Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Jag heter Ima

Mrz• 17•17

„Außen rum?!“ Ima sieht mich unglücklich an:
„Da gibt es doch nur Wind und Wellen!“ Ja genau. Wind! Wir könnten den Genaker setzen. Und Wellen, jede anders! Und Wolken! Und … :)
„Innen gibt es viel mehr zu sehen.“ Sie sieht mich mit diesem speziellen Blick an.
„Ach bitte!“ sagt der. Innen macht die Navigation mehr Spaß…

Graues Wetter im den Schären

Schärengarten

Ich gebe nach. Wir sind die ersten, die aufbrechen. Nehmen die Abkürzung durch das Nebenfahrwasser, das wir gestern mit dem Dinghi erkundet haben. Laufen langsam dicht unter der Felswand entlang. Wie schnell man sich an diese engen Passagen gewöhnt… Kaum sind wir durch, setzen wir Segel. Der Himmel ist grau. Irgendwie milchig. Die leichte SW Brise schiebt uns gemächlich durch die Schären. Routinemäßig verfolge ich unseren Weg auf der Seekarte, die gut verpackt in einer Plastikhülle unter die Cockpitgräting geschoben, jederzeit greifbar ist. Ima ruft von unten:
„Gas an!“ Ich betätige den Hauptschalter im Cockpit.
„Gas ist an.“ Diese liebgewonnenen Routinen. (Jetzt, da ich das schreibe, vermisse ich sie so sehr…! So etwas simples wie Gas an- und ausstellen…)

Ima stellt mir lächelnd die Thermoskanne mit heißem Tee ins Cockpit. Wühlt im Geschirrschapp und steigt kurz darauf mit zwei Bechern und dem Hamnguiden herauf und schenkt ein. Während ich den ersten Schluck dieses Göttertranks genieße, … ja, ich weiß, es ist nur Tee ;) … , blättert sie im Hamnguiden. Sagt plötzlich:
„Johann hat Käringön eingekringelt. Wollen wir nicht wenigstens für ein Stündchen dort vorbeischauen?“ Käringön ist ein ehemaliger Fischerort auf einer der vorgelagerten Schären.
„Außen herum wären wir direkt daran vorbei gekommen. Jetzt sind das zwei, drei Meilen Umweg.“
„Ach bitte! Es ist doch noch früh.“ Und nach Härmanö ist es nicht mehr weit. Warum eigentlich nicht?

DSC01114

Immer wieder: Schärennavigation

So kommt es, dass wir mittags vor Käringön stehen, die Genua einrollen, in den Wind drehen (nicht ganz) und das Groß bergen. Wenig später liegen wir längsseits außen an der Besucherpier.

Wir schlendern Hand in Hand durch das pittoreske Fischerdorf, das heute eher vom Tourismus lebt. Wie eng sich die Häuser aneinander schmiegen, sich eines hinter das andere kauert, um sich gegenseitig gegen die kalten Westwinde zu schützen, die hier im Winter herrschen müssen. Ich will gerade eine Bemerkung machen, da sagt Ima:
„Ich möchte hier mal im Winter sein.“
„Im Winter?!“
„Ja. Ich könnte meine Memoiren schreiben.“ Während wir durch die engen Gässchen spazieren stelle ich mir vor wie das wohl wäre…

Ein alte Fischerkate ist öffentlich zugänglich. Als Heimatmuseum. In einer Stunde wird es öffnen. Wir laufen bis zum ehemaligen Lotsenausguck und kehren dann zu der Museumskate zurück. Was für niedrige, kleine Räume. Aber merken wir nicht gerade auf Néfertiti, wie wenig man für ein glückliches Leben braucht?

Vogel in den Schären

Schären Stimmung

„Ja. Ich auch.“ Ima guckt mich verwundert an.
„Was?“ Ist ja schon eine Weile her, seit Ima ihre Bemerkung gemacht hat.
„Ich wäre auch gerne mal im Winter hier. Schreiben. Wenn draußen der Schnee liegt und drinnen der Ofen bullert…“ Wir spinnen noch ein bisschen weiter und plötzlich ist diese Idee wieder lebendig: Auf Néfertiti zu wohnen. Zu überwintern. Wir bräuchten doch nur einen Ofen… Wir sind inzwischen in der Werkstatt der Fischerkate, kehren wieder zurück in den Wohnraum. Zwei kleine Mädchen kommen herein. Die eine ist ganz fasziniert von Ima. Ima beugt sich zu ihr hinunter.
„Klaus was heißt noch mal: Ich heiße Ima?“
Ich flüstere ihr zu: „Jag heter Ima.“ und sie sagt lächelnd zu der Kleinen:
„Jag heter Ima!“ Die Kleine starrt sie ohne jede Regung an. Inzwischen ist auch die Tante hereingekommen. Ima wiederholt lächelnd:
„Jag heter Ima.“ Dabei zeigt sie auf sich. Als das Mädchen wieder nicht reagiert, sagt Ima zu mir:
„Du hast mir etwas Falsches gesagt.“ Da schaltet sich die Tante ein und sagt auf englisch:
„Das war schon richtig, aber meine Nichte spricht nur Spanisch.“

Nachts in den Schären

Abenddämmerung

Wenig später sind wir wieder unter Segeln. Es fängt an zu nieseln. Trotzdem schönstes Schärensegeln. In der Bucht auf der Ostseite Härmanös ist noch eine Muringboje frei. Wir sehen uns an und zögern nicht lange. Gehen an die Boje, die eigentlich für Boote des Schwedischen Segelvereins reserviert sind. Haben uns doch die Jugendlichen auf Sunna erzählt, dass die Saison zu Ende sei. Jeden Tag wären weniger Yachten unterwegs und die meisten Häfen hätten schon auf Winterpreise umgestellt. Wenn einer Anspruch auf die Boje erheben sollte, können wir immer noch ankern… Kaum sind wir fest, flüchten wir schnell vor dem andauernden Nieselregen in die warme Kajüte Néfertitis.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 20.8.

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

2 Comments

  1. Wolfgang sagt:

    Hammer, das hat sicher Spaß gemacht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.