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Segeln als Digitale Nomaden

Tiefpunkt

Nov• 30•12

Wenn man seine Frau zum Segeln verführen will, sollte man eines nicht tun. Unter keinen Umständen sollte man den Backskistendeckel auf ihre Hand fallen lassen. Leider hatte mir das keiner vorher gesagt …

20.6. Dordrecht,  Staande Mastroute

Nach einer langen Fahrt unter Motor mit viel Schiffsverkehr kommen wir nach Dordrecht. Der Hafen hinter der Engelsbrugg ist voll belegt. In der milden sommerlichen Abendstimmung sitzen alle Bootsfahrer in ihren Cockpits und beobachten mein Einhand-Anlegemanöver. Iman kann nicht helfen. Ihr Arm schmerzt. Wie sich später heraustellt eine heftige Prellung. Ich habe den schweren Backskistendeckel zugeschlagen, ohne hinzusehen und damit ihren Arm geprellt … Sie ist wütend auf mich. Kaum sind wir fest macht sich ihr Ärger Luft. Die besinnliche Abendstimmung ist hin. Der ganze Hafen hört mit.

Segelboot Néfertiti im Stadthafen von Dordrecht

Néfertiti in Dordrecht

Was auch immer ich sage, ist Öl ins Feuer. Irgendwann schweige ich nur noch, aber dieser Sturm läßt sich so nicht abwettern… Iman will nach Hause.

Ein Mann unterbricht unseren Streit: Néfertiti müsse verholt werden. Sie liege an einem Platz, der für größere Boote reserviert sei.

Der Eigner der großen Motoryacht Isis hilft mir, denn Iman ist mit ihrem verletzten Arm außer Gefecht. Als Néfertiti glücklich in der engen Lücke liegt, raunt mir seine Frau zu:
„Nehmen sie doch ihre Frau in den Arm.“
Ein Blick auf Iman belehrt mich eines besseren:
„Ich glaube nicht, dass sie das im Moment zulässt.“

Wir setzen uns an den Kai und da fängt Iman auch schon wieder an. Ihr Ägyptisches Temperament bricht sich Bahn.
Es war ein Unfall, keine Absicht. Irgendwann reicht es mir. Ich stehe wortlos auf und mache einen Spaziergang in die Stadt.

Ich hatte ihre Verletzung nicht angemessen ernst genommen, zugegeben, aber ihr Wutausbruch ließ mich annehmen, dass sie nur sauer war und nicht verletzt… Tatsächlich wird sie ihren Arm noch wochenlang schmerzhaft spüren. Aber weglaufen wird mir nicht helfen. Wir müssen das lösen. Ich kehre um. Manchmal hilft Weglaufen aber doch …

Als ich zurück komme, lächelt mich Iman schelmisch an.
Wir nehmen uns versöhnlich in den Arm. Im nächsten Augenblick klatscht die Frau von der Isis Applaus. Auf der Nachbaryacht fällt einer mit ein und zuletzt klatscht der ganze Hafen.

Später gehen wir noch einmal in die Stadt ein Versöhnungseis essen. Der Himmel hat sich zugezogen. Es nieselt. Auch in Dordrecht hängen Tasche und Flagge nebeneinander im Giebel eines alten Patrizierhauses. Eine alte Frau steht in der Haustür, unschlüssig, ob sie bei dem Wetter raus soll oder nicht.
„Sagen sie mevrouw: Was hat es mit den Taschen auf sich?“
„Das machen die Schüler vor dem Examen. Das soll Glück bringen.“

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