Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Eine Joshua

Jun• 02•17

Néfertiti läuft unter Motor in den Sötekanal ein. Das Handy GPS läuft mit. Alle paar Sekunden schaue ich auf das Display. Zugegeben. Die Fahrt von Bake zu Bake würde das aus navigatorischer Sicht nicht unbedingt nötig machen…

Starkwindsegeln in den Schären

Steife Brise …


Gestern Abend hatte ich durch Zufall endlich die richtige Knopfkombination gefunden, um die Logge zu eichen. Jetzt wandert mein Blick ständig zwischen der Anzeige der Logge und der des GPS hin und her. Wenn ich mir die fehlende Stromschleppe der Baken ansehe, scheint kaum Strom zu stehen. Schreibe die unterschiedlichen Werte heraus. Verändere ständig die Geschwindigkeit , um möglichst viele Werte zu erhalten. Gebe später die gemittelte Abweichung in die Logge ein. (x1,93) Durch die besser gespreizten Werte kann ich Néfertiti endlich ordentlich trimmen. Der Unterschied zwischen 1,4 zu 1,65 Knoten ist einfach nicht so fühlbar, wie der von 2,8 auf 3,3 Knoten. Im Seegang mit seinen springenden Werten schon gar nicht. Auch psychologisch ist es besser eine 4 oder 5 vor dem Komma zu lesen als eine 2 … Hatte im Gespräch mit meinem Freund Christian immer gesagt, das Schotenzupfen sei nicht so meines. Das wird sich mit der geeichten Logge gründlich ändern… ;)

Grauer Himmel. Mäßiger Wind aus Süd bis Südwest ist angesagt, aber es soll im Laufe des Tages mehr werden. Ich freue mich auf die zu erwartende Rauschefahrt in den geschützten Gewässern. Bis Kungshamn kenne ich den Weg. Hier waren auch Ima und ich unterwegs, nach der unliebsamen Begegnung Néfertitis mit den Felsen. In der Nähe der Leuchtbake stoppe ich auf und setzte die Segel. Es geht dicht am Ufer ostwärts. Hinter der grünen Tonne bei Rammen luven wir an und segeln hoch am Wind gen Südsüdost. Der Wind legt zu. Bald herrschen gut sechs Windstärken. Nach einer Weile ist klar, dass es sich nicht nur um eine Bö handelt. Ich binde das erste Reff ins Groß ein.

Starkwindsegeln in den Schären

… und gute Fahrt

Hinter Malmön läuft eine große Yacht unter Motor ins Fahrwasser ein. Sie sind ein weites Stück vor uns. Sie sehen die kleine Néfertiti gegenan segeln und stoppen auf, um ebenfalls unter Segel zu gehen. Bis sie fertig sind, sind wir auf einer Höhe (nur eine halbe Seemeile in Luv). Sie haben zuviel Segelfläche stehen. Unter Vollzeug krängt die Yacht so weit zur Seite, dass ihr Boot nicht ins Laufen kommt. Eine ganze Weile versuchen sie hart auf der Seite liegend (und erfolglos!) uns abzuhängen. Das macht Spaß. Schließlich ist das Boot gut doppelt so groß wie wir.
Nach etlichen Meilen Kampf, kommt der Skipper auf die glorreiche Idee zu reffen. Danach läuft seine Yacht aufrechter… und schneller! Stetig zieht die große Yacht davon.

Von achtern kommt ein weiteres hohes Segel auf. Zügig nähert es sich. Da hilft auch kein Schoten zupfen. Vor Lysekil haben sie uns fast eingeholt. Drehen in den Wind. Ich erkenne die Silhouette sofort: Eine Joshua! Bin versucht umzudrehen und die Nacht in Lysekil zu verbringen, um einen Blick auf das schöne Boot zu werfen. Ich meine: Ist schließlich eine Joshua! (Ich liebe die Bücher von Bernhard Moitessier und habe dadurch ein besonderes Verhältnis zu seinem Boot, der Joshua. Wen es interessiert: Hier habe ich ausführlicher darüber geschrieben)

Aber die Sonne scheint und Segeln ist gerade so schön. Also Joshua hin, Joshua her: Néfertiti läuft mit raumem Wind weiter. Wir suchen Lindholmen am südlichen Ufer. Die Einfahrt ist kaum auszumachen. Ich drehe bei, nehme ein paar Peilungen. Steige in die Kajüte hinunter, bestimme den Schiffsort und segele dem abgesteckten Kurs folgend auf die Felsen zu. Da irgendwo ist eine Durchfahrt! … Muss eine Durchfahrt sein… Sollte die Durchfahrt sein… Falls ich falsch liege: Die Felsen fallen so steil in das Wasser hinein, dass es bis wenige Meter davor tief genug für Néfertiti ist. Wir gehen also kein Risiko ein. Zur Not kreuzen wir zurück nach Lysekil… Wo ist nur die Lücke in der Felsenwand? … Vor mir ist ein verwitterter weißer Fleck auf den Felsen. Das könnte eine Markierung auf dem sonnenbeschienen Felsen sein… Tatsächlich. Wir schlüpfen durch die enge Einfahrt. Dahinter weitet sich der Fjord. Genug Platz um die Segel herunterzunehmen. Aber will ich das? Etwas weiter versperrt eine Insel den Fjord und überhaupt: Kreuzen in dem schmalen Gewässer? Zwischen Wäldern und Felsen? Warum nicht? Johann hat dieses Fahrwasser als wunderschön gepriesen und auch diesmal trifft er meinen Geschmack. Schlag auf Schlag kämpfen wir uns zur Brücke vor. Leichter Gegenstrom. Ein Segelboot unter Motor überholt uns. Nach weiteren zehn Wenden sehe ich ein, dass der Gegenstrom stärker setzt als gedacht. Dass wir so nicht durch das Nadelöhr bei der Brücke kommen, denn im Engstück setzt der Strom so stark, dass wir immer wieder zurück versetzt werden. Jedes Mal kommen wir an dem gleichen Uferstein heraus. Höre im Geiste Imas Kommentar… Ich gehe schließlich in den Wind und berge die Segel.

Schärensegeln

Wo ist nur die Einfahrt?

Néfertiti läuft unter Maschine durch eine wunderschöne Landschaft. Der Himmel hat sich mittlerweile umgezogen. Trägt doch lieber grau. Vorbei an einer kleinen Werft. Ein Luftzug regt sich hier trotz Windschattens. Schnell rolle ich die Genua aus und stelle die Maschine ab. Mit halbem bis raumem Wind schleicht Néfertiti durch das enge Fahrwasser. Ein Mann winkt mir vom Ufer zu und hebt den Daumen. Bei Bassholmen öffnet sich die enge Fahrrinne wieder. Hier gibt es drei nicht in der Karte verzeichnete Muringbojen. Eine ist noch frei. Eigentlich wollte ich weiter zu Sofias Lieblingsinsel. Aber der Ankerplatz dort (Sandstrand) ist nach Süden schlecht geschützt. Ich schaue zu der freien Boje… Feierabend wäre auch ganz schön!

Kurzerhand segele ich einen Aufschießer. Néfertiti kommt gut. Ich rolle die Genua ein und mit der letzten Fahrt (etwas zu viel) komme ich nah genug an die Boje, um sie mit dem Bootshaken zu fischen. Eher mittschiffs als am Vorschiff, aber was soll’s… Was für ein schöner Ort. Die lieblichen Wälder schmeicheln der Seele. An der Nachbarboje liegt das Segelboot, dass uns an der Brücke überholt hat. Komisch. Das überlaute Radio stört mich nicht. Nicht einmal die Werbung… Auch wenn mir später, als es dämmert, der Gesang der Vögel reichen würde…

 

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Dieser Blog Artikel spielt am 6.9.

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