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Segeln als Digitale Nomaden

Juist verlassen: Noch’n Versuch

Jan• 03•14

Heute morgen wollte Néfertiti keinen Meter segeln.  Vierzig Minuten nach Hochwasser hingen wir wie einbetoniert im Schlick fest. Später brach ein Gewitter aus, das uns froh sein ließ, nicht ausgelaufen zu sein. Aber jetzt hat sich alles wieder beruhigt. Eine Stunde vor dem zweiten Hochwasser des Tages, scheint Néfertiti wieder zu schwimmen. Zumindest schwankt sie leicht, wenn man an Bord klettert:
„Wollen wir es jetzt schon versuchen?“
„Ja.“   …

Segeln im Memmert Fahrwasser, Wattenmeer

Imans Lieblingsplatz

Ich starte den Motor. Langsam rückwärts. Steige auf den Steg, löse die Springs und schieße sie auf.  Iman löst die Steuerbordvorleine. Ich ziehe Néfertiti am Want zurück, sie lässt sich bewegen. Setze sie ab, das Heck schwingt in die richtige Richtung. Ich führe Néfertiti soweit zurück, wie es geht und steige im letzten Moment über, der Wind drückt den Bug noch weiter herum. Ich gebe voraus und langsam nimmt Néfertiti Fahrt auf. Obwohl das Echolot 1,40 anzeigt, fährt Néfertiti wie durch Wasser. Kein Vergleich zu heute morgen. Dabei sind wir zeitlich weiter vom Hochwasser entfernt als heute morgen. Welcher wohlgesonnene Gott mag uns da festgehalten haben?

Néfertiti schlüpft durch die enge Hafenausfahrt in den Vorhafen Juists. Wir setzen die Genua. Während Iman steuert, kümmere ich mich um die Navigation, was ein bisschen hochtrabend gesagt ist, denn eigentlich fahren wir nur von Pricke zu Pricke. Als wir das Juister Wattfahrwasser fast hinter uns gebracht haben, wird es unübersichtlich, da das Fahrwasser abknickt und in der alten Fahrtrichung die Tonnen des Memmert Fahrwassers liegen. Iman steuert geradeaus auf die rote Tonne des Memmertfahrwassers zu. So erhalte ich doch noch Gelegenheit des Navigators Daseinsberechtigung nachzuweisen… Eigentlich wollten wir segeln, sobald wir das Memmert Fahrwasser erreichen. Leider können wir nicht anliegen. Also laufen wir trotz schöner fünf Windstärken mit Motorunterstützung. Die See ist kabbelig und wir leinen uns an. In der Osterems, einer der breitesten Baljen im ostfriesischen Watt, wird es rauh werden. Strom gegen Wind. Besser, wir sind vorbereitet!

Segeln in der Osterems

Handiger als erwartet

Als wir die Fahrwassertrennungstonne zur Osterems erreichen, hat der Wind allerdings auf höchstens 4 Windstärken abgeflaut. Motor aus. (Aaaaaaaah) Abfallen. Néfertiti rennt mit raumem Wind gegen den Strom an. Die Verhältnisse sind wesentlich handiger als erwartet. So macht segeln Spaß! Néfertiti marschiert mit 4 Knoten gen Greetsiel. Wie einfach sich die Navigation gestaltet, wenn die See moderat ist und die Sicht gut. (Als wir das letzte Mal nach Greetsiel segelten, herrschten hier 8 Windstärken. Das Sperrwerk öffnete deshalb nicht mehr die Brücke…) Es dämmert und der Himmel zeigt ein grandioses Farbenspiel.

Mit dem letzten Büchsenlicht nähern wir uns dem Sperrwerk. Bei Tonne 9 haben wir Grundberührung. Das Echolot springt auf 1,50m, aber Nefertiti schiebt sich über die Untiefe. Die Zufahrt ist sehr schmal. Die meisten Pricken stehen längst auf dem Trockenen. Vorsichtig nähern wir uns dem Sperrwerk. Es ist verdammt flach.

„Wie ein Krimi,“ sagt Iman, „spannender als jeder Tatort.“ Ich freue mich. Aus Iman wird scheinbar doch noch eine echte Seglerin und frage nur um sicher zu gehen:
„Macht es dir Spaß?“
Ich erwarte ein Nicken, aber sie schüttelt den Kopf:
„Ich will nur noch in die Koje!“

Es flaut ab

Unterwegs

Schon von weitem leuchten die roten Lichtsignale. Waagerecht nebeneinander. Das Sperrwerk wird nicht mehr bedient. Ich drehe eine Runde, um mich zu orientieren. Das Echolot zeigt 1,40m, aber Néfertiti fährt wie durch Wasser. Weicher Schlick. Am Wartesteiger liegt ein Segelboot und ein kleines Arbeitsboot. Damit sind die Stegplätze belegt. Ich versuche an dem Segelboot längseits zu gehen, aber wir bleiben 3m vorher stecken. Das Echolot zeigt 1,20 m. Also noch ein dritter Anlauf mit mehr Fahrt. Diesmal schieben wir uns längseits und Iman steigt über, bzw. versucht überzusteigen, aber irgendwie ist ihr das Ganze zu kipplig. Ich habe derweil die Achterleine belegt. Néfertiti liegt eh fest im Schlick, also keine Eile.

Ich steige über und übernehme die Vorleine von Iman. Verdammt ist das andere Boot rank! Ich kämpfe um mein Gleichgewicht und verliere fast. Fühle mich erst sicher, als ich das Want zu fassen kriege. Die Klampen der Jenny, so heißt das Bötchen, haben den Namen nicht verdient. Verwöhnt von Néfertitis kräftigen Klampen kommt mir das hier wie Spielzeug vor. Ich bringe also für alle Fälle wenigstens noch eine Landfeste nach Luv aus. Achtern geht das nicht, weil die Leine mit dem Außenborder der Jenny kollidieren würde. Der Wind kommt jetzt aus SW. Solange das so bleibt, reicht aber auch die vordere Landfeste. Scheint niemand an Bord zu sein. So werde ich wohl diese Nacht wieder mit einem offenen Auge schlafen müssen…
Iman fällt in ihre Koje, während ich es mir in meiner Koje gemütlich mache. Bei Tee und Lakritz noch Notizen für den Blog niederschreibe. Aber wir sind schon seit Ewigkeiten wach und so langsam drückt die Müdigkeit mir die Augenlider nach unten: So lasse ich Blog Blog sein und lösche das Licht.

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Segeln im Ley Fahrwasser

Farbenspiel am Himmel

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