Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Niederlagen und wie man mit ihnen umgeht

Mrz• 31•17

Ich hadere immer noch mit mir wegen des Zusammenstoßes mit den Felsen. Langsam gleitet Néfertiti nordwärts. Die Fähre ist längst unseren Blicken entschwunden. Außen herum durch das gefährlichste Seegebiet der Westschwedischen Schären fällt mangels Wind aus. Wir nehmen lieber die Abkürzung durch den Sotekanal. So segeln wir mit atemberaubender Langsamkeit auf die Brücke zu.

Möwen vor grauem Himmel

Abends zieht es sich zu

Smögen ist noch nicht querab, da schläft die leichte Brise ein. Ich berge die Segel und starte die Maschine. Bis zum Kanal sind es eh nur noch knapp drei Seemeilen. Wir passieren die Brücke und finden uns im geschwungenen Fahrwasser eines Felsenlabyrinths wieder. In Ima hallt das Ablegemanöver anscheinend auch noch nach. Sie fragt:
„War das zu eng auf Hällö?“
„Ja. Zu engstirnig!“ Ima sieht mich grinsend an:
„Sei doch nicht so grummelig. Sieh dich mal um.“ Widerwillig folge ich ihrem Rat. Sonnenbeschienene Felsen, blauer Himmel, herrlich milde Luft. Die Welt könnte schön sein. Ich reiße mich am Riemen und lächele zurück. Im ersten Moment etwas angestrengt, aber kaum habe ich den inneren Fokus verschoben, wird das Lächeln echt. Die Welt ist schön.

Geschwungenes Fahrwasser südlich vom Sotekanal

Kaum ist der Fokus verschoben…

Wir erreichen den Sotekanal. Teilweise wurde der Kanal durch die Felsen gesprengt. Johan hatte die Passage als sehenswert eingekringelt und er hat Recht. In der Mitte des Kanals versperrt eine Drehbrücke den Weg. Vor der Brücke gibt es eine Ausweichstelle. Wir laufen hinein und ich halte Néfertiti auf der Stelle, während Ima das Nebelhorn herausholt und zurück an Deck das Signal lang, lang, kurz gibt (Nordwärts fahrende Boote begehren Durchlass). Kurz darauf blinkt die Ampel rot (Vorbereitung). Langsam setzt sich die Brücke in Bewegung. Nachdem das letzte entgegenkommende Motorboot uns passiert hat, gebe ich Gas. Es sind nur noch wenige Meter bis zur Ampel. Da ist die Brücke gedreht und die Ampel leuchtet grün.

Hinter dem Sotekanal liegt Hunnebostrand, ein kleiner Ort, in dem wir frisches Obst und Gemüse kaufen wollen. Wir gehen längsseits an die endlos lange Gästepier. Auch Zeit Emails zu checken. Als Ima vom Handy aufschaut, ist sie geknickt: Eines der Festivals, auf denen wir unseren Film eingereicht haben, hat abgesagt. Nicht das erste. Der Poetische Approach für so ein gewaltsames Thema (Die Spuren der Revolution bei den Frauen Ägyptens. Ein paar Jahre danach) Die Mischung von Doku und Fiktion. Der Film sprengt alle Schubladen.
„Wir haben fünf Jahre daran gearbeitet!“ Ich nehme sie tröstend in den Arm.
„Weisst du was: Wir feiern Absagen einfach genauso wie Zusagen!“ Ima guckt mich traurig an.
„Lass uns schön essen gehen!“
Es gibt ein Lunch Menu für 10€ in einem Schuppen in dem man Abends auch Champagner für 100€ schlürfen kann. Suppe, Salat, Hauptspeise, Dessert und Kaffee. Wir genießen den unerwarteten Luxus.

Haus im Sotekanal

Im Sotekanal

Am späten Nachmittag legen wir unter Segeln ab. Beste Stimmung an Bord. Ima legt sich für eine Stunde auf die Koje, während Néfertiti mit Schmetterling dem nächsten Naturhafen zustrebt. Yttre Huö. Nur anderthalb Seemeilen entfernt. Zu nah, um extra den Genaker zu riggen.

Gemächliches Flautensegeln vom Feinsten. Wir müssen um Flatholmen herum durch eine sehr schmale Passage hindurch. Als Néfertiti nördlich Flatholmens steht, berge ich die Segel. Ima wird wach und steigt an Deck. Unter Motor tasten wir uns vorsichtig in die Passage, Meter um Meter auf das Nadelöhr zu. Ich halte mich an die östliche Seite und versuche in der Rinne jenseits der 3 m Tiefenlinie zu bleiben. Gelingt leidlich. An der flachsten Stelle messe ich 2,50 m. Aber schon sind wir durch. Wir legen uns mit Heckanker und Bugleine an die Felsen auf der Nordostseite Yttre Huös.

Wir sind mutterseelenallein. Nachdem ich mit Schleifpapier, Pinsel und Lack die Verletzungen Néfertitis versorgt habe, erkunde ich die nähere Umgebung. Steige auf die Felsen, überquere eine Furt und finde eine verlassene Lagerstelle.

Abendstimmung in den Schären

Einsamer Ankerplatz

Hier hat jemand Robinson gespielt. Ich finde eine verrostete Feuerschale, Maschendrahtzaun und ein selbstgebasteltes Steinbeil. Das Steinbeil lasse ich liegen, aber den Rest kann ich brauchen. Aus dem Maschendraht bastele ich mit Kabelbindern eine Reuse, die gleich versuchsweise mit der übel schmeckenden Wurst als Köder bestückt ausgebracht wird. Mal sehen, ob uns hier mehr Angelglück beschert ist! Eine Feuerschale habe ich in jedem besuchten Geschäft erfolglos gesucht. Damit kann man auch auf den Schären Feuer machen, ohne fürchten zu müssen, den Stein zu spalten. Sie ist zwar etwas rostig und verrußt, aber nach einer halben Stunde schrubben so einsatz- und vor allem verstaubereit, dass selbst Ima ihren Widerstand aufgibt. ;)

Hinter dem Felsen, an dem Néfertiti liegt, hat sich eine Mulde gebildet. Vielleicht können wir in dem bauchnabeltiefen Wasser baden? Wir lassen die Klamotten auf dem Felsen fallen, aber soooo warm ist das Wasser doch nicht und die Abendsonne wärmt auch nicht mehr. So stehen wir unter viel Gelächter nackt im Wasser und tauchen doch nicht ein, bis Ima auf den schlüpfrigen Steinen ausrutscht…

Verdammt ist das kalt! Das romantische Bad wird zähneklappernd abgebrochen. Achja. Wir sind im Norden. Dafür wärmen wir uns danach eng umschlungen in meiner Koje auf.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 23.8.

Klaus joggt über die Minischäre

Der Klamauk-Geher (Später am Abend will ich noch einmal los, ziehe extra die Wanderstiefel an, aber der Wasserstand ist gestiegen und ich komme nicht mehr über die Furt. Also mache ich etwas Blödsinn und bringe stattdessen Ima zum Lachen…)

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