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Segeln als Digitale Nomaden

Ein blöder Navigationsfehler

Jul• 24•18

Segeln von Pataholm nach Näset

Das Leben ist schön. Néfertiti läuft unter Genaker gen Norden. Zwei bis drei Windstärken. Herrliches Segeln. Blauer Himmel. Von zwei Tagen abgesehen, die wir in Buchten zwischen Karlskrona und Torhamn verlebt haben, hatten wir immer blauen Himmel.

 

Néfertiti, Segelboot, Pataholm

Vor Anker im Paradies von Pataholm

Fröhlich gluckst das Wasser an der Bordwand.
„Habibi?!“
„Ja.“
„Könntest du mir ein Brot schmieren?“ Da haben wir den Wehrmutstropfen. Ima hat sich den Mittelhandknochen gebrochen und mit einer Hand kann man fast nichts machen an Bord.

„Klar, mache ich.“ Die Windfahnensteuerung hält uns auf Kurs. Ich turne den Niedergang hinunter, um Ima ein Brot abzuschneiden.
„Tut mir Leid.“ sagt sie.

„Schon gut.“ Seit drei Wochen bin ich im Dauereinsatz. Nicht immer so geduldig wie heute.

Néfertiti steht irgendwo vor der Passage um Gasö. Zwischen zwei Untiefen hindurch die auch für uns zu flach sind. Ich suche die Tonnen. Backbord voraus liegt eine Schäre und dahinter das, was ich für Gasö halte. Aber ich kann die Tonnen noich nicht ausmachen. Ausgerechnet jetzt brist es auf und wir segeln mit 5 bis 6 Knoten auf die Untiefen zu. Dabei ist es erst Mittag, denke ich mir. (Jeden Nachmittag bekamen wir in Schweden einen auf die Mütze. Egal was der Wetterbericht angekündigt hatte, egal aus welcher Richtung der Wind wehen sollte, nachmittags lag der Wind immer zwei Windstärken drüber. Inzwischen bin ich dazu über gegangen die stundengenauen Angaben grob zu übersetzen in Angenehm, unangenehm und Sturm. Gerade herrscht „unangenehm“.)
Néfertiti läuft auf den Untiefengürtel zu und ich habe die Passage noch nicht ausgemacht. Ima liest in mir wie in einem offenen Buch:

Schären, Felsen, Schweden, Segeln

Auf dem Weg nach Näset

„Willst du den Genaker bergen?“ Eine Welle dreht Néfertiti aus dem Kurs. Néfertiti rollt und dabei schlägt der Genaker mit solcher Wucht, dass ein Stoß durch das ganze Boot geht. Irgendwie nimmt mir das auch den letzten Zweifel.
„Ja.“
„Kann ich helfen.“
„Brauchst du nicht.“ Die Windfahnensteuerung hält Néfertiti auf Kurs und wenn der Genaker unten ist, werden wir erst einmal keine Fahrt mehr machen.
Ich löse den Niederholer, der Genaker flattert wild, während ich zum Vorschiff eile und den Bergeschlauch herunter ziehe. (Was für eine geile Erfindung!)

Unter Genua segeln wir weiter auf die Untiefen zu. Irgendwie bin ich unruhig.
„Gib mir mal das Handy.“
Ima kramt unten. Vielleicht ist die Schäre, die wir fast erreicht haben schon Gasö?! Ima reicht mir das Handy. Navionics wird quälend langsam geladen. In dem Moment sehe ich die Tonnen. Wir stehen direkt vor der Einfahrt der Passage. Das bestätigt mir Navionics, als sich die Karte endlich öffnet. Was für ein blöder Navigationsfehler! Der Seegang ist zwar sehr moderat, aber hier auf die Felsen zu donnern …

Hinter der roten Tonne biegen wir in das innere Schärenfahrwasser ein. Der Seegang ist wie abgestellt. Ich setze das gereffte Groß und wir segeln haöben Windes weiter. Fünf Minuten lang. Dann hört der Wind auf. Mizt einem Knoten schleicht Néfertiti weiter. Ich denke gerade daran das Reff auszuschütten, als eine Bö über uns herfällt, Néfertiti auf das Wasser drückt. Das Reff passt schon!

Ein paar Minuten später liegen wir wieder bekalmt. Außerdem dreht der Wind immer vorlicher, so dass wir kaum anliegen können. Ein halbe Stunde später bin ich das Spiel Leid. Ich berge die Segel und starte die Maschine.

Zwei Stunden später liegt Néfertiti hinter Näset in einem großen Waldsee vor Anker. Nicht nur rundum geschützt, sondern auch optisch von Wald umschlossen, denn die Einfahrt ist verwinkelt und eng. Ab ud zu hören wir die Böen im Rigg orgeln, aber Néfertiti rührt sich kaum. Es mäßiger Ankergrund sein. Weicher Schlick und Seegras. Deshalb geht Ima zwei Stunden lang Ankerwache (Sie liest einen Krimi im sonnigen Cockpit), während ich mich auf der Koje ausstrecke, bevor ich uns später etwas Warmes zum Abendessen koche…

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 22.7.

Inzwischen sind wir weiter nach Oskarshamn gesegelt, wo ich diesen Beitrag ins Internet stelle.

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2 Comments

  1. Carsten sagt:

    Hallo Klaus,
    ich habe jetzt 4x den Absatz mit dem Navigationsfehler gelesen konnte den Fehler aber nicht finden. Du hast die Ansteuerungstonne doch gefunden.

    Gruß Carsten

    • Klaus Klaus sagt:

      :D
      So kann man es natürlich auch sehen. Aber vor allem war ich woanders als ich lange Zeit dachte. Das kann hier echt ins Auge gehen…
      Liebe Grüße
      Klaus

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