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Segeln als Digitale Nomaden

Die ersten Schären

Feb• 11•17

Am nächsten Morgen wölbt sich über uns grauer Himmel und es herrscht absolute Flaute. Ich bin früh auf und zögere nicht ankerauf zu gehen. Der Wetterbericht hat sich mal wieder geändert. Schon mittags soll es anfangen, mit 5 Windstärken wehen. In Böen auch mehr.

Lichtstimmung auf hoher See

Zu den Schären

Hand über Hand hieve ich die Kette. Lasche den Anker schließlich an Deck fest. Ima darf weiterschlafen. Wenn es ihr gelingt, heißt das, denn ich muss die Maschine starten. Die neue Batterie steht jetzt auf 11,9. Der Verkäufer hatte gesagt, über 13 sei normal, unter 12 leer. (Später werde ich feststellen, dass der Mann keine Ahnung hatte. Bei dieser Batterie ist 12,7 voll und um sie richtig zu laden, braucht man ein Ladegerät und 230 Volt. Solar und Lichtmaschine seien, so der Hersteller dieser „Marinebatterie“, nicht ausreichend. Ganz ehrlich Exide: In welchem Geisteszustand verkauft man eine Batterie, mit der man nicht autark ist, als Marinebatterie?!) Gut, dass wir noch eine Zweite haben. Mit der habe ich den Motor gestartet, um die neue jetzt per Lichtmaschine zu laden. Noch weiß ich ja nicht, dass das ein zweifelhaftes Unterfangen ist.

Der Diesel tuckert sonor, bringt uns mit 4 Knoten Marschfahrt Richtung Schären. Nach einer Weile kommt etwas Wind auf und ich rolle erst die Genua aus und setzte etwas später noch das Groß dazu. Lasse die Maschine aber weiter mitlaufen. Raumer bis halber Wind. Drei Windstärken. Erst anderthalb Stunden später stoppe ich die Maschine. Eigentlich ideales Gennakerwetter. Aber der düstere Himmel ermutigt nicht gerade. So bleibt der Gennaker im Sack.

 

Segeln, Kattegat, Schwedische Schären,

Gen Tistlarna

Mit drei Knoten segeln wir über eine mäßig bewegte See. Kurs 55°. Auf Tistlarna zu. Ich liebe dieses sanfte Heben und Senken, wenn die Wellen unter Néfertiti hindurch ziehen. Diese Stille. Diesen Frieden. Weit und breit kein anderes Segel. Fehlt nur ein heißer Tee. Ima schläft tief und fest. Ohne die Selbststeueranlage stelle ich die Pinne fest, eile den Niedergang hinunter und setze Wasser auf (ohne Tröte). Kurzer Rundblick, wir sind noch (fast) auf Kurs. Schnell den Ingwer schneiden, die Zitrone, etwas Traubensaft in die Thermoskanne und dann fängt auch schon das Wasser an zu kochen… Jetzt ist Néfertiti doch aus dem Ruder gelaufen. Luvt immer weiter an, schon killt die Genua… Schnell bin ich an Deck, bringe uns wieder auf Kurs und fülle dann das Wasser in die Thermoskanne… Wenig später sitze ich wieder im Cockpit, korrigiere den Kurs abermals und genieße einen Becher heißes Wohlbehagen.

Gegen Mittag werden wir in den Schären sein. Ich kann es kaum fassen. In den Schären! Eines meiner Traumziele, seitdem ich als Jugendlicher zum ersten Mal von den Schären gehört hatte. Jetzt schält sich aus dem Dunst eine unerwartet große Landmasse. Ich hatte mit niedrigen Felsen gerechnet, aber die Schären verschwinden vor der dunklen Silhouette des dahinter liegenden Festlandes. Jedenfalls auf die Entfernung. Das macht die Ansteuerung bei Tage nicht einfacher. Ich zücke das Handy und trage unsere GPS Position unten in die Seekarte ein. Wir stehen dicht neben der Bleistiftlinie, die unseren abgesetzten Kurs markiert.

Klaus an der Pinne

Zu den Schären

Ima verschläft fast die ganze Überfahrt. Als sie schließlich aus der Koje klettert und mich mit einem „Guten Morgen, Cherie.“ aus dem Niedergang heraus angrinst, sage ich:
„Die erste Schäre liegt voraus.“
„Nein!“
„Doch.“ Schnell entert sie den Niedergang auf. Grau unter tiefhängenden nebligen Wolken liegen die Felsen vor uns. Unwirtlich und doch mit einem ganz eigenen Zauber. Tistlarna. Wir sind im Reich Thors und Odins angekommen. Fühle mich in die Zeit der Wikinger versetzt. Kann mir vorstellen, dass diese raue Landschaft nach gewalttätigen Göttern rief, die Stärke verheißen. Ima ist ganz aus dem Häuschen:
„Ist das schön hier!“ Dabei fängt es gerade an zu nieseln.

Auf der Überfahrt hatte ich unseren Kurs zweimal mittels GPS überprüft und beim zweiten Mal auch etwas angepasst. Aber ich fühle bereits den Sog der metergenauen Position: Es gibt hier felsige Untiefen und ich will keinesfalls auflaufen. Schon ist das Handy wieder an. Wir passieren die Untiefen sicher. Hätten das GPS eigentlich nicht gebraucht. Aber ich habe Horrorstories über die schwierige Schärennavigation gehört und denen zahle ich jetzt Tribut. Tistlarna liegt im Kielwasser, als die erste Bö einfällt. Plötzlich ist alles gleichzeitig gefragt. Segeln. Wo verläuft das Fahrwasser? Ich zähle die Schären auf der (Papier-)Seekarte, die in einer Klarsichthülle unter der Cockpitgräting bereit liegt. Versuche sie mit der Wirklichkeit über eins zu bringen. Aber bin nicht ganz sicher. Könnte man diese Schäre von unserer Position aus wirklich sehen? Soll ich den Felsen da vorne als einzelne Schäre zählen? Oder gehören diese Felsen zusammen? Nur mal zur Sicherheit schaue ich auf das GPS. Überhaupt: Sollten wir jetzt nicht besser reffen? Da lässt die Bö auch schon wieder nach. Eine Meile weiter fängt es richtig an zu blasen.

Schiffsbegegnung beim Segeln auf hoher See

Schiffsbegegnungen

Ich habe zwei mögliche Ankerplätze ausgeguckt. Auf der Ostseite Vrängös liegt eine kleine geschützte Bucht. Es gibt sogar eine grüne Tonne, die eine Untiefe in der Bucht markiert. Oder zwischen den drei Inseln von Fjordholmen. Inzwischen hat der Wind richtig zugelegt. Néfertiti prescht mit über fünf Knoten auf das Felsenkap vor uns zu. Ich drehe bei und berge das Groß gleich ganz. Wir segeln nur unter der gerefften Genua weiter. (Solange ich mich noch nicht aklimatisiert habe, bin ich in dem unbekannten Revier lieber etwas langsamer unterwegs. Zumal das längst mehr als 5 Windstärken sind.)

Als wir den Leuchtturm passieren, sehe ich gerade eine Fähre aus der betonnten Bucht auslaufen. Aus anderer Richtung kommt schon die nächste Fähre. (Kleiner Tipp: Wenn jenseits der Durchgangsfahrwasser Tonnen ausliegen, deutet das hier immer auf Berufsverkehr.) Damit fällt die erste Ankerbucht weg. Wenig später steht Néfertiti vor Fjordholmen. Wir rollen die Genua ein und starten die Maschine. Laufen langsam in das geschützte Wasser zwischen den Felsen. Obwohl der Wind wild im Rigg pfeift, kräuselt kaum eine Welle die Wasseroberfläche. Ich fahre den Schwoikreis ab. Überall tief genug. Dann fällt der Anker auf 3,5 m Wassertiefe. Die Maschine geht langsam rückwärts. Hand auf die Kette. Kein Ruckeln und kein Zuckeln.
„Motor aus!“ Ima stellt die Maschine aus. Plötzlich ist nur noch der Wind zu hören und das Anbranden der Wellen auf der luvseitigen Seite unseres kleinen Felsenparadieses.

Wir sind in den Schären angekommen.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 12.8.

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8 Comments

  1. Christian sagt:

    Vorsicht, die Spannung alleine reicht nicht aus um den ladestand einer bleibatterie zu beurteilen. Du machst den gleichen Fehler den sehr viele machen…

    Eine fast leere oder defekte Batterie kann ohne Verbraucher eine noch „gut“ wirkende Spannung haben (leerlaufspannung). Sobald du dann einen Verbraucher anschließt der Strom zieht geht die Spannung in den Keller…

    Eine defekte Batterie lässt sich gegebenenfalls schnell „voll“ laden (ladestand wird sehr klein, ladeendspannung erreicht). In Wirklichkeit hat die Batterie aber einfach keine Kapazität mehr. Auch hier wird passieren was ich oben geschildert habe.

    Eine bessere Bewertung ist die Spannung unter Belastung. Wenn du die Batterie mit einigen Ampere entladestrom belastest und die Spannung stabil bleibt ist das ein Indikator für eine gut geladene Batterie.

    Die einzige echte verlässliche Aussage über den ladestand ergibt sich aus der Bilanzierung der geladenen und entladenen Amperestunden (zb mit einem batteriemonitor).

    Leider geistert in der technisch nur wenig gebildeten Gesellschaft immer noch der Irrglaube das die reine Betrachtung der Spannung ausreichend wäre…

  2. Christian sagt:

    Im dritten Absatz muss es heißen „ladestrom wird sehr klein“.

  3. Julian Buss sagt:

    In Fjordholmen hatten wir auch als erste Übernachtungsschäre bei unserem ersten Törn in die Schären – fanden wir super :)

    Batterien lassen sich übrigens allgemein mit einer normalen Lichtmaschine nicht richtig voll laden, das betrifft nicht nur deine Batterie (was für eine ist das eigentlich…?). LiMas sind sehr primitive Geräte, die nach einen sehr einfachen Prinzip laden im Gegensatz zu einem modernen IOUU Ladegerät.

    Und ob Solarzellen eine Batterie gut laden können hängt maßgeblich von deren Laderegler ab – auch da gibt es eine Menge Unterschiede.

    Das Thema ist also wie so oft kompliziert und das Problem liegt nicht nur an der Batterie :)

    Zur Batterie noch: Es ist tatsächlich wichtig, ob es eine „einfache“ Nassbatterie, AGM oder Gel ist – alle haben unterschiedliche Ladeparameter, die zu der Infrastruktur an Bord passen müssen. Das hätte dir der Verkäufer sagen müssen, wenn er denn Ahnung gehabt hätte :)

    • Klaus sagt:

      Hi Julian,
      vielleicht bist du mit den Ladeparametern auf der richtigen Spur. Ich werde mir das nachstes mal an Bord genauer ansehen… Vielleicht können wir das Thema ja bei unserem nächsten treffen noch einmal vertiefen…
      Liebe Grüße
      Klaus

  4. Klaus sagt:

    Marinebatterie: Ich fürchte, es gibt keinen Hersteller, der sich heutzutage vorstellen kann oder mag, dass es Segler gibt, die ohne Landstrom unterwegs sind. Entsprechend dürfte die Auslegung der Batterie sein: man kann auch mal ein oder zwei Tage ohne 230 V sein…

    • Klaus sagt:

      Hi Klaus,

      Christian und Julian haben ja schon ein paar Gründe angesprochen, woran es liegen könnte. Was mich umtreibt ist halt, dass ich eine Lösung hatte mit der ich gut zurecht kam und plötzlich ununterbrochen mit der Tiefentladung bedroht fühle…
      Liebe Grüße
      Klaus

  5. Christian sagt:

    Das ganze ist am ende aber auch keine Magie.

    Ich habe auf ähnlichen langfahrten wie du nur eine 50Ah gel-Batterie an Bord und lade die mit aussenborder und einer Solarzelle. Im Hafen mit einfachem Ladegerät. Seit Jahren keine Probleme.

    Meine 3 „Regeln“ zur bordelektrik sehen so aus:

    – NIE tiefentladen!! Nie.
    – Immer wenn ich laden kann wird geladen.
    – Einen scharfen Blick darauf haben was gerade an Verbrauchern läuft und welche Leistung die haben.

    Bitte nicht falsch verstehen, aber so wie du die Batterie nutzt gehe ich davon aus das du die Batterie auch schon mal tiefentlädtst (ankerlicht vermutlich mit Glühbirne von bestimmt 20 watt über Nacht obwohl du weißt das die Batterie schwach ist). Das ist der Tod für die Kapazität.

    Bei den lademöglichkeiten ist vor allem die korrekte ladeendspannung wichtig. Sonst ist die Batterie auch schnell kaputt.

    Schon kleine Beschattungen von Solarzellen lassen deren Leistung dramatisch einbrechen.

    Nutzt du normale starterbatterien als verbrauchsbatterien? Starterbatterien vertragen keine langsame zyklische Entladung und quittieren die falsche Nutzung mit schnellem Kapazitätsverlust. Hier müssen Verbraucherbatterien verwendet werden!

    Soweit meine Gedanken zum Thema…

  6. Klaus sagt:

    Lieber Christian,
    vielen Dank für die Mühe, die du dir gemacht hast, um mir mit der Batterie auf die Sprünge zu helfen. Ich hatte zwei 100Ah Batterien. Jetzte habe ich eine 90 Ah. Ich habe intuitiv genau deine Regeln befolgt. Eine Tiefentladung habe ich vermieden, aber ständig musste ich auf die Spannung schauen, Wenn ich laden konnte habe ich geladen, okay, das Ladegerät habe ich erst später gekauft, allerdings sind wir auch nur selten in Häfen gewesen… Und natürlich habe ich ständig die Spannung im Auge gehabt.
    Du hast auch recht mit dem alten Solarpaneel. Auf der anderen Seite habe ich nur einen elektrischen Kompass, Lot, Logge und die Lichter als Verbraucher. Als ich das Boot kaufte waren die Batterien sieben Jahre alt und haben noch drei Jahre gehalten. In der Zeit hat das alte Solarpaneel vollkommen ausgereicht! Ach ja und gelegendlich lade ich Handy oder Netbook über USB.
    Was mir auffällt ist halt der immense Unterschied zwischen den alten Batterien und den Neuen… Nochmal danke für deine Mühe ;)
    Liebe Grüße
    Klaus

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