Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Endlich zurück!

Jun• 15•19

Jörg hat in einem Kommentar sinngemäß gefragt, ob Fahrtenseglers Glück am Ende sei? Damit sprach er sicher aus, was mancher von Euch auch gedacht hat. Ich fühle mich gerade wie ein verdammt schlechter Blogger und ich glaube, ich schulde Euch allen eine Erklärung:

Boot hinter Néfertiti am Steg

Pflanzen wuchern bei uns am Steg

Ich bin diesen Winter durch eine sehr schwere Zeit gegangen. Meine Schwestern und ich haben unseren Vater gepflegt. Erst bei ihm zu Hause im Rheinland, dann im Hospiz in Troisdorf. Wer den Blog aufmerksam verfolgt hat, ahnt zumindest, dass unser Verhältnis nicht ungetrübt war. Unter Ausklammerung aller alten Geschichten haben wir ihn in den Tod begleitet. Er wollte gehen. Zum Schluss konnte man ihn, der bei jedem Atemzug röchelte, kaum verstehen, da er nicht mehr die Kraft hatte den Schleim abzuhusten oder Worte zu artikulieren. Trotzdem hat er uns erkannt und begrüßt, auch wenn wir die Worte eher erahnen als verstehen konnten.

Als es zuende ging, waren wir alle drei Geschwister gemeinsam bei ihm. Früh morgens, lange vor der Dämmerung, sagte die Krankenschwester, dass es nun nicht mehr lange dauern würde. Wir haben stundenlang, im zehn Minuten Takt, versucht die Stiefmutter zu erreichen, die einfach nicht ans Telefon ging. Ich hielt die linke Hand meines Vaters, Ute die Rechte und Sabine strich ihm über den Kopf. Plötzlich hatte ich die Eingebung zu meinem Vater zu sagen:
„Papi, wir sind alle drei da. Ute, Sabine und Klaus. Wir sind bereit. Wenn Du gehen willst, kannst Du jetzt gehen.“ Drei, vier Atemzüge später hörte er auf zu atmen. Inzwischen habe ich begriffen, was für ein großes Geschenk er uns damit gemacht hat, denn oft gehen die Menschen, wenn gerade alle Angehörigen aus dem Zimmer sind. Wir standen zu dritt eng umarmt, traurig und doch voller Dankbarkeit. Ute brachte es später auf den Punkt:
„Alle drücken ihr Beileid aus, aber irgendwie fühlt es sich anders an. Als hätten wir Papi nicht verloren, sondern in dieser letzten Zeit zurück gewonnen.“

Toll war der Pleeser Wind, wie Solidarität in meinem Heimatdorf genannt wird. So viele Menschen haben uns geholfen. Selbstlos, wie selbstverständlich. Ich habe in dieser Zeit im Rheinland eine verlorene Heimat wiedergefunden. So viele schöne Menschen!

Jetzt wisst Ihr, warum ich erst im Frühjahr angefangen habe über den letzten Sommer zu schreiben, aber noch nicht, warum nichts davon im Blog erschienen ist.

Gestern bekam ich eine Mail von Birgit Radebold, der Lektorin des Verlags Delius & Klasing.
„Wieviele Leser hat denn Dein Blog?“ Ich musste fünf Passwörter eingeben, bis ich das Richtige erwischte. Solange hatte ich die Zahlen nicht mehr gecheckt und dann fielen mir die Augen fast aus dem Kopf. Da stand die Zahl, die mich auch jetzt tief rührt: 891.
Die Zahl bedeutet: 891Besuche in den letzten vier Wochen. Obwohl ich so lange nichts mehr geschrieben habe. Ich kann Euch gar nicht sagen, was mir das bedeutet. Danke. Ihr seid toll! Gleichzeitig erfüllt es mich auch mit Scham. Ich fühle mich wie ein verdammt schlechter Blogger. Und dann entdeckte ich auch noch Jörgs Kommentar. Es tut mir Leid, dass ich Euch so vernachlässigt habe.

Und ja. Ihr habt richtig gelesen: Delius & Klasing. Der bekannte Segelbuchverlag möchte mein nächstes Buch über unseren letzten Segelsommer in Schweden herausbringen. Noch suchen wir einen griffigen Titel. Sobald wir den Titel gefunden haben, der beide Parteien zufrieden stellt, werden wir in die letzten Vertragsverhandlungen einsteigen. In Birgit habe ich eine Lektorin mit der ich mich auf einer Wellenlänge fühle. Die ebenso herzlich wie kompetent ist. Und ich habe das Gefühl, dass wir an einem Strang ziehen… Zugegeben, noch stehen die Vertragsverhandlungen aus, aber im Moment fühlt sich das alles großartig an.

Für Euch bedeutet das, dass es im Herbst oder spätestens zur boot Düsseldorf ein neues Buch von mir geben wird. Ich halte Euch auf dem Laufenden. Versprochen!

In den nächsten Tagen werde ich in einem anderen Artikel auf unsere weiteren seglerischen Pläne eingehen. Denn, lieber Jörg, Fahrtenseglers Glück lebt!

 

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8 Comments

  1. Moin, lieber Klaus,
    es ist Sonntag, eine Minute nach Sechs. Vor vier Stunden kam Deine E-Mail mit dem Hinweis auf Deinen neuen Blog-Eintrag.
    Ich bin froh zu hören, dass Du den Kokon des Abschiednehmens verlassen hast und die Flügel des Literaten bald getrocknet sein werden. (ich nutze die Gelegenheit, die mir dieses Bild bietet, und vergleiche Deine Texte mit der Farbenpracht eines Schmetterlings) Ich freue mich schon darauf, dass Du uns mit Deinem Feinsinn und Deiner offenen, ehrlichen Art an Eurem letzten Törn teilhaben lässt. Du lädst uns ein, an Bord zu kommen, und nimmst uns mit auf kleine oder große Fahrt. Und so sind wir dabei, wenn Du all das erlebst, was uns nur in unserer Fantasie und unseren mehr oder weniger geheimen Träumen vergönnt ist – ob aus Feigheit, Mutlosigkeit (oder zugunsten unserer Karriere). Das macht mich glücklich und gibt mir ein erhabenes Gefühl, wenn ich an der Pinne sitze, die Großschot in der Hand – selbst wenn ich „nur“ mit der Jolle über das Zwischenahner Meer fahre. Aber das genügt mir vollends, weil ich durch Menschen wie Dich zumindest in meinen Gedanken auf große Fahrt gehen kann.
    Nun, da in Deinem Herzen und Deiner Seele wieder klar Schiff ist, darfst Du gerne die Leinen loswerfen und Kurs nehmen auf den nächsten Schlag durch Deinen Blog. Ich nehme Deine Einladung gerne an, rufe Warschau und komme an Bord der Néfertiti.
    Viele liebe Grüße aus Oldenburg in Oldenburg
    Andreas

    • Klaus Klaus sagt:

      Lieber Andreas,
      danke für die schönen Worte. Und das mit dem Schmetterling gefällt mir ;)

      Es wird bestimmt noch ein paar Nachwehen geben, aber erst einmal bin ich so froh, den Kopf wieder oben zu haben…

      Alles Liebe
      Klaus

  2. Matthias sagt:

    Hallo Klaus!
    Du bist,durch belastende Zeiten gegangen und deren Nachwehen werden Dich auch noch beschäftigen. Schön zu sehen, dass Du nun langsam wieder in Dein angestammtes Fahrwasser zurück findest und dies zudem auch noch von so angenehmem Erfolg begleitet wird. Es ist ja nicht nur das finanzielle Zubrot, sondern auch die Anerkennung und Wertschätzung, die Du dadurch erhältst. Klaus, alles Drei hast Du verdient!
    Ich freue mich für Dich!
    Viele Grüße an Dich und auch an Ima
    Matthias

    • Klaus Klaus sagt:

      Lieber Matthias,

      ohja! Ich empfinde das Interesse von Delius und Klasing wie einen Ritterschlag. Habe ich in meinem Leben doch soooo viele Bücher dieses Verlags gelesen. Alle meine großen Helden sind hier erschienen. Es kommt mir noch ganz unwirklich vor, dass ich mich da jetzt einreihen soll… :)

      Liebe Grüße
      Klaus

  3. Jörg sagt:

    Lieber Klaus, erstmal mein Beileid.
    Das Leben ist ein auf und ab, hin und her. Belastende Aufgaben werden zu tiefsinnigen Ereignissen, Blogs zu Büchern.
    Das Leben ist eines der geilsten!
    Viele liebe Grüße
    Jörg

    • Klaus Klaus sagt:

      Lieber Jörg,
      Du sprichst mir aus der Seele. Alles ist im Fluss. Dieses wunderschöne Leben. Wir sollten es wirklich feiern, solange wir hier sind.

      Liebe Grüße :)
      Klaus

  4. Carsten sagt:

    Hallo Klaus,
    nach jedem Tief folgt zum Glück auch irgend wann wieder ein Hoch. Freuem mich, dass es weiter geht und noch mehr auf Dein neus Buch. Eine schöne Anerkennung der literrarischen Arbeit durch diesen angesehenen Verlag

    Gruß Carsten

    • Klaus Klaus sagt:

      Lieber Carsten,
      schön mal wieder von Dir zu hören. Ich habe es nicht vergessen: Wir wollten eigentlich längst mal wieder einen Kaffee zusammen getrunken haben. :)
      Wenn Dein Dienstplan es zulassen sollte, gib mir Bescheid wann. Ich weiß noch nicht, wann wir loskommen, aber vermutlich erst Anfang August…
      Liebe Grüße
      Klaus

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