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Segeln als Digitale Nomaden

Handtuchträger

Apr• 11•20

Morgens rudern wir die paar Meter an Land. Es weht immer noch schwachwindig aus Ost. Während ich pulle, fragt Ima:
„Willst du heute unbedingt weiter?“
„Nein. Wir könnten bleiben solange Ostwind herrscht.“ Gegen alle anderen Richtungen wäre der Ankerplatz schlecht geschützt. Ima grinst mich an:
„Ich finde das toll hier am Strand. Wie richtiger Urlaub.“ Letzteres überhöre ich geflissentlich…

Fähre vor Norderney

Die einzigen Wellen weit und breit

Wir landen an und ich verankere das Dinghy. Ima lässt sich im Sand nieder um zu meditieren. Ich jogge barfuß am Strand entlang. Platsch platsch. Immer direkt am Wasser entlang. Irgendwo auf dem Nordstrand drehe ich um. Nach einer Weile erkenne ich vor mir eine bekannte Silhouette. Ima kommt mir entgegen. Sie will in die Stadt:
„Unser Obst geht zur Neige.“
„Ich habe kein Geld dabei.“
„Aber ich.“

„Und keinen Rucksack. Lass uns doch nachmittags gemeinsam einkaufen gehen.“ So machen wir es. Erst einmal schlendern wir Hand in Hand zurück. Schon von weitem sehen wir, dass unser Dinghy zwischenzeitlich okkupiert wurde. Handtücher hängen zum Trocknen auf den Gummiwülsten. Als wir ankommen ist einen Moment nicht so Recht klar, wem die Handtücher gehören. Zwei ältere Damen kommen aus dem Wasser und gehen auf uns zu. Da wir bei ablaufendem Wasser angelandet sind, sind das nicht nur zehn Meter. Während die eine verlegen daneben steht entschuldigt sich die ndere wortreich. Hier sei alles voller Sand und sie hätten sich nicht anders zu helfen gewusst.
„Kein Problem.“ Die Wortführerin schaut mich etwas zweifelnd an und ich füge hinzu:
„Wirklich nicht. Solange das Dinghy hier am Strand liegt können sie es jederzeit wieder als Handtuchhalter nutzen!“ Die Dame ist nicht ganz sicher, ob ich das Ernst meine, aber das tue ich. Warum auch nicht? Perfekter UV-Schutz! Sie schaut forschend von mir zu Ima. Aber die sieht das genauso. Schließlich nickt die Dame:
„Danke.“ und wir verabschieden uns herzlich.

Ankern vor Norderney

Noch ein himmlischer Ankerabend

Mittags kochen wir gemeinsam unter dem Sonnendach. Ich schnibbele Gemüse und Ima macht den Rest. Auf dem Vorschiff ist es fast zu heiß, aber im Schatten unter dem Sonnendach ist es richtig angenehm. Eine leichte Brise kühlt. Wir genießen unser leckeres Mahl, eine Kreation von Ima, den Kalt-warmen Salat.

Heute ist Montag. Die Motorboot-Armada von gestern gehörte zur Wochenendschicht. Wir bleiben am Ankerplatz fast allein. Nach dem Morgenausflug checken wir die Vorräte. Ima hat Recht. Unsere Obst und Gemüse Kiste verzeichnet einen bemerkenswerten Schwund.

Nach einer gewissen faulen Periode laufen wir zum Einkaufen in die Stadt. (Wenn man erst einmal an Land gerudert ist, ist das von hier aus viel näher als vom Hafen.) Autos auf den Straßen und Massen von Touristen in den Fußgängerzonen. Wir schieben uns durch das Gewühl. Ima verwöhnt sich mit einem Fischbrötchen während mir der Sinn eher nach einer guten alten Pommes steht. Reinste Kindheitserinnerungen. Als Kind litt ich schwer unter Asthma. Nachdem unsere Eltern durch Zufall herausgefunden hatten wie heilsam das Meeresklima für mich ist, sind wir jeden Sommer nach Holland ans Meer gefahren. Auf dem Campingplatz gab es auch eine Pommesbude und so sind für mich Sommer, Sonne, Strand und Pommes irgendwie untrennbar miteinander verbunden. Eigentlich gehören noch sandige Rosinenbrötchen dazu. Kein Problem. Die finden wir später im Supermarkt auch noch! Sogar ohne Sand.

Zurück auf dem Boot laden wir Schätze aus dem Rucksack. Jedes einzelne Paket bedeutet Unabhängigkeit. Zumindest für ein paar Tage. So packen wir lauter Stücke von Freiheit aus. Morgen wollen wir weiter zum Kalfamergatt segeln, das vermutlich viel einsamer sein wird, als der Strand hier.

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt m 26.8.

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6 Comments

  1. David sagt:

    Hallo Ima, hallo Klaus,

    geht es euch gut?

    Viele Grüße

    David

  2. Lieber Blog-Schreiber,

    bitte setz mich auf den Newsletter-Verteiler. Ich lese Ihren Blog sehr gern.

    Besten Dank,

    Burkhard Graßmann

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