Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Für sich selbst eintreten

Mai• 05•17

Meine Zehen krallen sich in den warmen Sand. Es fühlt sich gut an. Die Sonne knallt heiß von einem blauen Himmel. Der Wald hinter uns gibt ganz passablen Windschutz. Fühlt sich an wie Sommer! Man hört das Rauschen der Brandung von der anderen Seite der Insel her. Aber hier atmet alles Ruhe. Am Morgen haben wir Néfertiti in das Gebiet verholt, das bis gestern Naturschutzgebiet war. Jetzt liegt sie friedlich wie im Hafen. In die Stille hinein sagt Ima:
„Ich kann noch eine Woche länger bleiben.“ Die Worte klingen in meinen Ohren nach wie Donnerhall: Eine Woche länger.

Eigentlich sollte diese Reise eine Reise zu mir werden, allein meinem eigenen Rhythmus folgend. Ohne Imas Einfluss, wie willkommen der auch zu anderen Zeiten ist. Drei Monate wollte ich mit mir alleine sein. Jetzt ist nur noch einer übrig… Ich schweige, höre in mein Inneres und spüre ganz deutlich, dass ich das nicht möchte. Ima sieht mir an, dass etwas nicht stimmt. Sie fragt:
„Was denkst du?“ Wie kann man das sagen, was ich jetzt sagen werde, ohne sie zu verletzen? Es geht nicht. Ima sieht mich forschend an. So höre ich mich sagen:
„Das waren zwei tolle Monate, eine wunderschöne Zeit für uns, aber jetzt brauche ich etwas Zeit für mich. Ich muss mich mal wieder einnorden. Das geht nur allein.“ Sie schluckt und wendet ihren Blick ab. Guckt geradeaus auf das Meer hinaus. Wir sitzen schweigend. Die Zeit dehnt sich. Auch mein Blick geht in die Weite. Plötzlich beugt sie sich zu mir herüber und gibt mir einen Kuss auf die Wange.
„Das verstehe ich gut. Dann steige ich also in Stromstad aus?“ In meinem Inneren zieht sich alles zusammen bei dem Gedanken, dass Ima von Bord gehen könnte. Alle tollen Momente ziehen an meinem inneren Auge vorbei. Aber ich weiß gleichzeitig mit einer tiefen inneren Gewissheit, dass es das Richtige ist. Dabei hat es nichts mit ihr zu tun! Wir haben uns wunderbar zusammengefunden. Sind in Schweden zu einem super Team zusammengewachsen. Die überstandenen schwierigen Situationen haben uns neu zusammengeschweißt. Allein Fjordholmen. Alles ist gut und doch brauche ich gelegentlich Zeit für mich. Jetzt. Ich sage mit einem Kloß im Hals:
„Ja.“ Wir sitzen wieder eine Weile schweigend. Ima zeigt Größe:
„Ist gut. Eigentlich wollte ich ja nur zwei Wochen mit und jetzt sind es zwei Monate geworden!“
Wir nehmen uns in den Arm. So bleiben wir lange sitzen. Beweisen uns mit der langen Umarmung, dass zwischen uns alles gut ist, auch wenn ich mir eine Zeit für mich alleine wünsche.

Schließlich schlendern wir Hand in Hand am Strand entlang, sammeln Muscheln für ein Mahl, das dem Festmahl im Hotel kaum nachstehen wird.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 1.9.17

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2 Comments

  1. Carsten sagt:

    …ich bin noch da – hänge etwas hinterher, aber dieser Blog-Eintrag zeigt mir wieder, dass ich unmöglich aufhören kann, Euch an Board zu begleiten! Danke.

    LG Carsten

    • Klaus Klaus sagt:

      Lieber Carsten,
      und ich dachte, Ihr segelt alle! :D
      Spaß beiseite. Schön, dass Du noch hier vorbei schaust.
      Tatsächlich ist dieser etwas unscheinbare Artikel einer der Wichtigsten für mich und ich freue mich total, dass Du das ähnlich empfindest. Vielen, vielen Dank dafür…
      Liebe Grüße
      Klaus

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