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Segeln als Digitale Nomaden

Ankerfreuden

Apr• 22•17

Der Wind hat ordentlich zugelegt. Die eine oder andere Fallbö schießt durch die Bucht auf Néfertiti herab. Bringt das Rigg zum Heulen. Ich lege meinen Schmöker zur Seite und riskiere einen Blick. Nicht aus Nordost, der erwarteten Richtung, gegen die wir geschützt wären, sondern aus Nordwest. Das bringt uns auf Legerwall.
„Hm!“
„Was ist?“
„Der Anker hält nicht.“ Der Felsen hinter uns ist bedenklich nahe gekommen.

Ich ziehe meine Crocs an und steige an Deck. Nehme die Persenning weg. Als ich fertig bin, sind wir noch ein gutes Stück näher an den Felsen. Ima kommt in Ölzeughose an Deck und startet die Maschine, während ich den Anker erst kurzstag und dann an Deck hole. Den Anker samt kiloweise Seegras und Schlick. Hätte ich mir mal auch die Ölzeughose angezogen… Ima steuert uns Richtung geschütztes Ufer, aber schnell wird es flach. Wir ankern. Ima dampft den Anker ein. Hand auf die Kette: Auch wer das noch nie gemacht hat, wird sofort den Unterschied fühlen können. Wird spüren, ob der Anker hält oder nicht. Ich spüre ein deutliches Ruckeln, als der Anker über den Grund rutscht.
„Leerlauf!“ Ima bedient die Maschine.
„Hält er?“
„Nein!“ Wenigstens kommt die Sonne heraus. Ich hole den Anker wieder an Deck. Wir fahren etwas weiter einen zweiten Versuch. Wieder hält der Anker nicht.
„Und jetzt?“ Etwas südlich liegt eine Mooringboje aus. Scheinbar privat, aber solange wir hier waren, hat da niemand festgemacht. Jetzt liegt sie bestens geschützt, bei dem angekündigten Nordost etwas weniger.
„Wir gehen an die Boje.“ Wenn der Besitzer kommt, können wir immer noch in den nahegelegenen Hafen ausweichen. Während ich unseren Anker an Deck verzurre und die Kette durch die Klüse führe, fährt uns Ima mit vorsichtigem Blick auf das Echolot in Richtung Boje.

Ankern in den Schären

Unterm Regen … ähm …Sonnendach ;)

Zurück im Cockpit schaue ich Ima an:
„Willst du das Manöver fahren?“
„Nee, mach du mal.“ Also tauschen wir die Positionen. Ima bereitet einen Festmacher vor, während ich Néfertiti behutsam an die Boje bringe. Den Bootshaken schnappe, um das Boot nahe an der Boje zu halten, während Ima die Vorleine einfädelt… Kaum sind wir fest, ziehe ich die kleine Mooringboje aus dem Wasser, um einen Blick auf die Verankerung zu werfen. An dem Bewuchs der Kette gemessen ist unser Unterwasserschiff eine öde, glatt polierte Fläche. Die bewachsene Kette ist allerdings richtig fett. Dagegen ist unsere Kette ein Spielzeug. Beruhigt lasse ich die Boje wieder ins Wasser. Aber die gemütliche, müßiggängerische Stimmung ist dahin. Ima fragt:
„Die Sonne ist herausgekommen. Wollen wir nicht einen Landausflug machen?“ Was tut man nicht alles für seine Lieben …

Wenig später strebt Ben Nemsis unter gleichmäßigen Ruderschlägen der Wiese zu. Genauer, der Weide. Die Kühe haben das Ufer in eine Suhle verwandelt. Ima sinkt mit dem ersten Schritt tief in den Modder ein und macht einen Rückzieher.
„Hier kommen wir nicht an Land.“ Es gibt noch einen Steg. Wir rudern hinüber, während Ima ihren Fuß über das Heck hinaus hängend reinigt. Obwohl ich leichten Fußes die Leiter auf den Steg empor klettere, traut Ima dem Gebilde nicht. Da schiebt sich auch wieder eine Wolke vor die Sonne.
„War eine Versuch wert. Lass uns nach Hause einen Tee trinken.“ Dem bin ich doch gar nicht abgeneigt!

Kaum sind wir wieder an Bord fängt es an zu regnen. Ima zündet Kerzen an und macht uns einen Ingwertee de Luxe. Schließlich sitzen wir gemütlich bei Tee und Keksen. Ich checke den Wetterbericht, den ich nach endlosen Minuten auch empfange. Morgen sind nur fünf Windstärken angesagt. Ich stehe auf und beuge mich über den Kartentisch. Während ich die Seekarte studiere, studiert Ima den Hamnguiden.
Ich greife Distanzen ab:
„Wir könnten nach Koster segeln.“ Ima grinst.
„Das wollte ich auch gerade sagen.“ Koster hat sogar drei Kringel: Eine Empfehlung von Hans Christian und Nils aus Hals, eine Zweite von Johan und Ima hatte die Insel auch nach den Fotos als lohnenswert eingekringelt. Wenn das keine Empfehlung ist ;)
„Aber ein paar Seemeilen sind ungeschützt.“
„Ach Klaus, lass uns trotzdem segeln. Ich wollte so gerne bis Koster kommen… Und das hätten wir dann geschafft!“

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 29.8.2016

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4 Comments

  1. Christian sagt:

    Lieber Klaus,
    wieder ein schöner Bericht, und gestern habe ich mir via Amazon-Link die 111 Gründe für unsere Bordbibliothek bestellt :-) Freue mich schon drauf!
    LG Christian

  2. Hi Klaus,
    sehr spannend geschrieben.
    Ich bin froh das es Internetautor wie dich gibt.
    Mach weiter so.
    Grüße
    Patrick

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