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Leben als Digitale Nomaden

Schlechte Sicht

Apr• 08•17

Abends sitzen wir noch bei einem Glas Wein und Kerzenlicht in der Kajüte. Laut Wetterbericht ist in den nächsten Tagen wieder mit Starkwind zu rechnen. Nur morgen sind angenehme drei Windstärken angesagt.

„Wir sollten den morgigen Tag nutzen, um zurück in den Schärengarten zu schlüpfen. Dann haben wir alle Freiheiten…“ Ima ist einverstanden, obwohl wir beide gerne noch geblieben wären. Ich stehe auf, schalte das Licht über dem Kartentisch an und widme mich der Navigation. Ich habe Sehnsucht nach Bäumen. Wäldern…
„Schau mal hier: Kalvön. Da gibt es Wald!“ Ima lächelt mich an:
„Auja. Etwas Grün wäre schön.“ Na dann! Wenn es sogar meiner Wüstenblume so geht.

Schweden, Schären: Segeln im Regen

Wenn die Sicht nur etwas besser wäre

Der nächste Morgen empfängt uns grau und regnerisch. In Ölzeug und Schwimmweste legen wir ab. Dampfen in die Spring und laufen dann rückwärts von den Felsen weg. Weil Néfertiti keine Sperenzien macht auch gleich aus dem Einstich heraus. Die Norweger wünschen uns gute Fahrt. Sie wollen heute auch los. Auch die Crew des nächsten Bootes am Steg winkt zum Abschied.
„Take care!“ Ja. Passt auch ihr gut auf euch auf! Ich drehe Néfertiti im Naturkanal und langsam schlüpfen wir aus diesem grandiosen Naturhafen, einem wichtigen Schutzhafen Schwedens im Mittelalter. Segel setzen. Unter Groß und Genua segeln wir nordwärts. Es nieselt etwas. Hört wieder auf. Ima riggt die Angel. In der Nähe kurvt auch ein Fischkutter herum. Wenn das kein gutes Zeichen ist…

Auch ohne Starkwind steht hier Seegang. Néfertiti läuft mit Raumem Wind auf Kurs 21°. Auf das festland von Schweden zu. Die Schwierigkeiten der Navigation halten sich in Grenzen. Wir müssen zwischen zwei betonnten Untiefen durch. Auf die Durchfahrt habe ich gestern Abend den Kurs abgesetzt. Morö, die größte Schäre auf dem Weg werden wir vorher an Steuerbord lassen. Ich habe den Steinklotz schräg vor uns bereits identifiziert. Also alles im grünen Bereich. Einige hundert Meter von uns entfernt wendet der Fischer. Jetzt wird er unseren Kurs kreuzen. Kein Grund für Aktionismus. Soviel freier Seeraum. Wir werden vor seinem Bug durchgehen. Als der Fischer deutlich heran ist, lässt der Wind nach. Plötzlich steht die Peilung.
„Komm Alter. Zwei Grad Kursänderung und du gehst hinter uns durch.“
„Hast du was gesagt?“
„Wir sind ausweichpflichtig.“ Mach schon… Tu mir den Gefallen…Ich weiss nicht wie lang die Schleppnetze sind, die er hinter sich her zieht und will keinen Umweg fahren. (Ich Depp, ich) Meine Hand geht zum Anlasser. Vorglühen. Da kommt der Wind zurück und wir gehen knapp zwanzig Meter vor seinem Bug durch. Am Heck des Fischerbootes arbeitet eine Gestalt im Ölzeug. Plötzlich schaut er auf und zuckt erschrocken zusammen. Ich grüße, er grüßt zurück. Erst als der kleine Fischkutter unser Kielwasser kreuzt, kann ich von der Seite die Leere hinter den bis dahin spiegelnden Scheiben der Brücke sehen, erkennen, dass er allein an Bord ist, der Kutter also keine Möglichkeit hatte zwei Grad vom Kurs abzuweichen…

Schweden: Segeln in den Schären

Die Sicht reißt auf

Es fängt an zu regnen und die Sicht nimmt dramatisch ab. Auch bringt die Wolke Wind. Ima zieht sich in die warme Kajüte zurück. Wir passieren Morö. Die nördlich Morös vorgelagerten Felsen sind in Sicht. Loran und Loreflut. Wenn nur die Sicht besser wäre. Irgendwo vor uns liegen die beiden Untiefen… Néfertiti marschiert auf einer geraden Linie geradewegs auf sie zu. Glaube ich… Hinter uns ist die Sicht inzwischen auch zu gegangen. Ich steuere weiter unseren Kompasskurs. Hätte gerne eine Standortbestätigung… Steuerbord voraus schälen sich aus der Watte die Umrisse eines weiteren Felsens. Das muss Sadlen sein. Eine Schäre östlich der beiden Untiefen. Loreflut liegt querab und schickt sich an im Grau zu verschwinden. Ich werde noch 0,2 sm auf Kurs bleiben. Wenn ich bis dahin die Untiefentonnen nicht ausmachen kann, werde ich auf Sadlen zuhalten und so die Untiefen umsteuern. Nach zwei Kabellängen ist noch immer keine der Untiefentonnen in Sicht. Ich ändere den Kurs.

Fünf Minuten später taucht eine Untiefentonne backbord voraus auf. Ich greife nach dem Fernglas. Westquadrant, ändere den Kurs abermals und wenig später ist auch die Osttonne der zweiten Untiefe in Sicht. Néfertiti läuft zwischen beiden durch.

Langsam reißt die Sicht wieder auf. Die Klippen des Festlandes nehmen zwischen den Wolken Gestalt an. Die Sonne kommt hervor. Majestätisch liegt die Felsenlandschaft vor uns. Unnahbar. Aber auch atemberaubend schön.
„Guck mal!“ Das ist Segeln in Schweden! Nicht immer schön einfach, aber einfach immer schön.
„Gleich!“ Ima ist in er Pantry zugange.

Wir erreichen den Schutz Ulsholmens. Ima steigt den Niedergang hoch.
„Tee?“
„Auja.“
Sie schenkt mir eine dampfende Muck ein und ich genieße, während die Felsen links und rechts immer näher kommen, bis nur noch eine Schlucht vor uns übrig bleibt. Unsere Durchfahrt. Hinter der engsten Stelle liegt Havstensund. Gemächlich gleitet Néfertiti an den Steganlagen vorbei.

Segeln in Schweden: Trossö

Friedlicher Ankerplatz

Eigentlich wollen wir zum Ankerplatz bei Killingen, aber Trossö lächelt uns so lieblich an, dass wir in den Wind drehen, die Segel bergen und uns unter Motor einen Ankerplatz dicht am Ufer suchen. Der Grund steigt steil an, was nicht gerade ideal ist, aber der Sandstrand deutet auf besten Ankergrund hin: Sand. Der Anker fasst beim ersten Versuch. Kurz Eindampfen. Ich gebe etwas mehr Kette als normal. Wir sind angekommen.
„Ist das schön hier.“

Meinen kleinen Steinbock zieht es zum Strand, so dass wir kaum, dass Klarschiff gemacht ist, Ben Nemsis zu Wasser lassen und an Land rudern. Während Ima danach ist, am Strand entlang zu spazieren, zieht es mich auf die Felsen. Das ist kein schlechtes Zeichen. Wenn man so eng aufeinander hockt, braucht man hin und wieder etwas Zeit für sich. Ich klettere die schlüpfrigen Felsen hinauf und werde mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Als ich zurück am Strand bin, hat Ima einige Muscheln gesammelt. Frischer geht es nicht. Es fängt an zu nieseln und wir flüchten zurück an Bord in die behagliche Kajüte, wo es in Kürze ein gar köstlich Candlelight Dinner geben wird…

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Dieser Blog Eintrag spielt am 25.8.

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