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Segeln als Digitale Nomaden

Best Blog Award: 11 Fragen – 11 Antworten

Jan• 28•14

Der Best Blog Award, auch „Blogstöckchen“ genannt, wurde uns ehrenvoll überreicht. (Timo würde sagen „zugeworfen“)
Es ist eine Auszeichnung von Bloggern für Blogger. Und nun hat es uns erwischt…

 

Blogger: Best Blog Award, Blogstöckchen

Best Blog Award: Das Blogstöckchen

 

Das  „Blogstöckchen“ wird von Blog zu Blog weitergereicht. Uns wurde es von Timo Peters (Bruderleichtfuss.com) … zugeworfen. Ja, genau: Timo ist der, der über den Atlantik getrampt ist. Ich freue mich darüber, zumal ich  Timos Reiseblog selbst schon lange verfolge. Toll, wenn jemand, den man selbst gut findet, einen auch gut findet … :)

So. Genug erklärt. Hier sind Timos Fragen und meine Antworten:

1. Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Wenn Geld überhaupt keine Rolle spielen würde? Natürlich Segeln. Auf Langfahrt. Ein Jahr lang. Mindestens. Im Sommer Nord- und Ostsee erkunden und im Winter Richtung Süden segeln … Allerdings: In einer Beziehung lebend lassen sich solche Entscheidungen ja nicht mehr autark treffen. Außer Geld bräuchte ich also wahrscheinlich auch eine Menge Charme …

Um ein Jahr auf einem Segelboot zu leben, muss das Boot groß genug sein. Klar. Und seetüchtig! Schließlich müsste man im Spätsommer über die Biscaya segeln… Wenn Geld also überhaupt keine Rolle spielen würde, würde ich den Törn mit … Néfertiti machen!

2. Welche Erfindung wünschst du dir?

Eine Zeitmaschine! Ich würde gerne in die Vergangenheit reisen, in der die Flüsse noch sauber waren und man Fische essen konnte, ohne eine Schwermetallvergiftung fürchten zu müssen. Vielleicht gelänge es mir ja auch mit meinem heutigen Wissen ein paar unheilvolle Entwicklungen der Menschheitsgeschichte zu verhindern…

3. Was war dein größtes Abenteuer bis jetzt?

Ich bin zusammen mit meinem Vater und meiner Schwester vor der Küste Schottlands in den damals schlimmsten Sommersturm seit zwanzig Jahren gesegelt. Nach einer langen Nacht und einem langen Vormittag, in der ich fast die ganze Zeit Ruder gegangen bin, suchten wir Schutz in Aberdeen, wo man im Hafen Windgeschwindigkeiten von bis zu 64 Knoten gemessen hatte. Aber war das mein größtes Abenteuer? Nein.

Ich bin mit 20 DM in der Tasche aufgebrochen und einen ganzen Sommer lang durch Frankreich getrampt. Habe nur von Straßenmusik gelebt. Aber war das mein größtes Abenteuer? Nein.

Irgendwo in der Einöde. Der Herr des Hauses war weggefahren, um Pillen für seine tabletten- und alkoholabhängige Frau zu besorgen. Sie war krank. In einem furchtbaren Zustand. Ich sollte mich bis zu seiner Rückkehr um sie kümmern. Und ihr tunlichst nichts Alkoholisches zu trinken geben. Noch schlief sie. Später hörte ich  Geräusche und schaute nach ihr. Sie war aufgewacht. Ich setzte mich an ihr Bett und wir unterhielten uns. Plötzlich zog sie eine Pistole zwischen ihren Kissen hervor und hielt sie mir an den Kopf:
„Du holst mir was zu trinken!“ Sie meinte kein Wasser, aber war dabei so zittrig, dass ich ihr die Waffe in der gleichen Sekunde aus der Hand nehmen konnte.

Ich legte die Pistole beiläufig (aber außerhalb ihrer Reichweite) auf den Boden und unterhielt mich mit ihr weiter, als sei nichts geschehen. An diesem Tag hat sie aufgehört zu trinken. Aber war das mein größtes Abenteuer? Nein.

Das größte Abenteuer meines Lebens lässt sich mit einem Satz beschreiben.
Es  ist die Begegnung mit Iman!

Steilküste an der Ostsee

Irgendwo an der Ostsee

4. Worauf kannst du verzichten?

Auf Menschen ohne Humor.

5. Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?

The Shock Doctrine (Die Schock-Strategie) von Naomi Klein

6. Schlafen: Camping, Couchsurfing oder Hotel?

Wild campen. Auf meinen Tramperreisen mit Rucksack habe ich immer wild gecampt. Schon aus Gewichtsgründen (damals waren Zelte nicht so leicht) nur mit Schlafsack, Isomatte und, wenn es regnete, einer Plane.

Einmal wachte ich morgens auf, weil mir etwas Nasses durch das Gesicht wischte. Als ich meine Augen öffnete, starrte ich in die Augen eines wolfsartigen Schäferhundes. Ich wußte bis dahin nicht, wie schnell man aufstehen kann. Im Bruchteil einer Sekunde sprang ich brüllend aus dem Schlafsack. Der arme Hund hat wahrscheinlich den Schreck seines Lebens bekommen …

Diesen Herbst war ich das letzte Mal ein paar Tage im Wald wandern und natürlich habe ich draußen geschlafen!

7. Transport: Segelboot, per Anhalter oder zu Fuß?

Per Anhalter zum Hafen, zu Fuss zum Boot und dann segeln …

Aber im Ernst: Ich liebe Trampen. Man kann mit wenig Geld in kurzer Zeit lange Strecken zurücklegen. Bei sehr langen Strecken z.B. Hamburg-Pyrenäen oft schneller als allein mit eigenem Auto. Wenn es denn um Geschwindigkeit geht.

Aber wenn man ein paar tausend Kilometer auf diese Weise zurückgelegt hat, stellt man fest, dass das eigentliche Geschenk des Trampens etwas anderes ist: Die Menschen, denen man begegnet. Es ist erstaunlich, wie tief, vertrauensvoll und persönlich solche Gespräche werden können. Es gibt keine bessere Möglichkeit ein Land und seine Menschen kennenzulernen. Und man wird erstaunt feststellen, wieviel Gastfreundschaft es selbst in einem Industrieland wie Deutschland auch heute noch gibt…

Das einzige was mir beim Trampen zu kurz kommt ist das Naturerleben. Autobahnraststätten lassen die Seele nicht gerade baumeln. Selbst wenn man über Land trampt, steht man immer an irgendwelchen Straßen. Trampen ist letzten Endes auch nur Autofahren.

Das ist sowohl beim Segeln als auch beim Wandern anders. Nach Tagen in den Bergen ins Tal abzusteigen und in einem Dorfsupermarkt seine Vorräte aufzustocken, fühlt sich genauso an, wie nach mehrtägiger Überfahrt in einen Hafen einzulaufen. Segeln und Wandern rufen bei mir die gleichen Empfindungen hervor. Du, Timo, schreibst über die Liebe zu Deinem Rucksack. Die Liebe zu einem Segelboot fühlt sich ganz ähnlich an. Man ist in der Natur, hat sein Schneckenhaus dabei und wird daran erinnert, wie wenig man zum Glücklichsein braucht.

Steilküste Ostsee

Blick auf das Meer

8. Welche Sportart würdest du gerne mal ausprobieren?

Etwas, das ich gern mal machen würde ist segelfliegen…

9. Was würdest du tun, wenn du vor nichts Angst hättest?

… wenn nur die Flugangst nicht wäre.

10. Was wolltest du schon immer mal lernen? 

Aikido. Das ist eine Selbstverteidigung, die die Kraft des Angreifers umlenkt, um ihn zu Fall zu bringen.

Ich kann meinen Mund nicht halten, wenn ich echte oder vermeintliche Ungerechtigkeiten sehe. Es ist ein Wunder, dass ich in meinem ganzen Leben nur einen einzigen Faustschlag einstecken musste. Und der traf mein Gesicht. Feiger Weise, während ich gerade in eine andere Richtung sah. Dabei hätte mir Aikido zwar auch nicht geholfen, aber diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich nicht unverwundbar bin, und auch ich mich nicht immer mit Worten herausreden kann… Deshalb fände ich es toll Aikido zu beherrschen.

11. Dein Leben wird verfilmt: Wie lautet der Titel?

Der Film hieße natürlich: Fahrtenseglers Glück ;)

 

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Die Regeln des Blogstöckchens:

Wer die Auszeichnung annimmt, muss auf dem eigenen Blog 11 Fragen beantworten. Dabei muss er den Blog verlinken, von dem die Auszeichnung stammt. Nur so kann man den Weg des Blogstöckchens nachverfolgen. Man kann das Blogstöckchen an maximal elf Blogs weiterreichen, denen man selbst 11 Fragen stellt. Das können eigene Fragen sein, oder die, die man selbst beantwortet hat. Die selbst bedachten Preisträger muss man schlussendlich ebenfalls verlinken.

Die nächsten preisverdächtigen Blogs:

Ich werde in den nächsten Tagen die Blogger anschreiben, die ich würdig finde und dann nach und nach die Links hier einsetzen. Die ersten haben schon geantwortet :)

fortgeblasen.at:  Wer schon mal in meine Linkliste geschaut hat, wird sich über die Nominierung nicht wundern. Eine außergewöhnliche Reise von zwei außergewöhnlichen Menschen. Besonders hat mir Claudias Antwort auf Frage  9 gefallen (Ratschlag an Segelneulinge). Aber auch für gestandene Segler strotzt die Seite nur so von guten Tipps. Oder die Antwort auf Frage 11? Schaut selbst mal…

– slisand.blogspot.de: „Jeder Tag auf dem Boot ist ein Abenteuer. Man weiß nie was kommt.“ Ich folge der Slisand seit Jahren. Andreas schreibt einfach und ehrlich. In jeder Zeile spürt man seine Liebe zur See. Seine wirkliche Stärke aber sind grandiose Fotos und einige der schönsten Segelvideos, die ich in langjähriger Youtube- Recherche gesehen habe. Kein Wunder: Andreas ist Kameramann. Ein Blick in seinen Blog lohnt sich…

– sysieben.wordpress.com: Susanne segelt weite Törns einhand und weiß unterhaltsam darüber zu schreiben. Inzwischen hat sie meine Fragen beantwortet. Herausgekommen sind schöne teils nachdenkliche Antworten eines Menschen, der keine Angst hat zu sagen, was er denkt. Ihr Blog ist unbedingt einen Besuch wert!

 

Fragen für die nächsten Preisträger:

1. Wie bist Du zum Segeln gekommen?

2. Welche Rolle spielt in Deinem Leben das Wort Aufbruch?

3. Warum ausgerechnet Fahrtensegeln? Was fasziniert Dich daran?

4. Worauf kannst Du verzichten?

5. Welches Buch sollte Deiner Meinung nach jeder einmal gelesen haben?

6. Was war dein größter Fehler beim Segeln?

7. Dein Leben wird verfilmt: Wie lautet der Titel?

8. Was war Dein größtes Abenteuer bis jetzt?

9. Was würdest Du einem Anfänger raten, der nach Lektüre Deines Blogs auch segeln möchte?

10. Auf dem Boot leben und unterwegs Geld verdienen: Geht das? Kannst Du es Dir für Dich vorstellen? Oder, wenn Du es machst: Welches sind Deine Erfahrungen?

11. Was ist Glück für Dich?


 

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8 Comments

  1. I-330 sagt:

    Jetzt hab ich dich gestern gefragt wann der Eintrag kommt und heute ist er da… Das nenne ich Leserfreundlichkeit :D Mal wieder wunderschön geschrieben, ich hab sehr gelacht über die Geschichte mit dem Hund beim wildcampen, echt toll was du schon alles erlebt hast. Wildcampen liebe ich auch, wenn man mehrtägige Touren mit dem Paddelboot macht und dann auf einer kleinen Insel mitten im See einschläft..

    PS: Aikido lohnt sich, ich bin seit über 10 Jahren dabei, hab zwar noch lange nicht das Gefühl das es mir bei nem Überfall helfen würde aber man lernt ein ganz neues Körpergefühl :)

    • Klaus Klaus sagt:

      Das tue ich doch gerne für meine lieben Leser! ;)

      Ich finde die „friedliche“ Grundidee von Aikido so schön, dass man mit der Energie eines Angreifers arbeitet, anstatt eigene Aggressionen einzusetzen…

      An Paddeln habe ich bei der Beantwortung von Timos Fragen nicht gedacht, aber das stelle ich mir auch wunderschön vor…

      Liebe Grüße
      Klaus

  2. Tom sagt:

    Sehr schön geschrieben wollte ich hier mal stellvertretend für den ganzen Blog los werden :-). Werde jetzt bestimmt öfter hier vorbei schauen.

    • Klaus Klaus sagt:

      Danke Dir, Tom.
      Viel Glück auch mit Deinem Blog. Ich glaube Jollensegler sind unter den Segelbloggern rar gesät. Planst Du auch Wanderfahrten mit Mogli?
      Liebe Grüße
      Klaus

      • Tom sagt:

        Vielen Dank :-).

        Auf jeden Fall möchte ich Wanderfahrten machen. Für den Mai sind da schon vier Tage in Holland fest eingeplant. Als Schottlandfan wäre es mein Traum einmal mit „Mogli“ den kaledonischen Kanal zu befahren/besegeln … aber da muss ich zuhause noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten ;-) und sicherlich auch erstmal noch mehr Erfahrung sammeln … bin ja noch Anfänger.

        Viele Grüße und noch weiterhin viel Spass beim Segeln und Bloggen
        – Tom

        • Klaus Klaus sagt:

          Lieber Tom,
          ich habe früher selbst Wanderfahrten mit der Jolle gemacht. Etwas Besseres zum Segeln lernen gibt es nicht!

          Liebe Grüße
          Klaus

  3. Bertram sagt:

    …ich finde Frage 4. ja gut beantwortet!

    :-)

    1000 Grüße und eine Umarmung an dieser Stelle

    • Klaus Klaus sagt:

      Alter Spaßvogel, das kann ich mir vorstellen. Das war übrigens die einzige Frage, bei der ich nicht eine Sekunde nachdenken musste …

      Alles Liebe
      Klaus

      P.S. Danke für Eure Karte. Ist vorgestern angekommen…

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