Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Der Nordsee entgegen

Okt• 28•13

Über Nacht hat der Wind abgeflaut. Néfertiti dümpelt auf der Elbe. Wir segeln mit einem Knoten Fahrt. Geschätzt, denn der Impeller des Logs hat sich zugesetzt und das Log zeigt keine Fahrt mehr an.

Segeln auf der Nordsee kann so gemütlich sein

Krimifieber

Wir haben pünktlich um 6 den Anker gelichtet. Erreichten um 6.40 das Hauptfahrwasser und eine viertel Stunde später kenterte die Tide. Soweit perfekt. Wir segeln hoch am Wind, noch im Zeitplan. Bleigrauer Himmel…

Eine Stunde später segeln wir immer noch langsam elbabwärts. Wenn nur ein bisschen mehr Wind wehen würde. Kaum habe ich das gedacht, stirbt die leichte Brise ganz. Nach kurzem innerem Kampf (Ich weiß, dass Iman weiß, dass ich am Liebsten segeln würde bis die Tide kentert. Um neben dem Fahrwasser zu ankern, bis die Flut durch ist und dann mit dem nächsten ablaufenden Wasser nach Cuxhaven zu segeln. So habe ich es früher mit der motorlosen Jolle auch gehalten. Aber ich weiß, dass für Iman der Motor erste Wahl ist und nicht zweite. Sie konnte meinen Zwiespalt diesbezüglich auf der letzten Fahrt nie verstehen und kann es sicherlich auch jetzt nicht. Außerdem wollen wir in Cuxhaven einkaufen. Wenn wir heute Mittag ankommen, wäre das perfekt.) Nach diesem kurzen inneren Kampf starte ich also den Diesel. Iman grinst mich aus dem Niedergang heraus an und reicht mir einen Becher dampfenden Tees mit den Worten:
„Danke, dass du den Motor gestartet hast.“
Ich grinse zurück: „Danke, dass du den Tee gemacht hast.“
„Willst du ein Brot?“
„Gerne.“
Huch. Was für eine aufmerksame Stimmung an Bord. Fast schon unheimlich.

Wir segeln auf die Nordsee hinaus

Elbmündung

Iman setzt sich mit ihrem Schmöker ins Cockpit. Die Genua flappt im Fahrtwind und ich rolle sie weg. Das Groß steht so gerade. Es fängt an zu regnen und Iman zieht sich ins Trockene zurück. Gleichzeitig kommt der Wind wieder. Genau gegenan. Mit Motorunterstützung können wir haarscharf anliegen. Aber der Regen ficht mich nicht an. Der Motor auch nicht. Ich sitze nass und glücklich auf der harten Cockpitgräting. Endlich fühlt es sich so an, so als seien wir unterwegs.

Gegen Mittag erreichen wir Cuxhaven. Kräftiger Strom setzt quer zur Hafeneinfahrt. Iman holt das Nebelhorn aus dem Schapp und trötet einmal lang zur Warnung, als wir dreißig Meter vor der Einfahrt stehen. Aber es kommt uns niemand entgegen. Néfertiti gleitet ins ruhige Hafenbecken und wir finden einen Liegeplatz weit genug  innen, wo der Schwell vorbeifahrender Schiffe nicht so stark ist.

Letztes Jahr hat Iman in Cuxhafen ihre heiß geliebte Wollmütze gekauft. Leider ging die verloren. Ersatz muss her. Wir finden den Laden wieder. Er führt auch immer noch die Mützen. Aber die letzte wurde gerade verkauft. Ersatz gibt es erst wieder im Winter…

Abends bunkern wir Wasser und ich versuche das Rädchen der Logge mit dem Schrubber außen an der Bordwand gangbar zu machen. Keine Chance. Also lasse ich Echna zu Wasser und versuche das Rädchen mit der Hand zu erreichen. Es sitzt tiefer, als ich dachte. Also Hemd ausziehen, Luft anhalten und mit dem ganzen Oberkörper unter Wasser tauchen. Nach dem ersten Schock ist das Wasser gar nicht soooo kalt. (Aber fast.) Segler bleiben stehen und sparen nicht mit Kommentaren. „Ich würde das Log einfach rausziehen.“ ist mir der liebste. Das würde ich unter keinen Umständen machen. Fehlte noch dass Néfertiti am Steg absäuft. Da friere ich lieber einen Moment…

Es dauert einige „Tauchgänge“ bis ich das Rädchen erwische. Da ich schon einmal nass bin, schrubbe ich noch die ganze Bordwand. Néfertiti lag den Winter über im Wasser und es haben sich eine Menge Seepocken gesammelt. Die hatte ich zwar im Frühjahr abgeschrubbt, aber in der Beuge des S-Spantes bin ich mit dem Schrubber nicht überall hingekommen. Nach einer Stunde Bürsten und Striegeln ist Néfertiti fertig für die Überfahrt nach Wangerooge. Und ich für eine heiße Dusche. Der Wetterbericht verspricht einen idealen Tag… Die Nordsee ruft. Morgen segeln wir ins Watt!

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