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Segeln als Digitale Nomaden

Die Strömung ist zu stark

Dez• 20•13

Die Sandbank versinkt. Wir waten durch das Wasser auf Echna zu. Iman steigt als erste ein, ich ziehe unser Schlauchboot ins Tiefere, steige ein, schüttele meine Füße in der Luft, damit nicht sooooviel Wasser ins Boot kommt, greife nach den Riemen und lege mich ins Zeug. Die Strömung treibt uns ab, ich rudere mit mehr Kraft, Wasser spritzt.
„Ey! Du machst mich nass!“
„Sorry.“ Ich rudere mit aller Kraft, aber wir kommen nicht näher an Néfertiti heran …
Wieder spritze ich versehentlich Iman nass. Sie guckt mich durchdringend an.
„Was ist los?“
„Die Strömung ist zu stark. Ich komme nicht gegenan.“ …

Tai Chi im Meer

Wat(t)-Vergnügen

Ich drehe Echnas Bug zurück Richtung Sandbank. Als wir heute morgen aufbrachen, war das hier noch ganz easy. Wenigstens scheint die Sonne von einem freundlichen Himmel auf uns herab. Für alle Fälle haben wir den Anker meiner alten Jolle dabei. Ich werfe ihn. Im Notfall müssen wir halt ankern, bis die Strömung abnimmt. Aber erst einmal entledige ich mich meiner Hose. Iman sieht meinem Treiben zweifelnd zu. „Was machst du da?!“
„Ich werde uns treideln, bis wir genug Stromluv haben, um Néfertiti zu erreichen.“ Mit den Worten lasse ich mich über die Bordwand gleiten. Das Wasser reicht mir über die Knie. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Ich ziehe Echna hinter mir her. Als es tiefer wird, haben wir noch lange nicht genug Strömungsluv. Ich werfe den Anker abermals, klettere an Bord und ziehe mich ganz aus. Hemd, Unterhose und Handy müssen ja nicht nass werden. Der Strom setzt hier südwestlich über die versunkene Sandbank ins Watt, während Néfertiti in einem westsetzendem Strom liegt.
„Sexy!“ Ich sehe Iman grinsend an. Sie hat ihren Humor doch noch nicht verloren. Das ist gut.
„Was machen wir, wenn wir hier stundenlang ankern müssen?“
„Uns wird schon was einfallen.“

Klaus treidelt Echna gegen die Strömung

Treideln gegen die Strömung

Damit lasse ich mich wieder über Bord gleiten. Als mir das Wasser bis zur Brust geht, ist die Strömung so stark, dass ich uns nur noch zentimeterweise voranbringe. Ich verliere das Gleichgewicht und sofort hat mich die Strömung zwei Schritte zurückgeschoben. Unglaublich welche Kraft dahinter sitzt.
„Wirf den Anker!“ Iman lässt den Anker hinunter und ich klettere hoch, trockene mich ab und ziehe etwas über. Ich glaube von hier aus haben wir eine Chance. Ich verschnaufe kurz. Jetzt gilt es! Nehme den Anker hoch und rudere mit aller Kraft los. Mit Macht setzt uns der Strom entgegen. Wir kommen kaum von der Stelle. Ich rudere und rudere. Wasser spritzt, aber Iman beschwert sich schon lange nicht mehr. Langsam, schleichend langsam, arbeiten wir uns vor. Ich werfe einen Blick über die Schulter zu Néfertiti. Könnte klappen. Sind noch gut in Stömungsluv. Ich rudere wild. Dann rutschen wir über eine Strömungskante. Plötzlich setzt der Strom nicht südwestlich ins Watt, sondern westlich entlang des Priels. Jetzt ist es leicht in Luv von Néfertiti zu gelangen. Kann sogar die Ruder hängen lassen, während uns die Strömung sanft zu Néfertiti trägt. Bald ragt die Bordwand vor uns auf, zwei letzte Ruderschläge, dann sind wir längsseits.

Segelboot Néfertiti ankert im Watt

Endlich in Strömungsluv von Néfertiti

Jetzt haben wir uns ein fürstliches Frühstück verdient.
„Wie wäre es mit Pfannekuchen?“
„Haben wir noch Sahne?“
„Klar.“ So verlegen wir unser Sonntagsritual auf Freitag. Während wir schlemmen, wechselt der Himmel sein Outfit. Blau ist ihm wohl zu bunt. Lieber hellgrau. Oder doch dunkelgrau?! Bald prasselt ein Regenschauer auf uns herunter. Das wäre im Schlauchboot lustig geworden …

Iman ist müde. Ich übernehme großzügig den Spül. (Normalerweise macht das bei uns der, der nicht gekocht hat.) Als ich fertig bin, ist Iman eingeschlafen. Nirgends schläft sie so gut wie auf Néfertiti… Ich zünde eine Kerze an, schenke mir noch eine Muck Tee ein und richte mich gemütlich auf meiner Koje ein. So fühlt sich Glück an.

Der Regen prasselt auf das Kajütdach und ich versinke in einer Welt voller Drachen, tollkühner Helden und schöner Prinzessinnen. Der Wind, der heute nur mir 1-2Windstärken säuseln sollte, heult im Rigg. Néfertiti schaukelt im Schwell, aber kein Vergleich mit neulich nacht im Riffgatt. Ich stehe immer mal wieder auf, schiebe das Luk auf, wenn es gerade mal nicht regnet. Überall weiße Schaumkronen auf den Wellen, die allerdings nicht hoch werden. Unfreundlich draußen. Schnell wieder runter in die Geborgenheit der Kajüte. Das Barometer scheint auf 1020 hPa festgenagelt zu sein. Wettervorhersage hin oder her: Der Wind wird erst Nachts wieder abflauen. Es ficht mich nicht an, mehr schon, dass ich in den frühen Abendstunden meinen Schmöker durch habe …

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6 Comments

  1. 12seemeilen sagt:

    Wow, da weiß einer, wie man schreibt :)
    Es ist nachvollziehbar, dass Iman so gut schläft – insbesondere bei Sturm ist so ein Segelboot doch wie ein riesiger Schaukelstuhl ;)

  2. Klaus sagt:

    Wow, da weiß einer, wie man Komplimente macht :)
    Liebe Grüße
    Klaus

  3. Bertram sagt:

    Hai Klaus, ein tolles neues Jahr 2014 und, wann geht es endlich mal um hemmungslosen Sex im Wattenmeer, oder noch besser die „Wetter-und Beziehungskapriolen“. Das lese ich am liebsten, in deinem wunderbaren Blog….
    ciao, addio mio caro amico ; )

    • Klaus sagt:

      Was?! Wilder hemmungsloser Sex?! An Bord von Néfertiti? Habe ich da etwas vergessen? … Obwohl, da gab es eine Nacht … An die ich mich nicht mehr richtig erinnern kann … Am Morgen lagen Sektflaschen an Deck … Kleidungsstücke im Cockpit und auf der Reling … Ach, nee! … Das war
      ja der Große Wäschetag. Lieber Bertram, weiß Joana eigentlich, was Du da so postest? ;) :D

      Liebe Grüße
      Klaus

  4. Bertram sagt:

    nein, meine liebste weiß von nichts… einer meiner „heimlichen“ Träume:
    …Flaute und nichts zu tun als auf frischen Wind zu warten?
    Doch!!!
    Sex auf einem Segelboot und kein Mensch in Sicht, nur ein paar Möwen kreisen am blauen Himmel. Ein Segelboot, das ist doch ein ausgefallener Ort und das hier ein herrlicher Traum, oder?…

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