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Segeln als Digitale Nomaden

Ein Tag an dem alles möglich ist: Extrem Drifting

Jun• 08•17

Am nächsten Morgen springe ich aus der Koje, kaum, dass ich wach geworden bin. Prüfe voller Vorfreude den Ladezustand der Batterie. Die Batterie ist … ähm … nicht vollkommen aufgeladen. Zeigt nur 12,5 Ladung. Obwohl das Ladegerät in den Erhaltungsmodus geschaltet hat. Enttäuschung. Nicht Laden hätte auch jede Autobatterie für 70 € gekonnt. Aber ich habe das Dreifache ausgegeben.

Verwunschene Schären

Verwunschene Stimmung

Ich stoppe das Ladegerät, nehme das Stromkabel an Bord und wenig später tuckert Néfertiti durch den langen Hafenschlauch auf das Silo zu. Die Logge zeigt nichts. Kurzerhand hänge ich die Fender auf die Steuerbordseite und lege kurz bei der Werft an, wo man trotz der frühen Morgenstunde damit beschäftigt ist ein Segelboot aus dem Wasser zu holen. Niemand stört sich an mir. Ich schnappe mir den Schrubber und schrubbe den Geber der Logge frei. Lege nach zwei Minuten wieder ab. Es herrscht praktisch kein Wind und der gegenan. Also motore ich, bis ich den Fjord gen Südsüdwest erreiche. Motor aus.

Eine leichte Brise setzt ein und ich den Genaker. Anderthalb Knoten… Zwei… Anderthalb… Schließlich erstirbt die Brise wieder. Ich probiere meinen Riemen aus. Pullend komme ich auf etwa einen Knoten. Aber der selbstgebaute Riemen ist zu eckig zum Wriggen, verhakt sich immer wieder. Mit Raspel und Schleifpapier versuche ich Abhilfe zu schaffen. Am Ende ist das Deck voller Sägemehl, aber Pullen funktioniert immer noch besser als Wriggen. Ist aber auch anstrengender. Ima hat den Riemen an Deck gehasst.

Verwunschene Schären

Der Riemen

Jetzt schufte ich wie ein Galeerensklave. Längst habe ich mich des T-Shirts entledigt. Schweiß rinnt über meine Haut. Gut, dass sie mich jetzt nicht sehen kann, wie ich den Riemen wieder an seinem Platz verstaue, weil mir das ganze Prozedere nach knapp zwei Stunden zu anstrengend wird… Ich rede mir ein, eine leichte Brise habe eingesetzt, aber in Wirklichkeit stehen wir auf der Stelle. Zauberhafte Stimmung. Ich schieße ein paar Fotos und da ich gerade Netz habe, poste ich gleich eines auf dem Blog. Endlich benehme ich mich mal wie eine echter Blogger!

Während Néfertiti sich kaum von der Stelle rührt, steige ich hinunter in die Kajüte und bereite mir etwas zu essen. Dann nehme ich mir die Seekarte vor, auf der Suche nach einem alternativen Ankerplatz, denn bis Tjörn werde ich heute kaum kommen. Zur Not muss ich zurück nach Uddevalla. Wenn nur etwas Wind aufkäme… Oxholmen verfügt über eine reizvolle Ankerbucht. Hinter mir gibt es noch einen, der verrückt genug ist bei den 0 bis 1 Windstärken zu segeln. Er ist weit hinter uns in den Fjord eingebogen. Néfertiti findet eine Privatbrise und baut ihren Vorsprung aus. Der Lufthauch erstirbt wieder. Schade…

Néfertiti segeln unter Genaker

Some call it Extrem Drifting

Wenig später färbt sich vor uns die Wasseroberfläche dunkel. Da herrscht Wind. Etwas Wind. Die Kräuselung kommt näher und plötzlich bauscht sich der Genaker. Verkehrt herum. Der Wind hat um 180° gedreht. Ich berge das große bunte Vorsegel und setze die Genua. Kreuzen. Gut zwei Windstärken. Die anderen werfen den Motor an. Schade…

Die Bugwelle plätschert und das Geräusch scheint mir das Liebreizendste, das ich mir gerade vorstellen kann. Die Brise steht erst einmal durch. Die andern, die inzwischen unter Motor herangekommen sind, setzen wieder die Genua und sind jetzt schneller als wir. Ohne Motor würden sie immer noch hinter uns in der Flaute dümpeln. Jetzt ziehen sie an uns vorbei. Langsam segeln sie uns davon.

Oxholmen kommt in Sicht. Für die paar Meilen haben wir einen ganzen Tag gebraucht. Einen wunderschönen Tag. Johan hat mir mittlerweile abgesagt. Geschäftliche Termine. So frei ist er also auch wieder nicht…

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 8.9.

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