Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Schnecken

Jan• 25•13

Ameland. Im Hafen von Nes.
Iman wollte nur mal kurz zum Supermarkt einkaufen. Ich sitze unter Deck und mache Notizen für unseren Blog. Als ich fertig bin, strecke ich den Kopf zum Niedergang hinaus. Eine Bö heult im Rigg. Kein Wetter zum Segeln. Aber die Sonne scheint. Iman ist schon eine gefühlte Ewigkeit weg. Wo bleibt sie nur? …

Strandwanderung Ameland nach einigen Tagen Segeln auf der Nordsee

Gut, dass wir jetzt nicht auf der Nordsee segeln


Nach einer Weile gehe ich ihr entgegen, aber weit und breit ist keine Gestalt zu sehen, die auch nur entfernt nach Iman aussieht. Man muss gar nicht bis in den Ort. Am Ortseingang liegt der Supermarkt.  Tatsächlich entdecke ich Iman am Obststand mit einem riesigen Einkaufskorb. Ich nähere mich ihr von hinten.
„Schöne Frau, darf ich ihnen die Sachen nach Hause tragen?“
Iman fährt herum und lächelt mich dann an:
„Ja. Gerne.“
Wieder am Boot sind wir schneckenlangsam. Keiner hat Lust sich den Ort anzuschauen. Schließlich haben wir ja auch mit Néfertiti unser eigenes Schneckenhaus dabei. Ein fauler Tag muss auch mal sein!  Also lungern wir am Steg herum und freunden uns mit den anderen Stegliegern an, die heute auch keine Lust hatten auf die Nordsee raus zu fahren. Iman hat eine schöne Art auf Menschen  zu zugehen. So frei und unbefangen.
Auch für den nächsten Tag ist frischer Gegenwind angesagt. Also verlängern wir unseren Hafenaufenthalt. Allerdings weniger faul.

In aller Herrgottsfrühe brechen wir am nächsten Morgen zu einer Inselwanderung auf. Laufen durch die menschenleeren Gassen von Nes, einem verschlafenen Inseldorf. Der einzige Mensch, den wir sehen, fegt die Terrasse eines geschlossenen Cafés. Der Himmel ist grau in grau und es ist kalt. Gegen die Kälte hilft nur Bewegung und so wandern wir zügig zum Nordstrand. Setzen uns dort auf eine Bank und trinken einen Tee aus der Thermoskanne. Mein Auge schweift zum Horizont. Die Wellen donnern auf den Strand. Der Sand wird vom Wind aufgehoben und durch die Luft geschleudert. Es tut weh, wo er auf die nackte Haut knallt. Heute ist die Nordsee rauh! Schön, dass wir hier sind und nicht draußen. Frisch gestärkt brechen wir wieder auf. Es fängt an zu regnen und wir suchen Schutz auf der Terasse eines großen geschlossenen Strandcafés.
Was können wir hier tun? Abwarten und noch einen Tee trinken. Und die holländischen Lakritze sind auch echt lecker.

Nach Tagen segeln auf der Nortdsee wandern wir über Ameland

Sprache der Nicht-Blicke

Nach einer Weile fährt ein Wagen vor. Zwei junge Männer laden kistenweise Milch aus. Das Café sei noch geschlossen. Sie finden unsere Anwesenheit lästig und wir sind froh, als es kurz darauf aufhört zu regnen. Wir marschieren den menschenleeren Strand entlang. Nur ein paar Angler haben sich hergewagt. Wir wechseln kein Wort mit ihnen. Allein die Sprache der Nicht-Blicke sagt, dass wir hier nicht willkommen sind. Als wir ein bisschen weiter gegangen sind, sage ich:
„Komische Stimmung.“
„Typische Inselbewohner halt. Die sind immer ein bisschen mürrisch.“
Irgendwann biegen wir vom Strand ab und wandern einen wunderschönen Dünenweg entlang. Es nieselt. Schnecken kriechen über das Gras. Plötzlich fragt mich Iman: „Magst Du Schnecken?“
„Weiß nicht.“
„Wir könnten Schneckensuppe machen.“
Ich gucke sie an. Ich bin mir wirklich nicht sicher, was ich davon halten soll. Als Kind habe ich mal welche probiert und … naja: Ich lebe immer noch. Aber jetzt wird mich das Überwindung kosten. Aber da ist wieder die romantische Idee von der Selbstversorgung:
„OK. Lass es uns versuchen.“

Nach Tagen Segeln auf der Nordsee unternehmen wir endlich eine Wanderung

Der Schneckenpfad

Also sammeln wir Schnecken. Jagdfieber packt uns. Oder sollte ich sagen: Sammelleidenschaft?! Sie sind kleiner als Weinbergschnecken und bald haben wir eine kleine Tüte voll. Genug für einen Versuch. Als wir auf dem Rückweg wieder durch Nes kommen, verstehe ich die mürrische Zurückhaltung der Inselbewohner. Was für ein Rummel! Eine Invasion von Touristen wälzt sich durch die Straßen. Nichts erinnert mehr an das verschlafene Inseldorf vom Morgen.

Zurück im Hafen bunkern wir erst einmal Wasser. Iman kocht die Schnecken und gibt sie als Zutat in eine leckere Gemüsesuppe. Schnecken haben objektiv betrachtet einen zarten Geschmack. Man könnte auch sagen: Sie sind köstlich. Aber ich kann nicht vergessen, dass es schleimige Kreaturen sind… So bleibt es auf meinem Teller ein Versuch, während Iman die Schnecken voller Appetit isst.

♦♦♦

 

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

2 Comments

  1. ich habe mit Begeisterung gelesen! Ameland und Vlieland sind für mich die schönsten westfriesischen Inseln. Einmal dem Watt verfallen, ist es schwer, wieder loszukommen.

  2. Klaus sagt:

    Lieber Volker,
    sieht so aus als wäre „Crazy“ auch ein ideales Schiff für’s Watt! 1m Tiefgang. Ameland ist wunderschön. Vlieland haben wir leider nicht besucht. Aber wir waren bestimmt nicht zum letzten Mal in der Waddenzee …
    Eine Frage hätte ich noch an Dich.
    Beim Überwintern im Wasser: Wie schützt Du die Ventile? Bei Eis?
    Liebe Grüße
    Klaus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.