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Wie man seine Frau (zum Segeln) verführt

Manöverkritik

Feb• 20•17

Irgendetwas ist da letzte Nacht gewaltig schief gelaufen. Genau genommen läuft beim Segeln ja immer mal etwas schief. Ihr wisst das selbst. Wir halten mit etwas Abstand gerne Manöverkritik ab, um herauszufinden, was genau passiert ist, wie jeder sich in der Situation fühlte, was man das nächste Mal besser machen könnte, was gut gelaufen ist … Letzte Nacht hat der Skipper einige Fehler gemacht. Falls Dir noch etwas auffällt, was uns entgangen ist, würde ich mich über einen Hinweis freuen. Hier die Ergebnisse unserer Manöverkritik:

Manöverkritik 1:

Die Karte war zu ungenau. Ein paar Tage später haben wir in Göteborg den letzten im Laden vorrätigen Schärenführer gekauft, das Bladderexemplar, der für die meisten Örtlichkeiten neben der schwedischen auch eine kurze englischsprachige Zusammenfassung enthält. (Hamnguiden 5) Mit Hilfe von Fotos und detaillierte Zeichnungen, auf denen jeder Schärenhaken eingezeichnet ist, werden die wichtigsten Schären vorgestellt. Auch Fjordholmen. Dort sind zwei Unterwasserfelsen eingezeichnet, die zwischen unserem Ankerplatz und der Stelle im Westen der Felsinsel lagen, zu der ich Néfertiti ziehen wollte. Tatsächlich habe ich Néfertiti auf diese Felsen gezogen…
Wenn ich umsichtiger zu Werke gegangen wäre, hätten wir mit der „ersten Schäre“ gewartet, bis ein solcher Führer an Bord gewesen wäre!

Manöverkritik 2:

Ich wusste irgendwie, dass die Schweden meist direkt an den Felsen festmachen. Ohne weiter darüber nachzudenken, hatte ich angenommen, dass das Bequemlichkeitsgründen beim Landgang geschuldet sei. Inzwischen weiß ich, dass der Ankergrund in den Schären oft verkrautet ist. In jenem Führer wird ausdrücklich auf guten Ankergrund hingewiesen, wenn es denn solchen gibt. Die Schären mit gutem Ankergrund sind eindeutig in der Minderzahl. Sprich: Die Einheimischen wissen genau, warum sie an den Felsen direkt festmachen und Bequemlichkeit ist nicht der Grund! Bei etwas mehr Wind machen sie übrigens immer in Windrichtung fest. Auch wenn das bedeutet, zu verholen. Oder, dass sie mal gut abgefendert mit zwei fremden Booten zusammen an einem Haken hängen!

Manöverkritik 3:

Wetterberichte sind nicht akkurat! Unerwartete Winddrehungen können einen geschützten Ankerplatz schnell in eine Mausefalle verwandeln… Also immer ein Auge auf die Wetterentwicklung vor Ort haben! Vor allem: Gegebenenfalls reagieren!

Als der Anker schlierte, war längst klar, dass das Wetter schlechter war als angesagt. Es war noch hell. Wir hätten ankerauf gehen und nach Dönsö segeln können. Man sollte immer bereit sein, bei veränderten Verhältnissen, auch getroffene Entscheidungen noch einmal grundlegend zu überdenken und gegebenenfalls zu revidieren.

Manöverkritik 4:

Man sollte immer alle Navigationsmöglichkeiten einbeziehen. Für mich ist das schwer mit dem GPS, aber GPSler übersehen (in anderen Fällen) zum Beispiel gerne die Möglichkeiten, die ein Echolot bietet…
Als der Wind drehte, hätten wir dank GPS, auch im Dunkeln auslaufen können. Ich war diesbezüglich wegen meiner mangelnden Revierkenntnis und Gewöhnung an herkömmliche Navigation nicht einmal auf die Idee gekommen auszulaufen. War zu engstirnig. Natürlich hasse ich es, mich auf die Technik verlassen zu müssen, aber bei Tage haben wir es dann ja auch getan…

Manöverkritik 5:

Die Einheimischen wechseln den Liegeplatz bei einer Schäre, wenn ein starker Wind dreht. Von daher war die Idee, Néfertiti zu verholen, im Ansatz richtig. Allerdings fahren die Einheimischen einfach ein neues Manöver. Selbst mit Motorunterstützung durch Ima (Wenn es die Steine im Weg nicht gegeben hätte) hätte ich mir viel Schweiß und Zeit (!) ersparen können!

Manöverkritik 6:

Ich habe Imas Rufen nicht ernst genommen. Das hat natürlich eine Vorgeschichte in unserer Beziehung. Immer mal wieder verlangte Ima Aufmerksamkeit in schwierigen Situationen, in denen ich eigentlich mit anderem beschäftigt war. Das kann dann zu so etwas führen. Aber was wäre gewesen, wenn Néfertiti leck geschlagen wäre und Wasser gemacht hätte…?

Wenn man sich nicht akustisch verständigen kann, sollte man Zeichen verabreden, damit eine rudimentäre Kommunikation von Bord zu Land gewährleistet ist. (Am besten lange vorher. Zu Törnbeginn!) Ich hielt Imas Rufen für … ähm … sorry: Zickenalarm. Dabei setzte das Boot auf den Felsen auf! Ima kannte nicht das Zeichen, beide Arme schräg nach oben auszustrecken wie ein Ypsilon für: Yes, ich brauche Hilfe. Oder als es dunkel war, den Morsekode für SOS…

Manöverkritik 7:

Erst später fiel uns auf, dass sie doch ein Zeichen kannte: Das langsame, seitliche Heben und Senken der ausgestreckten Arme! Zumindest hat sie es einmal gemacht. Vor Jahren auf unserem ersten Törn. Aber im Stress hat sie sich nicht mehr daran erinnert. Damit kommen wir zu einer weiteren Lehre: Stress und Aufregung verlangsamen das Denken! Bei jedem! Man kann dem nur begegnen, indem man solche und andere Notsituationen vorab immer wieder durchspielt. Zumindest gedanklich. Und nicht der Skipper allein, sondern jedes Mitglied der Crew! In die Rubrik Denken unter Stress fällt übrigens auch das Abdrehen über Steuerbord. Und auch der Skipper hätte statt „Andersrum“ „Nach Backbord“ rufen sollen, wenn er denn noch richtig denken hätte können…

Manöverkritik 8:

Alle Brillenträger unter den Seglern sollten noch einmal über Kontaktlinsen bei regnerischem Wetter nachdenken.

Manöverkritik 9:

Die Ruderdollen unseres Dinghis sind mangelhaft konstruiert. Sie taugen kaum für Badeboote, sind aber für Yachttender überhaupt nicht zu gebrauchen! Dabei hielt ich Zodiac immer für eine renommierte Firma. (Sobald der Geldbeutel es erlaubt: Ein neues Beiboot! Oder ein Außenborder, aber das widerstrebt mir aus anderen Gründen…)

Manöverkritik 10:

Ima hat es vor der Fahrt nicht geglaubt. Wir haben um jede Leine gefeilscht, aber man kann beim Segeln nicht zu viele Leinen an Bord haben! Nur schlechte. Die sollten allerdings tatsächlich ausgetauscht werden!

Manöverkritik 11:

Man glaubt es kaum, aber man kann beim Segeln in unseren Breiten auch im Hochsommer unterkühlen! Plötzlich fallen die leichtesten Arbeiten schwer und man kann sich auch nicht mehr auf seine geistige Leistungsfähigkeit verlassen!

Manöverkritik 12:

Wenn das Ölzeug in Seewasser getränkt wurde, sollte man es nicht zum Trocknen aufhängen! (Das gilt auch für sonstige Klamotten.) Es muss erst gründlich mit Süßwasser gespült werden, sonst bleibt das Salz zurück und zieht Feuchtigkeit an. Vor allem die Innenseite! Bis ich realisierte, woher das kam, fühlte sich mein Ölzeug nach kurzem Tragen immer klamm an. Ich dachte schon, dass Ölzeug sei kaputt, wenn der schwächste Nieselregen mir ein Gefühl von Feuchtigkeit „verursachte“. Also erst mit Süßwasser spülen!

Manöverkritik 13:

Bei so kleiner Crew sollten alle an Bord alles zumindest grundlegend beherrschen. Auch wenn persönliche Interessen woanders liegen. Ima mag keine Karten und überlässt Navigation gerne mir. Aber zumindest die navigatorischen Grundkenntnisse und Fahren nach Kartenplotter (in unserem Falle Handy) sollte sie sicher beherrschen…

Manöverkritik 14:

Wenn man in ein unbekanntes Revier segelt, das sogar dafür bekannt ist sehr speziell zu sein, sollte man sich möglicherweise vorsichtiger akklimatisieren. Ein Freund fragte mich hinterher, warum wir nicht als erstes einen Hafen angelaufen haben, um dort Informationen bei den Einheimischen aus erster Hand zu sammeln? Auf die Idee bin ich überhaupt nicht gekommen. (Auch in der ersten Manöverkritik nicht) Es gibt viele Möglichkeiten sich mit den Gesetzen und Gegebenheiten eines fremden Reviers vertraut zu machen. Hinweise zu manchen Dingen, die hier jedes Kind weiß, habe ich in dem riesigen Buchstabensalat, den ich in meinem Leben schon zum Segeln in den Schären gelesen habe, nicht gefunden. (Z.B. die Hintergründe für das Festmachen an den Schärenhaken) Ich wähnte mich also bestens vorbereitet, aber manche Dinge stehen dann doch nicht in Büchern…

Manöverkritik 15:

Gefühle. Als ich im überfluteten Dinghi saß, war Ima davon überzeugt, dass ich sterben würde. Schlimmer, dass sie mich quasi umbringt, wenn sie weiterfährt. Dass die Situation für mich wirklich nur halb so wild war, fühlte sie nicht. Trotzdem hat sie meinem Urteil vertraut und getan, was getan werden musste. Hat widerspruchslos meine Befehle befolgt. Man kann nur erahnen, wie schwer ihr das gefallen sein muss. Gerade ihr, die nie etwas gegen ihre Innere Überzeugung macht. Damit hat sie sich als echte Gefährtin erwiesen, mit der man durch dick und dünn segeln kann. Ich bin aus tiefstem Herzen stolz auf sie.

Manöverkritik 16:

Als ich im halb gesunkenen Schlauchboot saß und Ima steuerte, hätte keiner von uns die Situation alleine meistern können. Wir haben es nur als Team geschafft. Das hat uns (nicht nur) für die weitere Fahrt noch einmal ganz neu zusammengeschweißt. Selbst jetzt, über ein halbes Jahr später, denken wir immer mal wieder an diese dramatischen Momente. Im Sinne von: Wenn wir das geschafft haben, schaffen wir auch alles andere…

Manöverkritik 17:

Manöverkritik ist super! Wir waren selbst erstaunt, wie viele nützliche Lehren wir aus diesem Ereignis ziehen konnten. Ich kann euch Manöverkritik nur wärmstens ans Herz legen, wann immer irgendetwas schief geht. (Oder perfekt klappt!) Dabei scheint es mir extrem wichtig zu sein, dass man weder nach „Schuld“ sucht, noch Schuldzuweisungen macht, sondern schlicht und sachlich nach Fakten Ausschau hält.
Ganz im Sinne der BSU! ;)

Haben wir etwas übersehen? Gibt es Anmerkungen oder Ergänzungen? Fragen? Ich würde mich über Dein Feedback freuen!

 

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26 Comments

  1. Jens sagt:

    Donnerwetter, eine unfassende Manöverkritik. Mir lag vieles im Mund, als ich euer Abenteuer gelesen habe. Aber du hast alles sehr gut aufgearbeitet. Mit jemand segeln zu gehen, der nur rudimentere Kenntnisse der Seefahrt hat, kann gutgehen, muß aber nicht. In diesem Falle würde ich mich wie ein Einhandsegler verhalten. Damit fallen viele Situationen,die zwingend 2 Mann brauchen,weg. Als ich meine Navigatorin an Bord nahm, machte sie als erstes den SBF See und den SKS,freiwillig natürlich. Nun können wir als Team auftreten,weil wir beide wissen,was zu tun ist. Und trotzdem läuft hin und wieder was aus dem Ruder. Den Fehler muß ich leider fast immer bei mir suchen,denn ich habe die Verantwortung für das Schiff und für uns. Aber ihr Können erleichtert vieles, insbesondere bei der Navigation.
    Dann noch der Spruch meines Segellehrers: „ihr wollt ankern? Kein Problem,dann richtet mal eine Ankerwache ein.“ Aufzuwachen und sein Schiff in einer brenzligen Situation vorzufinden reicht mir, um unter diesen Umständen drauf zu verichtn. Im Hafen schläft es sich irgendwie besser. Meine Ansicht zu den Dingen, die man nicht teilen muß.
    Bin gespannt,wie es weitergeht, mit euerem Törn. Laß dir nicht zu lange Zeit mit der Fortsetzung
    LG
    Jens

    • Klaus Klaus sagt:

      Hallo Jens,
      Danke, gute Punkte. Ima wird im Frühjahr eine Segelschule besuchen. Jedenfalls hat sie sich das nach dem Törn fest vorgenommen.

      Der Spruch deines Segellehrers klingt in der Theorie super. Ist aber auf kleinen Booten mit kleiner Crew praxisfern. Solange der Wind aus Süd wehte, lagen wir wie im Hafen. Mit Bugleine und Heckanker, wie in hunderten von Mittelmeerhäfen tagtäglich praktiziert. In dieser Nacht, hat uns erst mein Aktionismus auf die Felsen gebracht! Sozusagen die verschlafene Ankerwache! ;)

      Die Crux ist natürlich im Vorhinein zu wissen, wann eine Ankerwache nötig ist. Und gute Bedingungen ändern sich auch manchmal unerwartet, wie wir ja gerade schmerzhaft feststellen mussten… Insofern kann ich weder Dir noch Deinem Segellehrer widersprechen. Natürlich wäre es immer sicherer Ankerwachen zu gehen, aber… Man dreht sich im Kreise. Am Ende muss jeder für sich selbst abwägen, welche Risiken er in Kauf nehmen möchte und welche nicht. Ist aber auf alle Fälle noch einmal ein guter Aspekt für die Manöverkritik. Auf alle Fälle fühlte ich mich zu sicher. Vertraute zu sehr auf die Vorhersge, obwohl sie zu dem Zeitpunkt ja schon nicht mehr stimmte…

      Liebe Grüße
      Klaus

  2. Carsten sagt:

    Hallo Klaus,
    super Analyse des Geschehens. Gerade die Unterkühlung wird im Sommer häufig unterschätzt. Jetzt weißt Du warum wir bei uns auf dem Kat auch im Sommer in arktistauglicher Kleidung unterwegs sind. Zum einen braucht man Stunden um wieder warm zu werden und wie Du ja selber auch gemerkt hast wird man immer mehr handlungsunfähiger. Als Profiretter weiß ich wovon ich spreche.

    • Klaus Klaus sagt:

      Hallo Carsten,

      Ja, das war die größte Überraschung für mich. Die Ansteuerung nach Donsö ist navigatorisch wirklich nicht schwer. Trotzdem hatte ich das Gefühl Seekarte und Realität nicht gewohnt flüssig miteinander in Beziehung setzen zu können. Mein räumliches Vorstellungsvermögen war beeinträchtigt. So dass ich wirklich froh über den elektronischen Helfer war. Erschreckend wie schnell das gehen kann!

      Liebe Grüße :)
      Klaus

  3. Jörg sagt:

    Zur Ankerwache:
    Was hältst Du von Ankerwarnern, die mit dem GPS verbunden sind. Ich probiere gerade einige Apps aus, um zu schauen, wie zuverlässig sie sind. Wäre, wenn sie funktioniert, vielleicht eine Alternative zur echten Ankerwache, die bei kleiner Crew schwierig ist.

    • Klaus Klaus sagt:

      Hallo Jörg,

      grundsätzlich halte ich das für eine gute Idee. Ich habe verschiedene Ankeralarm Apps auf dem Handy ausprobiert. Alles kostenlose Versionen. Es gibt in der Praxis zwei Probleme. (Die sich beide lösen lassen)
      1. Die meisten ausprobierten Apps lieferten unzählige Fehlalarme, weil das GPS Signal z.B meines Handys 3m Genau sein kann, aber keinesfalls immer ist. Man stellt also einen Schwoikreis von 30 m ein und wird viertelstündlich geweckt, weil es wieder einen Ausreißer gab. Nicht weil das Boot vertrieben ist… Oder man gibt einen größeren Schwoikreis ein z.B. 200m und hat seine Ruhe, aber wenn soviel Platz um einen ist, dass man eine 200m Radius eingeben kann, braucht man da die App? Eine App habe ich gefunden, die erst nach fünf Messungen außerhalb des Radius Alarm gibt. Man kann die Frequenz der Messungen übrigens anpassen von Sekunden zu Stunden. Im Sekundenmodus würde es dann nur 5 sekunden dauern bis die fünf Messungen vorlägen um den Alarm auszulösen. Im Stundenmodus 5 Stunden…

      2. Damit kommen wir zum zweiten Problem: Strom. Je genauer, sprich je öfter Messungen genommen werden, desto mehr Strom wird verbraucht. Verwundert wohl niemanden. Wir haben uns mit einer Powerbank geholfen.

      In der Praxis habe ich die App jedoch nur selten benutzt. Bislang bin ich immer aufgewacht, wenn etwas nicht stimmte. Man darf das in unserer technikgläubigen Welt ja kaum laut sagen, aber man entwickelt einen sechsten Sinn. Wenn die Tide kentert, der Wind zulegt, oder Schwell entsteht: immer wird man wach und kann die Situation neu bewerten…

      Hauptsächlich habe ich sie benutzt, wenn der Ankergrund schlecht war. Besser wäre es sicherlich einen geeigneteren Ankerplatz aufzusuchen. Z.B. auf dem Rückweg bin ich einhand in einer Flaute stecken geblieben und war Abends so müde, dass ich das Risiko auf mich nahm, auf verkrautetem Grund mit Ankeralarm zu ankern. War allerdings viel Platz zum Schwoien und für die Nacht waren nur 1-2 Bft angesagt…

      Vielleicht gibt es ja hier noch ein paar andere, die mehr Erfahrungen mit Ankeralarmen haben. Und ihre Erfahrungen hier kundtun wollen?

      Liebe Grüße
      Klaus

      • Volker sagt:

        Hallo Klaus,

        die Erfahrung mit Fehlalarmen bei den Ankeralarm-Aps habe ich auch gemacht.
        Letztes Jahr waren wir im Ostfriesische Wattenmeer (Danke für deine Geschichten über das Watt und die Inseln). Dazu wollte ich eine elektronische Seekarte zu den Papier-Seekarten benutzen und habe mich für Transas Isailor entschieden, weil die Karten im Gegensatz zu Navionics auch die Höhen im Watt angeben. Die App ist kostenlos nur die Karten muss man über Wlan kaufen.
        Die App hat u.a. auch einen Ankeralarm und der funktioniert ohne Fehlalarme und zeichnet auch noch die Position auf. Du kannst also am Halbmond deines Schwoikreises gut sehen ob alles in Ordnung ist. Der Ankeralarm müsste auch ohne gekaufte Karte funktionieren.
        Falls du doch eine Karte für dein Fahrtgebiet benötigst, kannst du über ein stabiles Internet die Karten downloaden und mit Google oder Apple Konto zahlen. D/DK oder ganz SWE kosten je um die 50€.
        Ich habe die App auf einem mittelmäßigen Tablet laufen, welches ich in einer Kinder-Gummi-Schutzhülle an der Niedergangstür festgeklemmt habe. So kann ich das Tab nach innen oder nach außen richten. Nachts reicht dann ein Auge um zu erkennen das der Schwoikreis noch in Ordnung ist. Die Stromversorgung geht über ein 2m langes USB Kabel in eine USB Ladebuchse in der Naviecke. Es würde auch ein Ladeadapter für die Zigarettenanzünder gehen. So kann der Ankeralarm problemlos durchlaufen.

        Liebe Grüße
        Volker

        (SY Tasso)

        • Klaus Klaus sagt:

          Mensch Volker, schön von Dir zu hören. Bist du noch in der Haseldorfer Binnenelbe?
          Danke für deine Tipps. Muss eh an der Elektrik arbeiten… dann sollte ich auch endlich mal den USB Anschluss einbauen… ;)

          Liebe Grüße
          Klaus

      • Walter sagt:

        moim Klaus,
        „…Erfahrungen mit Ankeralarmen haben. Und ihre Erfahrungen hier kundtun wollen?“

        Ich bin seit 1997 mit einem GPS-Gerät unterwegs –
        damals noch mit einem GPS-38 von Garmin und der Ungenauigkeit von gut 100m – aber nicht auf dem Boot sondern im Wohnmobil.

        2002 probierte ich es dann auch mal auf einem Schiff aus und ärgerte mich schön des öfteren über die Fehlalarme.
        Aber kein Wunder, die (gewollte) Ungenauigkeit war der Grund des Übels.

        Die letzten Jahre hatten wir den Ankeralarm fast immer mitlaufen (Garmin GPSMap 76CSx und nun ein
        GPSMap 62st).
        An meinem 62st hängt eine Powerbank mit 20.000Ah.
        Der 62st wurde notwendig, weil ich den 76CSx bei einer MountainbikeTour verloren hatte :-(

        Da wir aber auch meist 6 bis 8 Personen on Bord sind, wurde die Ankerwache schön brav eingeteilt… was sich einmal bei der Insel Palagruzza/Kroatien als sehr gut erwiesen hatte :-(
        Das Wetter schlug nämlich um 3 Std früher um als vorausgesagt…

        conclusio:
        ich würde den Ankeralarm (ohne Ankerwache) nur dann einschalten wenn ich wie in einem Ententeich liege :-)
        Vielleicht bin ich ZU vorsichtig, aber ich habe schon „einiges“ bzgl Ankern gesehen/erlebt.

        • Klaus Klaus sagt:

          An die kleinen Garmins habe ich auch schon gedacht… Das Handy braucht man ja gelegentlich auch noch für andere Dinge…

          Ich gehe gerade im Geiste die Weltumseglerliteratur durch… Alle ankern. Aber wer von denen geht außer bei widrigen Verhältnissen Ankerwachen? Wie gesagt. Das muss jeder für sich selbst klar kriegen…

          Liebe Grüße
          Klaus

          • Walter sagt:

            yep, die Garmins reichen vollkommen – es sollte aber ein USB-Anschluß vorhanden sein:
            1. um die Tracks zusichern
            2. um ein Accupack anhängen zu können

            „Ich gehe gerade im Geiste die Weltumseglerliteratur durch… Alle ankern.“

            ich denke, daß beim Großteil der Blauwassersegler das Budget nicht sooo rosig ist und man dort sicher am meisten einsparen kann.

            „Aber wer von denen geht außer bei widrigen Verhältnissen Ankerwachen?“

            wenn du nur zu zweit bist, dann wirds sicher eng, aber ich denke auch, daß man als Langzeitsegler schon so eine Art 6.Sinn entwickelt (oder schon hat).

            … ich würde ebenfalls ankern so oft es geht.

            nur: wir sind meist mind.6 Personen, da wirds mit dem Zeitplan nicht so eng.

            3x darfs du raten wer meistens die Hundswache übernimmt … ok, ich bin ein Nachtvogel, also kein Problem :-)

            gute Fahrt, gute Wache
            lG Walter

          • Klaus Klaus sagt:

            Wer könnte die Hundewache gehen … ähm… ähm … ähm … Du! ;)

  4. Christian sagt:

    Herzlichen Dank für diese ausführliche Analyse! Eine Frage beschäftigt mich, weil wir mit unserem StahlMotorkreuzer auch die Schären als Fahrtziel haben. Welche Funktion hat der obligatorische Heckanker, wenn ich am Bug direkt am Fels festmache und der Ankergrund schlecht ist. Nur leicht stailisierend bezüglich seitlichen schwoijens des Hecks? Danke und lg, Christian

    • Klaus Klaus sagt:

      Bei viel Wind: Ja! Wir haben uns mit einheimischen Seglern angefreundet, die dort seit 30 Jahren segeln. Bei angesagten 6-7 Windstärken samt Winddrehung, haben diese erfahrenen Schärensegler es vorgezogen im nächsten Hafen Schutz zu suchen…

      Bei wenig Wind hält der Heckanker auch den Bug von den Felsen auf Abstand. Deshalb wird er auch recht steif durchgesetzt. Man sollte den Anker grundsätzlich, aber besonders bei fragwürdigem Grund, weit genug vom Liegeplatz entfernt ins Wasser geben!
      Nicht immer bieten die räumlichen Gegebenheiten dafür genug Platz, aber die Regeln fürs Ankern lassen sich eins zu eins auf den Heckanker übertragen! (Mindestens dreifache Wassertiefe und so) Man sollte ihn auf dem letzten Stück zu den Felsen auch etwas eindampfen, indem man beim Ausgeben der Leine leicht gegen hält. Gefühlvoll.

      Übrigens sind nicht alle Felsen, an denen Du anlegen möchtest, hoch. Überlege Dir etwas, wie Du gut vom Vorschiff auf einen Felsen runtersteigen kannst, der nur knapp über die Wasseroberfläche rausschaut. Viele Schweden haben sich am Bug feste Leitern installiert…

      Liebe Grüße :)
      Klaus

  5. Klaus sagt:

    Ima will zur Segelschule, ausgezeichnete Idee! So wird sie eine urteilsfähige Partnerin und ein Korrektur. Ihr könnt Entscheidungen zukünftig gemeinsam treffen. Glaub mir,das ist eine Entlastung. Ich brauche mich um die Navigation unterwegs nicht zu kümmern, das macht meine Frau sehr zuverlässig.

    • Klaus sagt:

      Sollte natürlich Korrektiv heißen, nicht Korrektur. Sch…. T9

      • Klaus Klaus sagt:

        Vielleicht tröstet es Dich: Mir passiert so etwas ständig. Die Autokorrektur nicht nur auf dem Handy schafft immer wieder die schönsten Blüten…
        ;)

    • Walter sagt:

      @Ima und Segelschule

      yeeeeeesssss – suppi = UNBEZAHLBAR!
      Gratuliere zu ihrer Entscheidung!

      Ich bin selten (bis fast nie) Skipper, aber die Navigation
      ist mein Hobby … ansonsten genieße ich das Segeln in vollen Zügen :-)

      • Klaus Klaus sagt:

        Ja. Ist auch gut es noch einmal von jemandem anderen zu lernen… Als Paar funken immer wieder die Beziehungsautomatismen dazwischen… :)

        • Jens sagt:

          Extrem guter Plan! wie heißt es so schön: der Prophet gilt nichts im eigenen Lande. Meine Frau hatte zwar den selben Segellehrer wie ich, aber eben 15 Jahre später… und ich konnte mit ansehen, wie der sich mit ihr,sagen wir, rumärgerte. Aber er hat ihr viel beigebracht und somit gibt es bei uns relativ wenig Diskussionen

          • Klaus Klaus sagt:

            Ima stellt sich schon geschickt an. Mir ging es mehr um die eingeschliffenen Rollenmuster, die es bei jedem Paar gibt. Jemand der nur Lehrer ist und nicht Partner und Lehrer hat es da einfacher. Das gilt natürlich auch für jemanden der nur Schüler ist und nicht Partner und Schüler … ;)
            Liebe Grüße
            Klaus

  6. Julian Buss sagt:

    Danke für diese Reflektion, das ist interessant und lehrreich! Manöverkritik macht immer Sinn – wenn es denn ein „lessons learned“ statt ein „wer hatte Schuld“ ist. Es kann dabei nur darum gehen, was nächstes mal besser gemacht werden kann – genau so macht ihr es ja auch!

    Zum Ankern mit Ankerwache: Wir ankern auch viel, und ich habe von Anfang an einen automatischen Ankeralarm verwendet. Eine menschliche Ankerwache ist bei kleiner Crew oder mit der Familie völlig realitätsfern. Ich verwende dazu „iDrifter“ auf einem alten iPad Mini.. ich glaube die App gibt es gar nicht mehr, aber bei mir arbeitet sie zuverlässig und mit minimalem Stromverbrauch.

    Von den Leuten die ActiveCaptain gemacht haben gibt es eine App namens „DragQueen“ geben, die gut sein soll – ich selbst habe sie aber nicht getestet.

    Ich habe auch mittlerweile einen „sechsten Sinn“, der mich meistens aufwachen lässt kurz bevor der Ankeralarm anspringt :) Aber halt nicht immer, und so einen Automaten im Dienst zu haben beruhigt mich ungemein.

    Zur Verwendung von elektronischer Navigation kann man beliebig diskutieren, Du weißt, dass ich da sehr affin bin und diese Möglichkeiten ausführlich nutze. Niemand muss das tun, aber: So ein Helferlein auf dem Handy zu haben macht absolut Sinn, und es zu nutzen widerspricht keiner „reinen Lehre“ oder ähnlichem. Elektronische Navigation – in welcher Form auch immer – ist ein Werkzeug, das eine große Hilfe sein kann, wenn man damit umzugehen weiß und die Möglichkeiten und Grenzen kennt.

    Ich beglückwünsche Ima dazu, das sie diese Situation so hervorragend gemeistert und mit dir zusammen als Team agiert hat. Das ist alles andere als selbstverständlich!

    Das Problem mit den Ruderdollen hat Zodiac übrigens in späteren Modellen gelöst… unser Dinghy ist zwei Jahre alt und hat viel bessere Dollen.

    Also: Eine spannende Situation gut gemeistert, keine Schäden und dabei viel gelernt!

    • Klaus Klaus sagt:

      Moin Julian,

      toller geistreicher Kommentar, dem ich nichts mehr hinzuzufügen weiß. DragQueen werde ich mal ausprobieren. Habe Ima den Teil, in dem es um sie geht, vorgelesen. Du hast ihr damit eine große Freude gemacht! :)

      Liebe Grüße
      Klaus

  7. Nga Mastrianni

    Beim Segeln geht oft etwas schief. Nicht immer landet das Boot dabei im Sturm auf den Felsen, wie bei uns… Hier die Ergebnisse unserer Manöverkritik!

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