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Wie man seine Frau (zum Segeln) verführt

Wunden lecken

Feb• 22•17

Während die Plünnen an Deck Néfertitis trocknen, lassen wir es uns gut gehen. Lecken unsere Wunden. Machen eigentlich nichts. Verarbeiten langsam und eher schweigend das Erlebte. In Dönsö gibt es einen Supermarkt. Der erste mit schwedischen Preisen. Neugierig, aber auch auf alles gefasst, betreten wir den kleinen Inselmarkt.

Abendbrot

Wir sind beim Kochen gedanklich doch noch woanders

Der Schock bleibt aus. Manches scheint sogar billiger als in Dänemark. Ich genieße es die vollen Regale zu durchstöbern. Regale voller Möglichkeiten. Voller Schätze. Nur Alkohol ist teuer, aber den brauchen wir nicht. Und Süßigkeiten.
„Guck mal, die haben sogar Maribou-Schokolade!“ Ima ist ganz aus dem Häuschen.
„Nimm mit!“

Eigentlich wollte Ima sich am Imbiss ein Fischbrötchen gönnen, aber dann ersteht sie doch ein paar Krebse für ein selbstgekochtes Mahl, dass wir Abends gemeinsam kochen. Naja. Wir sind nicht so ganz bei der Sache. Aber es gibt wieder frisches Obst und Gemüse an Bord. Wir genießen vor dem Schlafen gehen die Duschen und sind früh in den Kojen. Schlafen wie ein Stein.

Erst am nächsten Tag werden die Geschehnisse thematisiert. Langsam. Immer mal wieder äußert einer von uns den einen oder anderen Gedanken. Wir lassen uns Zeit. Im Laufe des Vormittags nimmt der Wind etwas ab. Soll abends ganz abflauen. Kein gutes Gefühl sich eingestehen zu müssen, Fehler gemacht zu haben. Wir haben beide die Ahnung Glück gehabt zu haben. Plötzlich sagt Ima:
„Es ist doch kaum Wind. Lass uns am besten heute noch irgenwo ankern.“
„Wir brauchen einen Schärenführer.“
„Wir sind vom Pferd gefallen und sollten gleich wieder aufsteigen!“ Auch wieder wahr.

Néfertiti, Segeln in den Schären

Richtung Göteborg

Wir verbummeln den Tag. Erst gegen 16.00 Uhr werfen wir die Leinen los. Segeln nur unter Genua mit achterlichem Wind gen Göteborg. Die grauen Wolken sind verschwunden und der Wind hat tatsächlich abgeflaut. Die Nachmittagssonne lacht uns an. Warm und fröhlich. Waren wir bisher eher allein, herrscht nun jede Menge Verkehr. Motorboote und Yachten pflügen durch das Fahrwasser. Ist das die gleiche Welt in der wir gestern noch bis auf’s Messer gekämpft haben?

In Sichtweite der Hafenanlagen Göteborgs haben wir uns eine kleine Schäre ausgeguckt. Asperö. Wir nähern uns mit deutlich mehr Respekt als vor Fjordholmen. Zu gerne hätte ich ausprobiert, direkt am Felsen anzulegen, aber dort liegt schon ein kleines Motorboot. Kein Problem, daneben kann man auch ankern. Allerdings ist man dem Schwell, der durch das Fahrwasser ziehenden Boote und Fähren ausgesetzt. Oder doch zwischen den zwei Felsen hindurch? Es herrscht inzwischen bleierne Flaute.
„Lass es uns versuchen.“ Ganz langsam tasten wir uns unter Motor auf die schmale Durchfahrt zwischen den Felsen zu, aber es wird flach. 3,50 m … 2,50 m … 1,90 m. Durch die Felsen sind wir durch. 1,70 m… Noch zwanzig Zentimeter unter dem Kiel. Ich stoppe auf. Vor uns liegt eine weite Wasserfläche, aber nicht genügend (tiefer) Platz zum Schwoijen. Nicht einmal zum Wenden. Rückwärts tasten wir uns wieder durch das Nadelöhr zurück. Ankern vor den Felsen. Eindampfen. Der Anker scheint zu halten, aber das haben wir bei Fjordholmen auch gedacht. Hier kämen wir aber auch in der Nacht wieder weg. Ich präge mir genau die Kennung und Lage der umliegenden Tonnen ein. Für alle Fälle. Es sind aber immer noch leichte westsüdwestliche Winde für die Nacht und morgen angekündigt… Sollte also keine Probleme geben.

Am Abend mache ich Ben Nemsis klar und wir rudern zu der malerischen Schäre hinüber. Es gibt sogar einen kleinen Sandstrand. Perfekt zum Anlanden. Dann stromern wir über die winzige Insel. Fühlen uns wie Robinson Crusoe, nur dass wir hier wieder weg können.

Ankerplatz bei Asperö

Ankerplatz vor den Toren Göteborgs

Ima will auch eine Stunde später noch nicht zurück an Bord.
„Da hinten ist so ein Haus auf einer winzigen Schäre. Das würde ich mir so gerne mal anschauen.“
Und ich würde mir gerne die Wasserfläche ansehen, wo wir eben umgedreht sind. Vielleicht gibt es da ja doch noch eine Möglichkeit… So rudern wir tiefer in den Fjord hinein. (Gut, dass wir umgedreht sind. Am Steg vor dem Haus, liegt zwar ein kleines Segelboot, aber die Zufahrt liegt auf der anderen Seite. Der Besitzer hat dort privat Bojen ausgelegt, um die schwierige Zufahrt zu markieren. Von unserer Seite ist kein Durchkommen…) Ima hofft, dass sich jemand bei dem Haus zeigt, um ein Gespräch anzufangen, aber niemand taucht auf. Langsam dämmert es. Kaum ist die Sonne weg, wird es frisch und Ima friert. Rudern hält warm. Ich kämpfe einen Moment mit mir, dann biete ich ihr meinen Platz an:
„Willst du rudern?“
„Nee, das ist nicht so romantisch.“ Aha.
„Rudern hält warm.“
„Nee, danke.“ Nun denn… Wir kehren um.

Zurück an Bord setzen wir noch das Ankerlicht und legen uns bald in die Kojen. Der tagsüber starke Verkehr ist zum Erliegen gekommen. Kein Schwell. Im Dunklen sagt Ima:
„Klaus.“
„Ja.“
„Ich liebe dich.“

Wir verbringen eine friedliche Nacht bei absoluter Flaute.

♦♦♦

Dieser Blogartikel spielt am 13. und 14.8.

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6 Comments

  1. Rob sagt:

    Griaß Eich,
    möglich dass es ein ganz fremder Klang für euch ist, so grüßt man ganz im Süden von Deutschland. Bayrische Berge. Über das zurückliegende halbe Jahr habe ich so gut wie keinen Zugang zu Facebook gehabt und noch nicht mitbekommen, dass ihr jetzt auf Langfahrt gegangen seit. Chapeau! Wie? So richtig für lange? Ich schlage bald auf eurer Seite nach.

    Pfiads Eich, rob

    • Klaus Klaus sagt:

      Griaß di,

      hab ich schon mal gehört… ;) Manchmal braucht man einfach FB Abstinenz. Ich erinnere mich, dass Du das schon einmal angegangen bist. Toll dass es diesmal geklappt hat!

      Drei Monate … Klingt erst einmal toll, aber ist … ähm … viel zu kurz :(

      Pfiad Di :)
      Klaus

  2. Lothar sagt:

    Ein Beitrag wie ich sehr gerne lese.

    Danke!

  3. Walter sagt:

    moin Klaus,
    „Ankerplatz vor den Toren Göteborgs“

    dieses Foto könnte auch in der Inselwelt Kroatiens aufgenommen
    worden sein… frappierende Ähnlichkeiten ;-)

    • Klaus Klaus sagt:

      Frappierende Ähnlichkeit, aber nur bei Sonnenschein ;)

      Mittelmeer würde uns schon sehr reizen. Vielleicht kommen wir da ja auch noch einmal hin…
      Liebe Grüße
      Klaus

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