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Leben als Digitale Nomaden

Das vergessene Ankerlicht

Mai• 24•17

Das Feuer brennt langsam nieder. Nur noch ein Glühen. Die Bucht liegt tief schwarz vor mir. Ich habe vergessen, das Ankerlicht einzuschalten. Néfertiti ist unsichtbar. Ich lege kein Holz mehr nach. Langsam geht das Feuer aus.

Ich schütte die Asche ins Wasser und suche (mehr tastend als sehend) meine Sachen zusammen. Ich weiß ungefähr wo Néfertiti liegen sollte. Wenn ich sie nicht finde, werde ich zurück zum Strand rudern, zur Not immer am Ufer entlang, bis ich den Strand in der Finsternis wiederfinde. Ein neues Feuer entfachen und einfach hier schlafen. Der Stein reflektiert die Wärme, und auf dem Sand könnte ich halbwegs bequem liegen, aber bei dem Gedanken an meinen kuscheligen Schlafsack…

Vielleicht finde ich Néfertiti, wenn ich näher dran bin. Ich schiebe Ben Nemsis ins seichte Wasser, stapfe barfuss hinterher, lege den Rucksack ins Schlauchboot und lasse mich über die Gummiwülste ebenfalls hinein gleiten. Greife nach den Riemen und richte das Boot mit zwei Schlägen so aus, dass der Bug in die Richtung zeigt, in der ich Néfertiti vermute. Wie konnte mir so etwas passieren? Die Dämmerung stand doch unmittelbar bevor, als ich aufgebrochen bin…

Ich lege mich in die Ruder und ziehe durch. Jeder Ruderschlag hinterlässt eine phoroszierend leuchtende Wolke im Wasser, die so schnell verglüht wie sie entstanden ist. Meeresleuchten! Sogar das Kielwasser. Was für ein Wunder der Natur. Was für ein Geschenk. Schlag um Schlag nähere ich mich der Stelle, wo ich Néfertiti vermute. Das Leuchten im Wasser ist nicht nur magisch schön, es hilft mir auch auf Kurs zu bleiben. Nach einer Weile halte ich inne und drehe mich um. Meine Augen suchen die Wasserfläche meterweise ab. Zumindest den weißen Kajütaufbau müsste ich doch sehen… Nichts.

Ich nehme die Riemen wieder auf und rudere weiter in die gleiche Richtung. Dass es hier sooo dunkel ist… Stoppe wieder. Da ist ein Schemen. Backbord voraus. Ich korrigiere den Kurs und wenige Ruderschläge später nehme ich den einen Riemen hoch und lasse Ben Nemsis in sanfter Kurve gegen Néfertitis Bordwand schwingen, wuchte den Rucksack an Deck und steige mit der Leine in der Hand hinterher. Belege die Leine auf der Achterklampe. Dann steige ich in die Kajüte hinunter und schalte als erstes das Ankerlicht ein.

♦♦♦

Dieser Blogger Beitrag spielt in der Nacht vom 4.9. auf den 5.9.

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6 Comments

  1. Christian sagt:

    Hallo Klaus,

    Witzig, beim Lesen des vorherigen Berichts dachte ich noch, ob er wohl das Ankerlicht angemacht hat? ;-)

    Bin übrigens immer aktuell beim Mitlesen, freue mich sehr über die schönen Schilderungen und auch über Deine Gedanken.

    Liebe Grüße, Christian

    • Klaus Klaus sagt:

      Hi Christian,
      schön, dass es ein paar treue Seelen gibt. Ich nehme mal an, dass sehr viele jetzt mit den eigenen Booten und Törns beschäftigt sind… Und ich habe noch keinen Schlag an Néfertiti gemacht… Peinlicherweise muss ich zugeben, dass mir das mit dem Ankerlicht auf dem Törn noch einmal passiert ist… Allerdings hatte ich da nicht erwartet erst im Dunkeln zum Boot zurück zu kehren…

      Liebe Grüße :)
      Klaus

  2. Christian sagt:

    Lieber Klaus,
    Dann hoffe ich mal, dass Du auch bald wieder unterwegs sein kannst. Wir sind aktuell auf Törn, was mich nicht hindert, immer wieder bei Dir reinzuschmökern. Aktuell überführen wir unseren Motorkreuzer vom Ijsselmeer zur Mecklenburgischen Seenplatte. Liegen gerade an der Weser :-)

    Liebe Grüße – Christian

    • Klaus Klaus sagt:

      Hallo Christian,
      Fahrt ihr über Nordostseekanal oder Elbe-Lübeck Kanal? Falls ihr an Hamburg vorbeikommt und Zeit und Lust habt, meldet euch gerne spontan. Meine Handynummer steht im Impressum.
      Liebe Grüße
      Klaus

      • Christian sagt:

        Hallo Klaus,
        leider nein, herzlichen Dank für die Einaldung, das hätten wir gerne gemacht!. Für Außenrum haben wir leider zu wenig Zeit. Wir sind auf der Weser Richtung Mittellandkanal unterwegs. Vielleicht ergibt es sich ein ander mal, würd mich freuen!

        Liebe Grüße
        Christian

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