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Leben als Digitale Nomaden

Wenn Fremde etwas weniger fremd werden

Apr• 05•17

Platsch…atsch. Ich bemühe mich die Riemen gleichzeitig einzusetzen. Gelingt leidlich. Platsch…sch. Aber immer wieder hat das Platschen ein Echo.  Platsch…tsch. Langsam gewinnt Ben Nemsis Luv, gegen den Wind und Strom. Platsch…h. Nach einer Weile werden die Ruderschläge synchroner. Die Boote, die am Steg längs festgemacht sind, liegen erstaunlich ruhig. Vielleicht schützen die vorgelagerten Steine? Mir ist unser rundum geschützter Platz lieber. Auch wenn man auf die Felsen klettern muss…

Himmel über Schweden

Himmel in Schweden

Wir rudern an einer schweizerischen Yacht vorbei. Im Cockpit ist ein junger Mann zu Gange. Was wohl unsere Schweizer Freunde René und Marlies machen? Die wollten dieses Jahr Richtung England… Hoffentlich geht es ihnen gut… Da schreckt mich Ima aus den Gedanken auf. Sie ruft zu dem Mann hinüber:
„Was ist das für eine Flagge?“ Ich flüstere ihr zu:
„Die Schweizer.“ Der junge Mann guckt einen Moment irritiert auf und ruft dann zurück:
„Das ist die Schweizer Flagge!“
„Sind sie Schweizer?“ Kindermund. Ich will mich gerade ein bisschen unsichtbar machen, da sagt der Mann:
„Nein.“ Und Ima lacht:
„Habe ich mir doch gedacht. Sie haben keinen Akzent.“ Ich lasse die Riemen hängen und der junge Mann erklärt:
„Wir überführen das Boot nur.“ Schon sind wir in einen netten Plausch verwickelt. Sein Kumpel kommt ebenfalls an Deck. Zehn Minuten später rudern wir weiter und zwei fremde Menschen sind nicht mehr ganz so fremd…

Leise gleitet Ben Nemsis in das westliche Hafenbecken Väderöarnas. Ein Jugendlicher steht auf einem Felsen bei der Einfahrt und angelt. Wir erfahren (Ima erfährt), dass er auf Makrelen angelt und nur noch eine fürs Abendbrot der Familie braucht. Die fängt er, als wir weiter ins Hafenbecken rudern. Es gibt einen schmalen Strand an dem schon das Dinghi unserer Norwegischen Nachbarn liegt. Wir landen dort ebenfalls an, klettern die Felsen bergauf und finden uns im Hinterhof des örtlichen Hotels. Ein Mann streicht die Wand und klärt uns darüber auf, wo der eigentliche Weg verläuft.
„Sorry, we didn’t want to disturb you!“ Aber nein. Stören tun wir ihn nicht. Wir dürfen gerne überall laufen, aber da drüben wäre es leichter. Ihr ahnt es schon. Der Mann unterbricht seine Arbeit, zündet sich eine Zigarette an und bald sind wir in einen gemütlichen Plausch verwickelt… Er schlägt sich so durch. Macht mal hier eine Arbeit und mal dort. Es sei nicht einfach so auf den Schären durchzukommen.

Schließlich wandern wir über die Insel, folgen schmalen Pfaden bei strahlendem Sonnenschein und einem böigen Wind, der mir fast die Mütze klaut. Es tut gut zu laufen. Abseits des Dorfes begegnet uns kein Mensch. Schließlich rudern wir zurück. Nicht nur die (Nicht-)Schweizer grüßen, sondern auch von allen Booten am Steg, die unseren Plausch mitbekommen haben, werden wir gegrüßt. Ich fühle mich willkommen auf diesem Felsen, der vielleicht nicht am Ende der Welt liegt, aber am Ende Schwedens. Ich glaube, Ima geht es genauso. Irgendwie ist die Welt hier gerade ein wenig zusammen gerückt… Ein paar Fremde sind weniger fremd geworden. Das ist ein gutes Gefühl. Und heute Abend wartet noch eine Paella auf uns. Mit selbstgefangenen Krabben!

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am Nachmittag des 24. August

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4 Comments

  1. Walter sagt:

    „…und heute Abend wartet noch eine Paella auf uns. Mit selbstgefangenen Krabben!“

    hjam hjamm hjammm… köstlich, köstlich ;-)

    Allzeit gute Fahrt gute Wache :-)

  2. René sagt:

    Es ist halt nicht immer drin, was drauf steht :-)
    Ja, wir haben uns an der Südküste Englands nach Westen gekämpft. Gegen Starkwind und Gezeitenstrom. Ein Tief hat das nächste gejagt. Wir haben sie für euch im Osten sozusagen vorgekostet. Schön, wenn jemand an einen denkt.
    Liebe Grüsse aus Zürich

    • Klaus Klaus sagt:

      Ach René,

      wir haben viel häufiger an Euch gedacht, als das hier im Blog seinen Niederschlag findet… ;) Werden wir wohl auch dieses Jahr machen…

      Hab ich im Skype neulich vergessen: Je weiter nach Norden man kommt, desto schöner soll es sein… Haben mir viele erzählt. „Ihr schwärmt von Schweden? Dann segelt erst mal nach Norwegen…“ habe ich nicht nur einmal gehört…

      Passt gut auf Euch auf!
      Klaus

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