Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Flirt

Mrz• 14•17

Am nächsten Morgen herrscht strahlender Sonnenschein. Keine Wolke und kein Wind. Wir gehen ankerauf und motoren die zwei Meilen zurück nach Skärhamn. Die junge Hafenmeisterin guckt mich verständnislos an, als ich frage, was es koste, wenn wir ein paar Stunden am Gästesteg liegen, um einzukaufen.
„Nothing!“

Westschwedische Schären

Schäre


Wir bräuchten nur zu bezahlen, wenn wir über Nacht blieben… Cool.
Wir kaufen frisches Gemüse und Obst im nahen Supermarkt und billiges Angelgeschirr. Ich habe gehört, dass jeder in den Küstengewässern für den Eigenbedarf angeln darf. Johan und Sofia haben uns inspiriert, die auf dem kurzen Stück nach Moosholmen noch drei Makrelen gefangen hatten. Ab sofort schleppen wir, wenn es tief genug für Makrelen ist (und wir langsam genug segeln ;) ), das Angelgeschirr hinter uns her. Aber soviel sei vorweggenommen: So einfach ist Angeln nicht… Danach schleppt der Skipper Kanister um Kanister von der nahen (Im Laufe der Aktion immer weniger nahen) Tankstelle zum Boot, während Ima einen Stadtbummel macht. Am Gästesteg herrscht ein Kommen und Gehen, weil die Schweden von den umliegenden Schären mit dem Boot nach Skärhamn kommen, um wie wir einzukaufen.

Schließlich ist der Tank voll, die beiden Kanister auch und Ima zurück an Bord. Noch schnell Wasser bunkern und Néfertiti ist wieder autark. Wir laufen aus, setzen vor dem Steg die Segel und segeln hoch am Wind quer über die Bucht auf das enge Fahrwasser nördlich von uns zu. Kurz vor uns ist ein kleines Segelboot ausgelaufen. Sie drehen in den Wind, um in der leichten Brise ihre Segel zu setzen. Dabei laufen sie vor unseren Bug. Eigentlich müssten sie ausweichen, aber ich weiß ja selbst, dass man in solchen Situationen nicht so … manövrierfreudig ist. Also falle ich ab, um hinter ihrem Heck durch zu gehen und die Frau am Ruder dankt.

Leichtwindsegeln mit Néfertiti

Unter Segeln

Kaum sind wir durch, stehen drüben die Segel. Sie fallen ab auf einen Kurs hoch am Wind und stellen den Motor aus, um hinter uns her zu segeln. Es herrschen nur zwei Windstärken und langsam holen sie auf, setzen an uns quasi in Zeitlupe zu überholen. Eine leichte Bö fällt ein. Néfertiti wird schneller und plötzlich finden wir uns in der sicheren Leestellung wieder. Angriff abgewehrt. :) Endlich mal ein Boot mit dem man sich bei leichten Winden messen kann…

Die Felsen kommen auf beiden Seiten nahe und wir segeln auf das enge Fahrwasser zu. Die Anderen fallen ein paar Meter zurück. Ich segele so hoch wie möglich am Wind, der wieder nachlässt. Noch ist unklar, ob wir durchkommen werden, ohne zu wenden. Deshalb will ich keine Höhe verschenken. Die Anderen kommen wieder auf. Vor uns liegt eine Tonne, die ich haarscharf in Lee passieren werde, aber dann bliebe für die anderen kein Platz, die wieder zum Überholen ansetzen. Ich rufe hinüber:
„Do you need more space?“
„NO. That’s fine for us!“ Sportlich, sportlich. Sie setzen an die Tonne auf der verkehrten Seite zu passieren, bleiben aber in unseren Abwinden hängen und fallen ein paar Meter zurück. Passieren die Tonne dann doch auf der richtigen seite in unserem Kielwasser. Auch die anderen sitzen in einem Boot, dass, sagen wir mal, nicht gerade durch seine Leichtwindeigenschaften besticht. Nun arbeiten sie sich aber wieder langsam heran… Sind querab…
„Nice boat…“ rufe ich hinüber.
„Yours too!“
„… and so fast!“ Wir lachen beide. Dann ruft er:
„I have new sails!“
„Me too.“
Er erzählt, dass sein Boot aus der Feder Enderleins stamme (Halberg Rassy).

Dann sind sie in Luv vorbeigezogen. Wir segeln dicht hinter den anderen her und schaffen ebenfalls das enge Fahrwasser, ohne wenden zu müssen. Die anderen halten weiter auf das andere Ufer zu, während wir halben Wegs wenden, um nicht in den gestörten Wind der Schären zu kommen. Wir haben Glück. Eine Bö fällt ein und der Wind raumt. Wir sind wieder vorne!

Während wir in den Kyrkesund abbiegen, streben die anderen der offenen See zu. Ima steigt hinunter in die Kajüte, um im Hamnguiden zu blättern. Néfertiti läuft unter Segeln durch den schmalen Sund. Links und rechts die bunten Häuschen des kleinen Ortes. Anheimelnd. Ein Motorboot kommt uns mit gemäßigter Fahrt im engen Fahrwasser entgegen. An Bord zwei junge Frauen in Bikinis. Die Rudergängerin grüßt. Ich grüße zurück. Irgendwie verhaken sich unsere Blicke und wir sehen uns gegenseitig nach… und nach… Bis die zweite Frau ihre Freundin lachend anstubst und eine Bemerkung macht. Da konzentriert sich die Rudergängerin wieder auf das Fahrwasser vor ihr. Ich auch. Ima steigt an Deck, den Führer in der Hand. Sie schaut mich forschend an:
„Was grinst du denn so?“
„Ach nichts.“

Kyrkesund

„Was grinst du so?

In der Abschirmung zwischen den Felsen bleiben wir bekalmt liegen, bevor wir den Sund ganz passiert haben. Ima sagt:
„Es gibt so viele tolle Ziele.“
„Wo willst Du hin?“
„Vielleicht können wir doch nach Smögholmarna?“ Das hatten wir gestern Abend als möglichen (nächsten) Übernachtungsplatz ausgeguckt.
„Okay.“ Nach einer Weile starte ich die Maschine, um das Nadelöhr zu passieren. Hinter Skaboholmen können wir noch etwas segeln. Da Smögholmarna so nah ist, reicht uns auch ein Knoten Fahrt…

Schließlich bergen wir die Segel und erhalten noch eine Lektion in schwedischer Nächstenliebe… Nähenliebe…? Na egal: Am ursprünglich ausgeguckten Platz liegen schon zwei Boote. Daneben sind zwar noch zwei Haken frei, aber trotzdem fahren wir erst einmal weiter in das Nebenfahrwasser und finden einen Haken an dem wir ganz deutsch alleine liegen könnten… Ganz langsam nähern wir uns dem Felsen. 1,80 m … 1,70 m… Ich drehe ab und fahre mit anderem Winkel einen weiteren Anlauf… 1,70 m … Abdrehen… Ima sieht mich etwas skeptisch an:
„Wollen wir doch dahin, wo du zuerst gedacht hast?“
„Ja.“ Kurz vor uns kommt noch ein Motorboot und legt sich an einen anderen (Danke!) flachgehenden Platz. Wir nähern uns. Ein Jugendlicher klettert von dem einen Boot, um uns zu einem besseren Haken zu lotsen, den ich bei der tief stehenden Sonne noch gar nicht wahr genommen hatte, vor dem es aber tiefer ist, als vor den anderen, und nimmt unsere Vorleine an.
„Tack!“

Ima angelt

Was für ein schönes Lächeln!

Es kommen noch andere Boote und zur Nacht werden wir mit fünf Booten quasi im Päckchen mit Heckanker vor den Klippen liegen. Das scheint hier nicht nur vollkommen normal zu sein, ich habe fast den Eindruck, die Schweden liegen sogar lieber dicht beieinander, als jeder an seinem eigenen Haken. Ima grinst mich verschmitzt an:
„Lass uns eine romantische Ruderpartie machen.“ Wer uns kennt, weiß, was „Romantische Ruderpartie“ heißt. Also sage ich:
„Nee. Ich habe heute keine Lust zu rudern.“ Will mich lieber auf der Koje lang machen.
„Diesmal rudere ich dich!“
Na dann!

Ich nehme mir zwei Kissen als Polster mit (Ihr wisst schon, die Motorhalterung im Rücken…) und fletze mich im Schlauchboot, wie ein Pascha auf dem Sofa, während Ima mich trotz einer leichten Strömung durch die Felsen rudert. Auf der einen Seite fällt eine Felswand viele Meter senkrecht ins Wasser. Die Kinder unserer Nachbarn klettern weit nach oben zu einem Band und springen von dort ins Wasser. Na ja nicht alle. Nur die Mutigsten. Nach einer Weile rudert Ima uns weiter. Ich bin zwischen den Kissen gemütlich gebettet. Fast gemütlicher als in der Koje. So macht unsere romantische Ruderpartie Spass! Wer uns sieht muss schmunzeln.
„Hat der es gut,“ werden die meisten Männer denken, „bei uns muss immer ich rudern.“ Wenn die wüssten…

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 19.8.

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

4 Comments

  1. Christian sagt:

    Guten Morgen, Dein Bericht hat mir ein Dauerlächeln ins Gesicht gezaubert :-) so kann der Tag weitergehen.
    Liebe Grüße, Christian

  2. Carsten sagt:

    Herrlich!

    LG Carsten

  3. Klaus sagt:

    So fängt sie an, die Ostsee-Sucht.
    Gaaanz gefährliche Krankheit, dagegen gibt es keine Impfung und kein Heilmittel.

  4. Klaus sagt:

    Ach Ihr Drei,

    was für herrliche Kommentare! Da geht mir doch gleich das Herz auf! :)
    Danke.

    Liebe Grüße
    Klaus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.