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Segeln als Digitale Nomaden

Der Anfang einer Freundschaft

Mrz• 03•17

Fünf Beaufort. Die Sonne scheint von einem blauen Himmel. Wir wollen nach Sunna. Sind außen um Kläverön herum, damit wir Raum zum Kreuzen haben. Néfertiti stampft im stetig zunehmenden Nordwind. Gischt spritzt. Für einen Moment meine ich das bunte Schillern eines Regenbogens im spritzenden Schaum zu sehen. Ima fragt:
„Hast du auch Hunger?“ Tatsächlich habe ich Hunger. Néfertitis Bug bohrt sich in die nächste Welle. Wieder schillert es in der Gischt.
„Guck mal. Ein Regenbogen.“ Ima guckt mich skeptisch an.

Klaus unrasiert

Klaus, unrasiert und fern der Heimat… sorry, manchmal sieht man an Bord auch so aus ;)


„In der Gischt!“ Ima sitzt an der Pinne. Sie will üben und ich kann mich ganz der Navigation widmen. Kläverön liegt hinter uns. Hier draußen steht Welle.
„Oh ja. Hab’s auch gesehen!“ Eine ehrfürchtige Stimmung ob der kleinen Wunder der Natur macht sich breit, aber nach einer Weile gewinnen die weltlichen Belange doch die Oberhand. Ima fragt:
„Hast du nun Hunger?“
„Ja. Könnte was vertragen. Soll ich kochen?“
„Nee, ich würde gerne kochen, aber können wir nicht irgendwo anhalten?“ Warum nicht? Wieder hebt eine Welle Néfertiti an und der Bug klatscht ins Wasser.
„Wir könnten nach Vannholmen gehen.“ Das hatte ich gestern auch als möglichen Übernachtungsplatz ausgeguckt. Liegt eine halbe Stunde entfernt und wir können fast anliegen. Der Wind soll später weiter zunehmen und auf Nordost drehen. Sechs Windstärken sind für heute Nacht angesagt. Auch wenn wir bleiben, sollten wir dort geschützt liegen.
„Okay. Wo muss ich hin?“ Ich steige den Niedergang hinunter, um den neuen Kurs auf der Karte abzustecken. Es ist fast der alte Kreuzschlag. Wegen der Abdrift werden wir wohl trotzdem noch einen Holeschlag machen müssen.
„Einfach weiter geradeaus. So hoch am Wind wie es geht.“ Ich steige wieder nach oben, verkeile mich im Niedergang. Ima steuert konzentriert. Schön, wenn man als Team an einem Strang zieht! Ich zeige auf eine Felseninsel vor uns:
„Das müsste Vannholmen sein.“

Segeln in den Schären

Ankerauf unter Segeln

Langsam kommen wir in den Landschutz und der Seegang lässt nach. Ein Segelboot taucht zwischen zwei Schären an Steuerbord auf und steuert vor uns auf Vannholmen zu. Es läuft unter Motor und wird uns zuvorkommen. Ima sagt:
„Ich glaube, wir sollten mal wenden.“
„Ich mache den Vorschoter!“ Ich verlasse meinen Platz im Niedergang, steige an Deck und wir machen einen Holeschlag. Als wir wieder zurück gewendet haben, laufen die anderen gerade durch die schmale Einfahrt. Die war auf die Entfernung nicht auszumachen. Ima sagt:
„Toll!“ Ich gucke Ima fragend an. Schließlich haben einsame Inseln doch etwas für sich.
„Ich habe Lust auf andere Menschen.“ Ach ja. Gestern hatte Ima Pech gehabt, denn Kalverön ist weitläufig und wir waren die einzigen, die an Land gegangen sind. Schließlich wenden wir wieder und laufen westwärts auf die Einfahrt zu. Das Segelboot kehrt um, läuft wieder aus. Ima wirkt ganz betrübt:
„Schade.“ Es geht auf Gegenkurs und läuft auf uns zu.
Ein älterer Herr steht am Steuer. Als wir dichtbei passieren, preie ich ihn an:
„Why do you leave?“
„It is fine there.“ Okay… Auch eine Antwort. Wir werden selbst sehen.

Mit Festmacher und Heckanker an den Schären liegen

Der Anfang einer Freundschaft (die bis heute Bestand hat)

Ima geht in den Wind und wir bergen die Segel, starten die Maschine und ich übernehme das Ruder. Vorsichtig tasten wir uns durch die schmale Einfahrt des Naturhafens. Die hohen Felsen schirmen uns gut gegen die vorherrschende Windrichtung ab. Der Naturhafen ist L-förmig. Aber es gibt einen Einschnitt durch den der Wind fegt, genau den kurzen Schenkel des Ls entlang. Wir finden aber mehrere Haken beim langen Schenkel. Ich steuere den besten an (D.h. Da wo die Felsen am steilsten ins Wasser führen), gebe den Heckanker über Bord und dosiere unsere Vorausfahrt mit der Ankerleine. Ima steht vorne und gibt mir die Entfernung an.
„… Noch einen Meter… einen halben … Zwanzig Zentimeter…“ Ich belege die Ankerleine und eile nach vorne, weil Ima nicht über den Bugkorb klettern möchte. (Das wusste ich schon vorher) Ich nehme den Festmacher und steige an Land, führe die Leine durch die Öse und gebe sie Ima zurück.
„Das war ja ein Super Manöver!“ Das findet der Skipper, bescheiden wie er ist, … ähm… auch ;) So kommt es, dass wir schon mittags fest sind.

Sofia an Bord Néfertitis

Sofia

Noch bevor ich an Bord klettern kann, kommt ein zweites kleines Boot herein. Schweden. Ich gehe zu dem (vermeintlich zweitbesten) Haken neben uns, um zu helfen. Der Skipper wirft den Heckanker und nähert sich vorsichtig dem Felsen. Von Land aus kann ich einen Unterwasserfelsvorsprung erkennen, der mir eben entgangen war. Ich zeige darauf und rufe:
„That is shallow!“ Das Boot kommt vorsichtig herein und seine junge Freundin übergibt mir lächelnd die Vorleine:
„Thank you. I am Sophia.“ Ich winke ab.
„You are welcome, I am Klaus.“ Dann geht der Skipper auf das Vorschiff, überzeugt sich mit einem Blick vom Bugkorb ins Wasser und sagt:
„I would prefer to share your bolt.“
„Sure. No problem.“ Also manövriert er das kleine Boot ebenso umsichtig wieder zurück. Er birgt den Heckanker und fährt einen zweiten Anlauf auf der anderen Seite Nefertitis. (Weiter weg von dem kurzen Schenkel des Ls.)
„Thank you, I am Johan. Do you like makerels?“
„Ima for sure.“ Ima und Sophia sind auch schon in ein Woher-Wohin-Gespräch verwickelt. Wir fendern beide Boote gut ab und liegen quasi im Päckchen. Johan wendet sich Ima zu:
„Do you want a makerel? We catched eight in half an hour.“ Klar will sie.

Ima lädt unsere Nachbarn an Bord zu einem Cider ein und bereitet ein Makrelen-Sushi als Mittagssnack für alle (außer mir). Bald sitzen wir im Cockpit Néfertitis wie alte Freunde. Johan blättert unseren Führer durch („I have the same!“) und kringelt alle Must-see’s an. Gibt wertvolle Tipps, von denen sich jeder einzelne in den nächsten Wochen als wertvoll erweisen wird. (Johan segelt seit dreißig Jahren in diesen rauen Gewässern.)

Gespräch zwischen Johan und Klaus

Tipps von Johan

Ein weiteres kleines schwedisches Boot, mit aufgetuchten Carbonsegeln, kommt herein. Sie versuchen an einen der Haken zu gehen, die später guten Schutz versprechen, wenn der Wind erst gedreht haben wird, aber jetzt dem böigen Seitenwind ausgesetzt sind.
„Never try this. Will not work.“ sagt Johan. Er ruft ihnen etwas auf Schwedisch zu. Der junge Skipper drüben schüttelt den Kopf. Der Anker hält nicht und der Bug wird gegen die Felsen getrieben. Sie fahren eine zweiten Anlauf und einen dritten. Auf unserer Seite wäre noch Platz, aber dorthin wollen die beiden nicht. Inzwischen stößt das Boot breitseits gegen die Felsen. Das kostet Farbe… oder Gelcoat… Schließlich laufen sie wieder aus und setzen Segel.

Erst nach zwei, drei Stunden kehren Johan und Sophia zurück auf die Ocean Harmony. Wir sind halt auf einer Wellenlänge. Wenn der Wind später gedreht haben wird, werden wir an den Haken im kurzen Schenkel des Ls gehen und heute Abend gemeinsam kochen. Ich breche zu einer Inselbesichtigung auf. Will mir vor allem die Haken auf der anderen Seite ansehen. Als ich dort ankomme, ruft mir Ima von Néfertiti aus zu:
„Johan will los. Der Wetterbericht hat sich verschlechtert!“ Will mich zumindest verabschieden.
„Ich komme!“ Während ich über die Felsen klettere überdenke ich unsere Lage: Wir sind hier sicher… glaube ich…solange der Wind nicht auf Süd umspringt… Andererseits … wenn sogar die Einheimischen lieber den Rückzug antreten … die sehr erfahrenen Einheimischen…

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Dieser Blog Eintrag spielt am 17.8.

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