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Segeln als Digitale Nomaden

Alltag auf der Seehundbank

Feb• 16•20

Als ich morgens aufwache arbeitet Néfertiti in einer leichten Welle. Auf und nieder … auf und nieder … Wahrscheinlich hat mich das geweckt. Ima ist auch wach:
„Was ist denn das für ein Seegang?!“ Ich streife den kuschelig warmen Schlafsack ab, steige aus der Koje und schiebe das Luk auf. Mäßiger Wind aus Südost. Ima guckt mich fragend an:
„Und?“

Fischkutter im Watt vor der Seehundbank

Kurzer Besuch bei der Seehundbank

„Wind gegen Strom, vielleicht drei bis vier Windstärken. Alles easy.“
„Na, wenn du das sagst.“ Mein Blick geht zur Osthuk Langeoogs. Ich habe hier gestern im Stockdunkeln nur mit Hilfe des Echolots geankert. Jetzt bin ich erstaunt wie nah der Strand ist. Dutzende Seehunde räkeln sich dort ähnlich faul wie ich eben.
„Wir ankern direkt vor einer Seehundbank.“
„Echt?!“ Das lockt auch Ima aus der Koje. Wir stehen eine Weile umarmt im Niedergang. Hinter uns nähert sich das sonore Tuckern eines alten Schiffsdiesels. So alleine wie gedacht, sind wir doch nicht. Ein Fischkutter auf Touristenfang nähert sich mit vollen Netzen. Naja. Halbvollen Netzen. Der gleiche Kutter, der gestern vor uns den Hafen verlassen hat. Er fährt zehn Meter an uns vorbei. Die Touristen haben allein Augen für die Seehunde. Fotoapparate werden bereit gemacht. Nur der Steuermann und der touristische Beifang winken uns zu. Wir winken zurück. Der Kutter fährt näher an die Seehundkolonie heran. Das veranlasst allerdings keinen der Seehunde seinen Platz zu verlassen. Ist scheint’s Alltag auf der Seehundbank. Auch, als er wenige Meter vor dem Strand aufstoppt. Zehn Minuten später sind wir wieder alleine.


Die Strömung zerrt stark an Néfertiti. Wir wollen heute weiter segeln. Vorbei an Langeoog und bei Baltrum ankern. Bis es am Wattenhoch Langeoogs tief genug für uns ist, wird es allerdings Mittag sein. Wir haben also noch viel Zeit.

„Klaa-uuus?“
„Ja.“
„Hast du Lust … uns ein Brot zu backen?“ Ein Brot backen?!
„Geile Idee. Aber erst einmal brauche ich einen heißen Tee.“ Das lässt sich einrichten.

Nach meiner … ähm … Tee-Meditation knete ich einen einfachen Teig aus Mehl, Wasser, Salz, Pfeffer und Olivenöl. Hefe oder Backpulver habe ich leider keines an Bord. Geht auch so. Kurz darauf wird der Teig in der Pfanne zu einem Fladenbrot „gebacken“. Der Geruch frischem Brots zieht durch die Kajüte Néfertitis.
„Hmmm … Köstlich.“ Ima ist total glücklich, als ich zum Frühstückstisch bitte, obwohl gerade eine der ersten (unangekündigten) Starkwindböen weiße Schaumkronen um uns her zaubert und Néfertiti ganz schön im Seegang arbeitet.
„Wir könnten auch nach Langeoog in den Hafen.“ Ima sieht mich grinsend an:
„Schaun wir mal.“ Wenig später ist die Bö durch.

Wattfahrwasser, Pricke, Langeoog

Heute stellt uns das Watt vor keine Probleme

Eine Stunde vor Hochwasser segeln wir raumschots mit 4 Knoten durch das Wattfahrwasser. Nur unter der Genua. Hangeln uns von von einer Pricke zur anderen. Zum Wiederwarmwerden mit dem Watt hätte ich mir durchaus etwas weniger böigen Wind gewünscht. Aber wir nehmen es wie es kommt und versuchen das Beste daraus zu machen. Das Watt ist heute gnädig und stellt uns vor keine Probleme. Nirgends wird es für uns flacher als einsneunzig, so dass ich keine Fahrt durch Reffen herausnehme. Néfertiti gleitet durch das schlickbraune Wasser, zieht ihre spurlose Spur. Hinterlässt nur ein paar Blasen, die auch bald Vergangenheit sein werden.

Auf der Höhe des Hafens von Langeoog schaut Ima mal, wie angekündigt. Das Ergebnis ihrer Schau tut sie auch sogleich kund:
„Lass uns weiter segeln. Ich möchte lieber ins Watt.“ Ich auch.
Wenig später erreichen wir das innere Seegatt und nehmen den Abzweig zum Baltrumer Wattfahrwasser. Einen ausgewiesenen Ankerplatz gibt es hier nicht. Unsere einzige Möglichkeit zu Ankern ist im Fahrwasser. (Was noch eine Rolle spielen wird!) Im ersten Teil ist es so tief, dass wir auch bei Niedrigwasser schwimmen werden. Aber ich denke, im sehr flachen Baltrumer Wattfahrwasser wird nur nahe Hochwasser Verkehr herrschen und dann ist hier Platz genug, um an uns vorbei zu fahren. Der Anker fällt zwischen zwei Tonnen. Ein Stück weiter liegt wieder eine Seehundbank. Sozusagen im Nicht-Naturschutzgebiet. Das ist hier im Watt gar nicht so leicht zu finden. Aber die Seehunde scheinen sich wohl zu fühlen. Es dauert auch nicht lange, da bricht die erste Seehundschnauze durch die Wasseroberfläche, kurz darauf eine zweite, eine dritte, eine vierte… Eine ganze Seehundfamilie kommt zum Guten Tag sagen. Auf gute Nachbarschaft!

Morgen soll es wieder ordentlich wehen. Mal gucken, ob wir dann in den Hafen gehen…

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