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Flautensegeln zur Blauen Balje

Feb• 21•14

Als ich morgens den Kopf aus dem Luk strecke, scheint die Sonne. Drei Windstärken versprechen schönstes Segeln. Die Blaue Balje liegt an der Ostspitze Wangerooges. Um dahin zu segeln, müssen wir das Hochwasser abpassen, das erst am frühen Nachmittag eintreten wird. Aber mit jeder Stunde, die verrinnt, nimmt der Wind ab…

Segelboot Néfertiti: Segeln bei Flaute

Flautensegeln

Als wir um 13.15 Uhr ablegen, ist nur noch eine Windstärke übrig. Es ist diesig und Zirren wandern hoch über uns durch den sommerlichen Himmel. Wir sind extra früher aufgebrochen, um trotz des leichten Windes segeln zu können.

Schnell sind die Segel gesetzt und als Schmetterling ausgebaumt. Mit leise, leise plätschernder Bugwelle schleicht Néfertiti durch die Telegraphenbalje. Manchmal sinkt die Fahrt unter einen Knoten, aber noch schiebt der Strom.
„Brauchst Du mich?“
„Nee.“
Iman holt sich ihren aktuellen Schmöker aus der Kajüte und geht aufs Vorschiff, um es sich auf Echna gemütlich zu machen. Aber auch hinten im Cockpit hat das Segeln etwas Kontemplatives. Die Fahrt reicht gerade um Steuerwirkung zu haben.

Eine Yacht läuft uns entgegen. Noch weit weg. Als sie dicht heran gekommen sind, macht die Frau an Bord Fotos von Néfertiti. Ich schalte nicht sofort: Fotos von Néfertiti unter Segeln … Klaaaus: Unter SEGELN!!! Sie sind schon fast vorbei, als ich rufe:
„Hallo! Wollt ihr mir das Foto schicken? Fahrtenseglers Minus Glück Punkt De Ee!“
Sie verstehen mich im Motorenlärm nicht:
„Foto an Fahrtenseglers Minus Glück Punkt De Eeeeee!!!“
Dann sind sie vorbei.
„Sie haben nicht verstanden, was du wolltest.“
„Nee, ich glaube nicht.“ Schade. Die sahen sympathisch aus. Hätten das bestimmt gemacht. Und ich hätte mich über ein Foto von Néfertiti unter Segeln echt gefreut.

Segelboot Néfertiti segelt im Watt hinter Wangerooge

Am Wattenhoch

So stellt sich wieder beschauliche Bordroutine ein. Wir müssen das Hochwasser ziemlich genau getroffen haben, denn auch hinter der Wasserscheide haben wir mitlaufend Wasser. Das freut den Navigator. Unter den Zirren bildet sich von Westen kommend eine zweite Wolkenschicht. Wenn da mal nicht wieder ein Tief im Anmarsch ist…

Kurz vor dem Ende der Pricken findet das Diminuendo des Windes ein Ende. Totale Stille. Flaute. Ich rolle die Genua ein und tuche das Groß auf. Die Strömung zieht uns ganz sanft den Priel entlang. Iman startet den Motor. Das Fahrwasser hat sich hier deutlich geändert, im Vergleich zu den Seekarten. Schließlich verlassen wir das Reich der Pricken. Néfertiti läuft vorbei an den ersten Tonnen. In der Blauen Balje, wo wir mehr Platz hätten, steht trotz des fehlenden Windes Schwell, also laufen wir zurück und ankern zwischen der letzten Tonne und den drei Pricken, die den Anfang des veränderlichen Wattfahrwassers markieren.

Ich will nicht in der Mitte des Priels ankern und ruiniere damit das Ankermanöver: Als die Kette gesteckt ist, messen wir nur noch 2,70 m Wassertiefe.
„Wir werden trockenfallen.“
„Nein.“
„Doch.“
„Heißt das noch einmal Ankerauf?!“ Ich nicke. Iman startet den Motor erneut, den sie gerade erst ausgestellt hatte. Ich hole die Kette ein und lasse sie an Deck liegen. Einige Minuten später ankern wir weiter zur Mitte des Priels hin. Nur noch den Ankerball setzen…
Naja. „Weiter zur Mitte des Priels hin“ ist Auslegungssache. Auch wenn ich mit mir selbst um jeden Meter feilsche: Eigentlich liegen wir mitten im Fahrwasser! Es ist mir peinlich. Néfertiti ist ein Hindernis für alle passierenden Boote…

Segelboot Néfertiti ankert bei der Blauen Balje

Néfertiti vor Anker

Da kommt auch schon das erste Segelboot. Ich bleibe im Cockpit sitzen und mache mich innerlich gefasst auf den ersten schneidenden Kommentar. Als das Boot querab ist, hebt der Rudergänger die Hand und winkt freundlich herüber. Ich winke erleichtert zurück. Aber er bleibt nicht der einzige… Obwohl wir hier unglücklich liegen, grüßen uns alle herzlich, die in den nächsten zwei Stunden vorbei fahren. Und irgendwann ist der Wasserstand so niedrig, dass keiner mehr kommt.

Der Himmel zieht sich grau zu und es nieselt. Ich denke, das uns damit gerade die Warmfront des Tiefdruckgebiets erreicht hat. Iman checkt den Wetterbericht: Keine Rede mehr von SW3 sondern von W4-5, zunehmend, Schauerböen. Bei 5 Bft kommen wir nicht durch das Seegatt. Also verkneife ich mir den Spruch von der schnellen Überfahrt. Ist wohl auch nicht das Wetter, mit dem ich Iman für das Hochseesegeln begeistern könnte …
Iman weiß, was in meinem Kopf vorgeht. Sie sagt:
„Wir bleiben morgen noch?“
„Ja. Wir checken morgen noch mal das Wetter, aber ich denke schon.“

Nieselregen am Ankerplatz bei der Blauen Balje

Nieselregen

Nun, erst einmal fliehen wir dem Nieselregen und machen es uns unter Deck gemütlich. Kerzenlicht. Schmökern. Faulenzen. Urlaub genießen. Mit Tee und einer Wärmflasche wird die Inhaberin der Backbordkoje verwöhnt. (Nein wir sind nicht so traditionsbewußt. Die Backbordkoje ist nur kürzer als die Steuerbordkoje. Da würden meine Füße raushängen, während Iman gut reinpasst. Dafür stoße ich mir gelegentlich das Schienbein am Tisch, den wir fast immer über die Steuerbordkoje geschwenkt haben, damit man freien Durchgang hat.)

Als ich abends noch einen späten Rundblick mache, entdecke ich ein kleines Segelboot, dass vor Minsener Oog ankert. Mit blauen an die Reling gehängten Cockpittaschen. Denen steht wohl eine unruhige Nacht bevor. Selbst auf die Entfernung kann ich ahnen, dass die ganz andere Bewegungen machen als wir hier. Nun denn. Zeit für die Koje…

♦♦♦

Segelboot Néfertiti ankert in der Blauen Balje

Farbtupfer in der Blauen Balje

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7 Comments

  1. Frank sagt:

    Hallo Klaus,
    Deine Schilderungen sind einfach nur genial ! Hast Du mal überlegt ein Buch über Eure Törns zu verfassen ???
    VLG !
    Frank

  2. Klaus Klaus sagt:

    Lieber Frank,

    danke Dir. Ich denke tatsächlich darüber nach …
    Wenn, dann erfahrt Ihr es hier als erste ;)

    Liebe Grüße
    Klaus

  3. Wingeier sagt:

    Hy ihr zwei
    Wieder ein toller Bericht…am 20. März ist es so weit…unsere Pamina erhält auch wieder Wasser unter dem Kiel und dann dürfen wir auch wieder diese Freiheit des Segelns geniessen..wünsche euch eine tolle Zeit…und das mit dem Buch schreiben wäre wirklich gut :-). Lg

  4. Till sagt:

    Moin Klaus,
    ich kann mich meinen Vorrednern nur anschliessen: bringe es doch bitte zu Papier! :)
    Grüße Till

  5. I-330 sagt:

    Schöne Idee mit dem Buch, das hier ist ja sowieso kein „klassischer“ Segelblog sondern eher, ich sag mal ein „seglerischer Fortsetzungsroman“ :)

  6. Jörg sagt:

    Ich freue mich auf jede Fortsetzung!

  7. Klaus Klaus sagt:

    Ihr Lieben,

    danke Euch für diese Unterstützung… Da denke ich doch gleich noch etwas ernsthafter darüber nach ;)

    Liebe Grüße
    Klaus

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