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Wie man seine Frau (zum Segeln) verführt

Begegnungen: Das Salz des Fahrtensegelns

Aug• 09•17

Lucky nimmt meine Leinen an.
„Ich wollte gerade zum Joggen los, als ich Néfertiti reinkommen sah.“ Jung,
gut aussehend, sympathisch. Sie würden nachher frühstücken. Ich sei herzlich eingeladen, wenn ich nicht zu müde sei.
„Gerne.“
„Ich gehe vorher nur Joggen.“

Strand auf Anholt

Anholts Hafenstrand


Während Lucky seine Joggingrunde absolviert, klare ich das Schiff auf. Was könnte ich denn zum Frühstück beisteuern? Vielleicht Imas köstlichen Sinai Honig. Er bedeutet ihr Heimat. Sie holt ihn nur zu besonderen Anlässen hervor. So wie diesen… Ich weiß, sie wird uns den Honig gönnen.

Im Waschraum treffe ich später auch Thomas und Hans Martin, die die Truppe der Eisbeere vervollkommnen. Die drei segeln ihren letzten Törn für dieses Jahr. Lucky ist großzügig:
„Willst du auf unsere Karte duschen? Sie ist noch voll…“
„Nee, danke.“ Werde mir später eine eigene Karte holen…

Der erste Eindruck von Anholt ist atemberaubend. Manchmal weiß man sofort, dass man an einen Ort gelangt ist, den man liebt. Dass man hier verweilen möchte. So geht es mir mit Anholt. (Wer mit dem Gedanken spielt, einmal nach Anholt zu segeln: Mach es!) Neben dem Hafen liegt ein kilometerlanger menschenleerer Sandstrand. (Mitte September) Bewaldete Höhen. Ich freue mich auf die Entdeckung der Insel. Werde auf alle Fälle diese Nacht hier bleiben! So schlendere ich mit Blick auf den Strand zu Néfertiti zurück, ein tiefes Glücksgefühl in meinem Inneren. Ich hänge mein Handtuch an der Reling auf und laufe mit dem Glas Honig in der Hand den Steg vor zur Eisbeere.

„Willst du Eier und Speck?“ Lucky steht am Herd.
„Auja.“ Wie lange habe ich das nicht mehr gegessen? Tolle Idee. Wenig später sitzen wir alle um den Salontisch der Eisbeere herum und lassen es uns schmecken. Mit Lucky muss ich nicht lange warm werden, aber ich habe den Eindruck, die anderen sind mir gegenüber etwas befangen. Der Segelbuchautor an Bord?! (Dabei fühle ich mich kein bisschen anders als vor dem Buch…) Oder bin ich der Eindringling in lebenslang gewachsene Freundesbeziehungen? Thomas und H. M. sind schließlich beste Freunde seit Jugendtagen. Ich stehe Rede und Antwort zum Buch, das Lucky sogar dabei hat. So bekomme ich auf Anholt das erste Exemplar zu Gesicht! Ein erhebendes Gefühl. Darf sogar eine Widmung schreiben…

Die Eisbeere läuft aus

Alte Freundschaften sind etwas Kostbares

Später gehen wir hinüber zu Néfertiti. Da ist das Eis längst gebrochen. Kleine Bootsbesichtigung, bevor die drei Richtung Norden aufbrechen. Gut, dass ich eben noch Klar Schiff gemacht habe. Nach einer Weile sagt H.M.:
„So, wir müssen mal los.“ Er will aufbrechen. Ich sage:
„Passt gut auf euch auf!“
„Du auch.“
Wenig später strebt die Eisbeere der Hafenausfahrt zu. Winken. Hoffentlich sehen wir uns mal wieder…

So alte Freundschaften sind etwas Kostbares. Diese Vertrautheit. Ich fühle mich zum ersten Mal ein wenig alleine, während ich den dreien hinterher sehe. Wünschte Ima wäre da, aber die habe ich ja weg geschickt…

Ich bin jetzt vollkommen wach. Ziehe mir die Wanderschuhe an und erkunde die schöne Insel. Vielleicht kann ich im Dorf einen Kaffee trinken. Ich laufe die einzige Straße bergan. Und hier ist Thomas vorhin mit dem Fahrrad gefahren?! Ich bin voller Bewunderung. Sollte unbedingt mehr Sport machen… Oder ist meine schnelle Erschöpfung der letzten Nacht geschuldet? Zum Dorf ist es weiter als gedacht. So biege ich von der Inselstraße ab und folge einem malerischen Waldweg Richtung Strand. Es ist wunderschön hier. Ich stapfe über den sandigen Boden. Sauge das Grün in mich auf. Vielleicht sollte ich einen Tag länger bleiben?

Zurück an Bord lege ich mich in meine Koje. Kuschel mich in den Schlafsack. Wohlig müde. Welch Luxus: Ich brauche keinen Wecker zu stellen, der mich in zehn Minuten wieder aus dem Schlaf reißen wird!

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 16.9.

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6 Comments

  1. Sebastian sagt:

    Herrlich geschrieben! Solche Begegnungen sind einfach großartig. Und ja, das Boot vorher aufgeräumt zu haben beruhigt – so man es denn getan hat… :s
    Viele Grüße,
    Sebastian

    • Klaus Klaus sagt:

      Herrlich kommentiert! :)
      Schön mal wieder von Dir zu hören. Wo bist Du diesen Sommer denn unterwegs?
      Liebe Grüße
      Klaus

      • Sebastian sagt:

        Im Augenblick in Cuxhaven. Ansonsten aktuell an Wochenenden je nach Wetter Außenelbe und gen Neuwerk. Vlt. auch nochmal Helgoland. Ende September hoffentlich noch mal richtig Nordsee. Vlt nochmal nach Ostfriesland oder Nordfriesland. Wetterabhängig halt. Und wenn alles gut geht segle ich dieses Jahr mit Bea Orca zur Hanseboot. :D Ihr seid dann natürlich herzlich an Bord eingeladen – so ihr dann überhaupt noch hier seit. Ansonsten sieht man sich vielleicht mal am Wochenende so auf dem Wasser.
        Jahresurlaub liegt aber halt schon hinter mir. Das waren dreieinhalb Wochen, von Cuxhaven bis Harlingen und wieder zurück. Neuwerk, Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Harlingen, Lauwersoog, Delfzijl, Helgoland, Neuwerk… und noch ein, zwei Ankerplätze im Watt dazwischen. Mal wieder festgestellt, dass ich das richtige Boot habe. :)
        Viele Grüße,
        Sebastian

        • Klaus Klaus sagt:

          Ja, das richtige Boot zu haben ist ein gutes Gefühl. Das kann ich Dir gut nachfühlen. Bis Harlingen? Dann gibt es ja noch ein paar schöne Artikel bei Dir zu lesen…

          Danke für die Einladung. Freue mich darauf, wenn es drnn klappen sollte. Tatsächlich steht bei uns momentan noch alles in den Sternen…
          Liebe Grüße
          Klaus

  2. Lucky sagt:

    Uh, da werde ich ja ganz rot :-)

    @Anholt: Die Insel ist wirklich ein Traum. Wir haben es dieses Jahr leider nicht ganz geschafft nochmals hinzufahren. Hätte gerne noch ein paar Tage dort verbracht. Im goldenen September letzten Jahres zeigte sich der Strand natürlich auch von der besten Seite. War echt schön dort.

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