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Segeln als Digitale Nomaden

Die Waschmaschine von Norderney

Dez• 13•13

Am nächsten Morgen wecken mich zirpende Schraubengeräusche. Schribbschribbschrabbschribbschribbschrabb … Ein Blick auf die Uhr. Es ist halb sieben. SCHRIBBSCHRIBBSCHRABB … Die Schraubengeräusche kommen näher. Im Dunkeln konnte ich nicht sehen, wo wir genau ankern. Vielleicht mitten im Fahrwasser?! Ich sollte besser nachschauen! Schüttele die Müdigkeit ab, stehe auf und strecke den Kopf aus dem Niedergangsluk …

Hafen Norderney, Segelschule, Schiff namens Freundschaft

Manche Schiffsnamen …

Alles klar. Wir liegen jetzt auf der südlichen Seite des Priels. Platz genug. 1-2 Windstärken. Die Schraubengeräusche kommen von dem Plattbodenschiff, das uns letzte Nacht zum Narren gehalten hat. Es nähert sich zügig. Ich steige an Deck und winke den Holländern zu. Sie winken zurück und laufen weiter Richtung Norderney.

In Norderney kann man sich günstig (ohne Inselzuschlag) verproviantieren und außerdem hat Iman die Nase voll von Abenteuern. So gehen wir gegen 7 Uhr ankerauf und segeln mit Motorunterstützung zurück zum Hafen von Norderney. Der Hafen ist voll. Während ich noch auf das Schiff der Segelschule zuhalte, um dahinter nach einem Platz zu suchen, preit uns ein Mann auf dem Kopfsteg an: Er werde gleich ablegen. Wir legen uns in Warteposition, während die anderen ablegen. Kaum sind wir fest, melden wir uns beim Hafenmeister. Das letzte Mal war Néfetiti zu schmal für den Platz, den wir uns ausgesucht hatten. Auch diesmal bittet uns Jörg, der sympathische Hafenmeister, zu verlegen, sobald etwas passendes frei werde.
„Aber erst einmal könnt ihr Euch hinlegen und schlafen.“ Toll. Wir schlendern über den Steg zurück und ich freue mich auf die Koje.
„Vorher noch ein Teechen?“ Iman will mich nach der Nacht verwöhnen, und das gefällt mir… Drei Minuten später klopft es an Deck. Auf dem Steg steht Jörg:

„Entschuldigt, aber da vorne ist etwas frei geworden.“ Na besser jetzt als in einer halben Stunde…
„Ok.“

Wir werfen sofort die Leinen los, aber die fünf Minuten dauern doch zu lange. Die holländische Winesome Blue hat sich auf den uns zugewiesenen Platz gelegt. Wir gehen längseits und das wird der Anfang einer herzlichen Nachbarschaft. Da keine Steckdose in Reichweite mehr frei ist, werden sie sogar Imans Handy über Nacht aufladen… Danke.

Wir klönen von Bord zu Bord. Irgendwie bin ich jetzt auch wach und begleite Iman in das Städtchen, um einzukaufen. Als wir zurückkommen liegt die Sirius auf uns. Eine Gruppe Jugendlicher unterwegs auf Vaters Boot. Tolle Jugendliche. Rücksichtsvoll, umsichtig, hilfsbereit. Bei solchen Jugendlichen muss man sich um die Zukunft des Segelns keine Sorgen machen…

Abends entdeckt Iman die Waschmaschine. Ganz Frau der Tat sammelt sie Schmutzwäsche, um zu waschen.
„Jetzt?“ Ich bin etwas erstaunt, schließlich gehen wir (insbesondere Iman) immer recht früh ins Bett.
„Klar.“

Schiff Deusch Sowjetische Freundschaft

… einfach zu lang. (Wer genau hinschaut…)

Kaum zurück legt sie sich auf ihre Koje, liest etwas in ihrem Buch und sagt dann:
„Oh… bin ich plötzlich müde.“ Ich sage vorsichtshalber gar nichts dazu.
„Habibi?“ süße Stimme. Ich ahne schon, was kommt.
„Ja-aa.“
„Habibi, magst du dich um die Wäsche kümmern?“ Ich ziehe erst einmal die Stirn kraus. Schließlich habe ich letzte Nacht kaum geschlafen. Von mögen kann keine Rede sein.
„Nö.“
„Ich bin so müde und… Der größte Teil der Wäsche ist eh von dir.“ Das ist natürlich ein Argument, dem sich auch der müdeste Skipper nicht verschließen kann.
„Hm!?…“ Ein tiefer Blick in Imans braune Augen. „Ok… Ich mach’s. “
„Hätte ich die Wäsche besser erst morgen waschen sollen?“ Was soll man darauf schon antworten?
„Ja.“
„Tut mir leid, Habibi.“
„Schon ok.“ Welcher Idiot hat den Gentleman erfunden?

Später schläft Iman friedlich und ich spaziere durch den nächtlichen Hafen. Als die Maschine endlich fertig ist, werfe ich die Teile einzeln in den Trockner. (Danach steht es in Sachen Kleidungsstücke übrigens 31:11 für Iman.) und spaziere noch einmal durch den menschenleeren Hafen. Danach ist der Trockner leider immer noch nicht fertig. Also drehe ich noch eine lange Runde. Außer mir scheint niemand mehr wach zu sein. Inzwischen kenne ich hier jeden Stein und jedes Boot. Als ich zurückkomme steht der Trockner endlich still.

Wenig später klettere ich mit einem Sack voller trockener, duftender Wäsche über den Bugkorb an Bord. Parke den Wäschesack auf dem Kartentisch und falle in die Koje. Herrlich. Behaglich kuschel ich mich in den Schlafsack und bin in der gleichen Sekunde eingeschlafen.

♦♦♦

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2 Comments

  1. Klaus sagt:

    Manche Namen sind nicht nur zu lang, sondern seit Langem obsolet :-)

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