Klaus

  3. Dirk sagt:

    Hi Klaus, wenn das auf dem Foto dein alleiniges Solarequipment ist, brauchst du dich nicht zu wundern, wenn eine grosse Batterie in ein paar Stunden nicht voll geladen wird. Zu alt (sieht nach ner polykristallinen Zelle aus, heute sind monokristalline besser), zu klein und auch noch schlecht platziert. Da müsstest du dich mal mit der Solartechnik auseinandersetzen und wohl oder übel ein paar Euronen investieren, um Erfolg zu haben. Oder du nimmst die Petroleumfunzel;-)…
    Tolle Kapitel wieder, freu mich jedesmal. Danke!
    Liebe Grüsse Dirk

    • Klaus sagt:

      Lieber Dirk,
      danke für den Tipp. Werde ich bestimmt irgendwann nachrüsten (wenn ich das Geld habe. Vorher stehen allerdings noch andere Anschaffungen und Arbeiten an.)

      In diesem speziellen Fall zielt es aber trotzdem zu kurz. Denn die alten Batterien waren sogar etwas größer und das zugegebenermaßen alte Solarpaneel hat sie ohne Schwierigkeiten geladen, und geladen gehalten. Irgendwann auf dem Törn habe ich mir ein gutes teures Ladegerät geleistet. Die Batterie ließ sich selbst mit Landstrom nicht voll laden…

      Liebe Grüße
      Klaus

  4. Rolf sagt:

    Hallo, liebe Ima, lieber Klaus!

    Durch das YACHT- Forum bin ich auf Euch aufmerksam geworden.
    Als langjähriger Ostseesegler, meistens einhand (Vindö 40, Eckernförde), verfolge ich nun mit Interesse Deine Berichte ;-)
    In / bei vielen Beschreibungen, denke ich an selbst erlebte Segelreisen zurück.
    Vielen Dank für’s Miterleben!

    Übrigens; ich lebe auf den Philippinen (seit ü. 4 Jahren), Dauin, Negros-Oriental. So werden Deine / Eure Erlebnisse jetzt auch vom anderen Ende der Welt, unter tropischer Sonne verfolgt!

    Liebe Grüsse,
    Rolf

    – Nobody is perfect –

    • Klaus sagt:

      Hallo Rolf,

      habe Ima eben deinen Kommentar vorgelesen und sie hat spontan gesagt: „Oh wie toll. Wir wollen auch unter die tropische Sonne!“ Damit wäre ja schon einmal ein Ziel abgesteckt… ;)

      Zur Zeit arbeiten wir daran, ein ortsunabhängiges Einkommen zu schaffen, um irgendwann den Bug Richtung Süden wenden zu können. Ist zwar im Moment noch eher ein Traum, aber wer weiß…

      Liebe Grüße :)
      Klaus

  5. Dieter Hahn sagt:

    Hallo Klaus Erinnerst du dich an mich? Ich bin der Kapitän aus dem Seemannsheim am Krayenkamp.Wir hatten eine nette Unterhaltung ganz Maritim.Habe nun deine Seite gefunden,aber nicht deine Email Adresse.Na ja kann sich ja noch ändern .Bin gut wieder in Köln zurück und der triste alltag hat mich wieder.Es wird Zeit,dass der Sommer kommt und man wieder Seeklar machen kann.Würde mich auf eine Antwort von dir freuen.Bis dahin alles Gute und Mast und Schootbruch.
    Ich verabschiede mich freundlich grüßend Dieter Hahn aus Hürth -Köln

    • Klaus sagt:

      Hallo Dieter,
      na klar weiß ich wer du bist ;) Schön, dass du den Weg auf den Blog gefunden hast. Hatte noch nicht die Zeit nach deinem Buch zu schauen. Aber das war ein wirklich interessantes Gespräch, das wir im Laden geführt haben…

      Das Impressum ist in der Sidebar, „Impressum und Datenschutzerklärung“ (wie es rechtskonform heißen muss) ist zu lang um oben im Menü untergebracht zu werden… Die Emailadresse lautet: fahrtenseglersglueck@gmail.com

      Liebe Grüße
      Klaus

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