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Segeln als Digitale Nomaden

Die Fischer von Greetsiel

Jan• 06•14

Nachts legt der Wind zu. Heult richtig im Rigg. Ich denke an die Spielzeugklampen der „Jenny“, dem Segelboot an dem wir längsseits liegen, und schlafe unruhig. Hoffe nur, dass der Wind nicht auf NW dreht. Jede Stunde wache ich auf, höre das Pfeifen im Rigg, quäle mich aus dem Schlafsack und werfe einen Blick in die Runde…

Segelboot Néfertiti segelt durch den Kanal nach Greetsiel

Im Kanal nach Greetsiel

Immer noch Südwest. Alles ok.  Kann weiterschlafen.

Morgens spaziere ich über den Deich. Der Wind wuschelt in meinen Haaren. Bestimmt 5-6 Windstärken. Ich suche die öffentliche Toilette im Schleusenhäuschen ( Kein Klopapier. Gut dass ich vorsorglich welches mitgenommen habe.) Auf dem Rückweg sehe ich im Leyfahrwasser einen Fischkutter, der auf das Sperrwerk zuhält. Ich eile zum Boot zurück und wecke Iman:
„Lass uns schnell machen. Dann können wir mit dem Fischkutter durch die Schleuse.“

Der Kutter läuft durch die Einfahrt des Vorbeckens. Greet 23 steht in großen Buchstaben an der Bordwand. Der Rudergänger öffnet die Tür zum Ruderhaus und winkt uns einen Gruß zu.
„Dürfen wir in der Schleuse auf euch liegen?“
„Klar.“

Aber noch ist die Schleuse nicht offen. Einer der Männer bringt eine einzelne Leine an Land, dann hängt der Kutter im Wind wie eine Jolle. Inzwischen ist Iman fertig. Ich habe bereits Landfeste und Spring weggenommen, als sich die Schleusentore öffnen. Erst legt sich der Fischkutter in das Schleusenbecken, dann gehen wir längsseits. Sie sind jetzt den dritten Tag draußen und haben nur 200kg Granat mitgebracht. Ich bedaure den Fischer, aber der sagt: „Besser als wenn die Preise im Keller sind, weil es zuviel Granat gibt. Man arbeitet achtmal soviel und verdient das Gleiche. Wart ihr gestern bei dem Gewitter draußen?“
„Nee.“ Wir erzählen von unserem Mißgeschick.
„Wir waren mittendrin. Das war heftig! Seid froh, dass ihr nicht draußen wart.“

Ich dachte Fischer sind so abgebrüht, dass so ein kleines Gewitter nicht mehr zum Gesprächstoff taugt. Aber anscheinend war das selbst für die Fischer eine Extremsituation.
Die binnenseitigen Schleusentore öffnen sich. Wir verabschieden uns herzlich. Die beiden werfen unsere Leinen los und wir segeln endlich nach Greetsiel. Tatsächlich können wir richtig segeln. Ein paar Meter hinter der Schleuse ziehen wir die Genua auf, stellen die Maschine ab und segeln durch den schilfumstandenen Kanal. Nur krächzende Vogelschreie und das Heulen des Windes. Sonst ist es still. Die Erhabenheit dieser Natur, lässt unser Gespräch verstummen. Iman nimmt sich das Fernglas, hockt sich auf das Kajütdach und schaut und schaut und schaut. Allein für diesen Kanal lohnt es sich einmal nach Greetsiel zu segeln.

Segelboot Néfertiti segelt durch den Kanal nach Greetsiel

Segeln im Kanal

Der Gästesteig in Greetsiel ist belegt. Wir drehen eine Ehrenrunde, dann steuere ich einen Motorsegler an, um längsseits festzumachen. Von da aus können wir in Ruhe gucken, ob und wo wir innen noch ein Plätzchen ergattern können. Soweit der Plan. Langsam laufen wir an. Zehn Meter, fünf Meter. Da stürmt ein Mann an Deck, aber nicht, um unsere Leinen anzunehmen:
„Nicht anlegen!“ Noch drei Meter. Seine ganze Körperhaltung drückt nur eines aus: Was wollt ihr von mir?! Hier kommt keiner längsseits!

Ich lege leicht Steuerbordruder und Néfertiti startet durch. Wer will schon freiwillig neben so jemandem liegen? Er merkt wohl selbst, dass er sich im Ton vergriffen hat und ruft:
„Drinnen ist bestimmt noch Platz… Zum Beispiel…“ Er guckt sich um, „…da!“ Er zeigt auf die Innenseite des Gästesteigers. Das spielt uns in die Karten, trotzdem finde ich die Haltung unkameradschaftlich. So laufen wir durch das flache Wasser auf der Innenseite (1,60m). Außen sind noch Schlengelplätze von Clubmitgliedern die zur Zeit unterwegs sind.
„Rot oder grün?“ Iman steht auf dem Vorschiff.
„… Grün, beide grün.“

Da sind wir schon über den Eindrehpunkt hinweg. Ich fahre noch ein bisschen tiefer in die Hafengasse hinein und wende dann gegen den Wind auf engem Raum. Leider war ich ein bisschen zu vorsichtig (langsam) und Néfertiti hat noch nicht durch den Wind gedreht, als ich mangels Platz aufstoppen muss. Außerdem arbeitet der Radeffekt gegen uns, so dass ich säge: Vor und zurück, vor und zurück (Jetzt mit mehr Gas). Endlich dreht Néfertiti durch den Wind. Jetzt haben wir gewonnen. Wir steuern den äußersten der freien Plätze an. (Später werde ich feststellen, dass es der Liegeplatz der Keerlke ist, neben denen wir in Juist gelegen haben. Irgendwie empfinde ich das als ein gutes Omen.) Ein Segler ist durch unser Manöver aufmerksam geworden, klettert von seinem Boot herunter auf den Steg und nimmt unsere Leinen an.
„Danke.“ Er winkt ab:
„Gern geschehen.“

Wir sind fest in Greetsiel.

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